Nähkästchen
Piero Esteriore: «Ich will immer schöne Frauen mit mir auf der Bühne haben»

Sänger und Coiffeur Piero Esteriore plaudert aus unserem Nähkästchen. Über eine WM ohne Italien, geplatzte Träume und über seine Rolle als Psychologe.

Delphine Conzelmann
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Im Nähkästchen der Schweiz am Wochenende verstecken sich verschiedene Begriffe. Das Thema für Piero Esteriore: «Zuschauen».

Im Nähkästchen der Schweiz am Wochenende verstecken sich verschiedene Begriffe. Das Thema für Piero Esteriore: «Zuschauen».

Roland Schmid

Herr Esteriore, über welchen Begriff reden wir heute?

Piero Esteriore: Zuschauen.

Aufs Zuschauen muss sich ja gerade die Italienische Nationalmannschaft beschränken. Sind Sie enttäuscht?

Es ist auf jeden Fall nicht das gleiche ohne sie. Und das nicht nur, weil ich Italo bin. Die Holländer fehlen ja auch. Das wirkt sich einfach auf die Euphorie aus.

Und auf das Ego der Italiener?

Das ist natürlich eine Ohrfeige. Aber manchmal ist es auch ganz gut, wenn man gezwungen wird, auszusetzen. Das holt einen auf den Boden zurück.

Sie wissen ja, wie es ist, wenn man zuschauen muss, statt selbst auf der grossen Bühne zu stehen.

Ja. Und es tut weh, wenn man alles für seinen Traum getan hat, und dann kurz vor der Ziellinie heisst es «Sorry, der Deal ist geplatzt». Das musste ich auch immer wieder psychologisch aufarbeiten.

Gibt es denn geplatzte Träume, die Ihnen bis heute geblieben sind?

Unbedingt. Der Traum, ein Stadium zu füllen mit einem Publikum, das nur für mich da ist. Als ich mit Andreas Gabalier auf Tour war und einfach alles gestimmt hat, vom Zusammenspiel mit der Band bis zur Stimmung beim Publikum, dachte ich mir: «Warum funktioniert das eigentlich nicht, wenn ich allein auftrete?» Aber auch ohne solchen Riesenerfolg mache ich weiter Musik, nur einfach ohne den grossen Druck.

Es gibt also auch gute Gründe dafür, sich zurücklehnen und zuzuschauen?

Ja, viele. Alle glauben immer, das Musikerleben sei purer Rock’n’Roll, aber das stimmt nicht. Abends kann man ja nicht einmal rauchen oder trinken, ohne dass sich das am nächsten Tag an der Stimme rächen würde. Da ist es manchmal schon schön, wenn man ein Konzert von der anderen Seite einfach geniessen kann.

Wem schauen Sie denn am Liebsten zu?

Ich bin ein grosser Fan von Zucchero, Ramazotti und Helene Fischer. Bei denen stimmt einfach alles, von den Songs bis hin zur Bühnenshow. Ein guter Auftritt muss dem Publikum in eine andere Welt entführen. Und das ist auch bei grossen Sängern nicht immer der Fall. Bei einem Bon Jovi-Konzert bin ich sogar einmal eingeschlafen, weil es so monoton war.

Wie halten Sie denn bei Ihren Konzerten die Leute bei der Stange?

Genau deshalb gebe ich allgemein nicht mehr so viele Konzerte. Ich bin da sehr eitel. Aber wenn, dann geht es mir immer darum, zu entertainen. Ich will zum Beispiel auch immer ein paar schöne Frauen mit mir auf der Bühne haben. Dann haben auch die paar Männer im Publikum etwas zu sehen.

Hatten Sie schon immer das Talent, zu entertainen?

Ja; meine Eltern waren viel beschäftigte Musiker. Das Talent zum Entertainment wurde mir also quasi in die Wiege gelegt – ich kenne nichts anderes! Bereits als ich drei Jahre alt war, habe ich angefangen, in einer Mini-Playback-Show aufzutreten, und mit fünf Jahren begann ich Schlagzeug zu spielen.

Dabei sind Sie nicht nur Musiker. Sie haben Ihren eigenen Coiffeursalon. Muss man da auch ein bisschen entertainen?

Es gibt zumindest viele Parallelen. Auch bei meinem Publikum habe ich immer das Gefühl, mich in eine Beziehung zu begeben. Das ist fast schon Telepathie. Und um Beziehungen geht es auch, wenn Leute zu mir in den Salon kommen. Dann bin ich ein Stückweit auch ihr Psychologe, dem sie Glück und Sorgen anvertrauen.

Sie gewinnen Einblick in fremde Leben. Sind Sie dann nicht auch in der Zuschauerrolle?

Doch, aber passiv ist das ganz und gar nicht. Ich wasche Ihnen ja wortwörtlich den Kopf. Da macht man sich sehr verwundbar, und das schätze ich auch.

Sind Ihre musikalischen Fans denn auch Ihre Kunden im Salon?

Einige kommen vielleicht aus Neugierde, weil Sie mich aus den Medien kennen und wissen wollen, wer ich eigentlich bin. Aber sie bleiben nicht wegen der Unterhaltung, sondern wegen dem Haarschnitt. Wenn das nicht stimmt, reicht der Star-Faktor nicht aus.

Gibt es auch Schattenseiten dieses «Star-Faktors»?

Der Neid war schon immer spürbar. Meine Fangemeinde ist wahnsinnig warmherzig und unterstützend, aber die Presse hat mich oft als Zielscheibe missbraucht. Das liegt sicher auch daran, dass ich immer als «italienischer» Künstler wahrgenommen wurde, selbst dann, wenn ich auf Mundart gesungen habe. Meine neuste Single ist deshalb in Italien erschienen.

Sie sind mit Ihrer Heimat immer noch stark verbunden. Werden Sie die WM jetzt auch ohne Italien verfolgen?

Absolut. Ich schaue gerne Fussball und habe mit der Schweiz mitgefiebert. Schliesslich ist es nicht nur das italienische Herz, sondern auch das Schweizer Herz, das stark in meiner Brust schlägt.