Allschwil
Planer und Ingenieur erklären, wie sie den Kollaps verhindern wollen

Allschwil war noch bis vor einigen Jahren eine Schlafstadt. Doch nun sollen mehrere tausend Arbeitsplätze im Bachgraben-Areal entstehen. Dies gibt der Gemeinde neue Möglichkeiten.

Benjamin Wieland
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Kantonsplaner Martin Kolb (links) und Kantonsingenieur Oliver Jacobi (rechts) über Allschwil als Grossgemeinde. (Archivbilder)

Kantonsplaner Martin Kolb (links) und Kantonsingenieur Oliver Jacobi (rechts) über Allschwil als Grossgemeinde. (Archivbilder)

bz

Herr Kolb, bis vor wenigen Jahren war Allschwil eine Schlafstadt. Die Pendler wollten am Morgen rasch nach Basel und abends wieder zurück. Das ändert sich nun – im Bachgraben-Gebiet könnten bis zu 10'000 Arbeitsplätze entstehen. Ist Allschwil ein Modell für den Kanton?

Martin Kolb: Was in Allschwil passiert, ist in der Tat interessant. Seit einigen Jahren wachsen einige der ansässigen Unternehmen stark. Das Bachgraben-Areal war mal ein Gebiet mit Schrebergärten – schon heute sieht das schon ganz anders aus, und das wird sich noch akzentuieren. Vor allem das Areal ganz im Norden, dessen Entwicklung unter dem Namen «BaseLink» vorangetrieben wird, hatten wir in dieser Form noch nicht.

Was ist das Besondere am «BaseLink»-Areal?

Martin Kolb: Das Modulartige. Ein Unternehmen, das sich ansiedeln will, kann das im Westen oder im Osten tun, es kann ein kleines oder ein grosses Gelände überbauen, später ein weiteres Gelände anmieten. Das ist eine Blaupause für den ganzen Kanton – obwohl die Ausgangslage wohl einmalig und nicht beliebig wiederholbar ist.

Weshalb sollte diese Art der Areal-Entwicklung nicht andernorts wiederholbar sein?

Martin Kolb: Das hat mit den Besitzverhältnissen zu tun. Das Areal, das etwa zehn Fussballfelder gross ist, gehört nur zwei Grundeigentümern. Dem Bürgerspital Basel-Stadt und der Elektra Birseck Münchenstein. Das macht die Koordination sehr einfach. Beim grossen Entwicklungsgebiet Salina Raurica ist das anders. Dort finden wir rund 40 Grundeigentümer vor. Hinzu kommt, dass die Firmen, die nach Allschwil ziehen, stark international ausgerichtet sind. Sie schätzen die Nähe zum Flughafen.

Allschwil wird zum Zupendler-Ort. Was muss die Gemeinde dabei beachten? Welche Probleme kommen auf sie zu?

Martin Kolb: Allschwil wächst zwar, aber trotzdem muss die Gemeinde die Demografie im Auge behalten. Die Bevölkerung überaltert. Einige Gebiete sind stark davon betroffen, etwa der Rosenberg mit vielen Einfamilienhäusern. Somit gibt es zwei Entwicklungen: Einerseits müssen mehr Angebote für Wohnen im Alter geschaffen werden, etwa Alterswohnungen. Andererseits stellt sich die Frage, was mit den frei werdenden Einfamilienhäusern passiert. Diese müssten – im Sinne einer optimalen Entwicklung – durch grössere Baukörper ersetzt werden, damit mehr Menschen Wohnraum finden. Das könnte auch die Verkehrssituation entschärfen: Wenn die Arbeitnehmer in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen, müssen sie nicht pendeln. Somit sinkt die Verkehrsbelastung.

Herr Jacobi, mit einer Verkehrszunahme muss trotzdem gerechnet werden – gerade im Gebiet Bachgraben. Wie reagiert der Kanton?

Oliver Jacobi: Das Strassennetz um das Bachgraben-Areal wird laufend optimiert und die Kapazitäten werden, soweit möglich, erhöht. Beispielsweise mit dem Ausbau des Knotens Grabenring/Hegenheimermattweg zu einem Kreisel. Mittelfristig wird bezüglich Strassennetz ein Zubringer Allschwil den Zugang von der französischen Autobahn her, aber auch der Zugang von den regionalen Strassen in Frankreich deutlich verbessern. Bezüglich öffentlicher Verkehr wurde das Busangebot in Allschwil in den vergangenen Jahren stark erweitert und wird weiter ausgebaut. Mittelfristig wird die Verbindung Bachgraben–Bahnhof St. Johann an Bedeutung gewinnen. Dieser neue öV-Korridor soll unter anderem den französischen S-Bahn-Benutzern den Zugang zum Bachgraben verbessern. Ob dieses neue Angebot als Bus oder Tram ausgestaltet wird, muss noch genauer untersucht werden.

Ein anderes Projekt ist der geplante S-Bahn-Bahnhof am Morgartenring. Wann können die Allschwiler am Morgartenring auf den Zug?

Oliver Jacobi: Die Sinnhaftigkeit einer S-Bahn-Haltestelle Morgartenring hängt entscheidend vom langfristigen Netzkonzept einer trinationalen
S-Bahn Basel ab. Dieses trinationale
S-Bahn-Konzept ist zurzeit in Erarbeitung. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Sobald Klarheit besteht, welche Angebotszustände mit Inbetriebnahme des Bahnanschlusses Euro-Airport und später mit Inbetriebnahme des Herzstück-Ypsilons auf dem S-Bahn-Netz möglich sind, kann beurteilt werden, welchen Nutzen eine Haltestelle Morgartenring bringen könnte.

Derzeit sorgt ein anderes Projekt für Schlagzeilen: Die Umfahrung Allschwil. Der Regierungsrat forciert diese Strasse. Wie sieht hier die Planung aus?

Oliver Jacobi: Mit der Landratsvorlage Elba wird die Trasseesicherung sowie ein Kredit für die weitere Planung der Umfahrung Allschwil dem Parlament zum Beschluss unterbreitet. Der Beschluss soll noch 2014 erfolgen können. Eine Realisierung kann etappiert erfolgen: In einem ersten Schritt der Zubringer Allschwil, welcher die Nordtangente mit dem Bachgrabengebiet verbindet, und in einem zweiten Schritt die Umfahrung von Allschwil, welche im Raum Allschwil-Süd an die bestehenden Kantonsstrassen Richtung Basel-Neubad und Oberwil angeschlossen würde. Aktuell laufen bereits vertiefte Abklärungen, also Planungen zum Zubringer Allschwil.

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