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Wäre ein geplantes Rückhaltebecken bereits gebaut, wäre Allschwil am Montag vom Hochwasser verschont geblieben. Doch auch nach über 20 Jahren Planung ist der Dorfkern nicht sicher vor den Fluten.
Die Wassermassen, die am Montagabend Allschwil überfluteten, kamen aus dem Lützelbächli. Der Mülibach hingegen trat nicht über die Ufer – obwohl das der viel grössere Bach ist, der Richtung Dorfkern fliesst. Das lässt sich einfach erklären: Am Mülibach gibt es ein Rückhaltebecken, am Lützelbächli nicht. Dabei wollen Gemeinde und Kanton schon seit über 20 Jahren beide Gewässer mit Schutzmassnahmen versehen, die ein Jahrhunderthochwasser aushalten sollen.
«Hätten wir am Lützelbach ein Rückhaltebecken, wie wir es planen, hätte es am Montag sicher weniger Liegenschaften getroffen, vielleicht sogar gar keine», sagt Jonas Woermann, Projektleiter Gewässerplanung in der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD). «Das Ereignis am Montag war kein Jahrhunderthochwasser. Das haben unsere Hydrologen festgestellt.»
Die Schäden am Montag hätte man also vermeiden können. Doch die Mühlen der Bürokratie und des Rechtsstaats haben das verhindert. Nach verheerenden Hochwassern 1994 und 1995 bat die Gemeinde die Regierung, etwas zu tun. Darauf plante die BUD für den Mülibach 8 Meter hohe Wälle und für das Lützelbächli ein Rückhaltebecken.
Der Landrat gab grünes Licht. Der Allschwiler Einwohnerrat war einverstanden, von den 7 Millionen Franken Gesamtkosten 1,6 zu übernehmen. Doch in der Referendumsabstimmung 1999 siegten die Gegner. Sie befürchteten eine Verschandelung des Mülitals.
2000 gründete die Gebäudeversicherung eine Projektgruppe. Ihr Fazit: Ein Ausbau der unterirdischen Abflüsse im Siedlungsgebiet wäre zu teuer. Deshalb muss man die Hochwasserfluten vor dem Dorf zurückhalten. Anstatt des Damms sollte der Mülibach ein Rückhaltebecken erhalten, wie bereits das Lützelbächli im vorigen Projekt. Für ein entsprechendes Vorhaben genehmigte der Landrat 7 Millionen Franken.
2007 wurde das Rückhaltebecken am Mülibach gebaut. «Es zeigte bereits mehrfach Wirkung», sagt Woermann
Aber für das Becken am Lützelbächli reichte das Geld nicht mehr. Der Landrat genehmigte dafür 2011 einen neuen Kredit, doch diesmal zogen die Anstösser nicht mit. Sie sträubten sich gegen die geothermischen Abklärungen, die nötig sind, um das Becken auf einer soliden Grundlage zu erstellen.
Einigungsverhandlungen scheiterten, die Regierung ordnete eine zwangsweise Untersuchung auf den privaten Arealen an. Dagegen reichten die Landeigentümer Beschwerde ein, die das Kantonsgericht 2016 abwies. Damit war für die BUD der Weg frei, um ein Vorprojekt auszuarbeiten. Es liegt vor, und es zeigt sich, dass der Standort für ein Becken beim «Beggenecken» geeignet ist.
Noch dieses Jahr, hofft Woermann, wird die Regierung Geld für das Erarbeiten des Projekts sprechen. 2020 könnte der Landrat die nötigen 3 Millionen Franken zusagen, die Gemeinde danach wohl die vor über 15 Jahren versprochenen 200 000 Franken. Damit wären die Frage der Anwohnerbeiträge, die das Gesetz vorsieht, erledigt.
Doch die Landeigentümer können den Hochwasserschutz weiterhin verzögern, indem sie gegen das Bauprojekt und den Landerwerb opponieren. «Dann wäre Enteignung ein Thema», sagt Woermann. Doch das wolle man vermeiden. «Wir wollen nicht von Anfang an davon ausgehen, dass das nötig wird.» Wann das Lützelbächli ein Rückhaltebecken hat, darüber will er nicht spekulieren. «Das wäre wie der Blick in eine Kristallkugel. Zuerst wollen wir das Bauprojekt ausarbeiten»