SP-Hearing in Liestal
Grossandrang bei Herzogs Heimspiel

In Liestal trafen sich am Donnerstagabend die Genossinnen und Genossen zum vierten und letzten Hearing ihrer drei Bundesratskandidatinnen. Die Basler Ständerätin Eva Herzog hatte dabei ein Heimspiel. Die Debatte zwischen den Konkurrentinnen blieb aber zahnlos.

Jonas Hoskyn 1 Kommentar
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Die Basler Bundesratskandidatin Eva Herzog (r.) mit ihren Konkurrentinnen beim SP-Hearing.

Die Basler Bundesratskandidatin Eva Herzog (r.) mit ihren Konkurrentinnen beim SP-Hearing.

Bild: Juri Junkov

Nur eine Handvoll Hartgesottener sass am Donnerstagabend vor dem Kulturhotel Guggenheim und schaute auf dem Grossbildfernseher, wie Portugal gegen Ghana spielte. Ganz anders einen Stock weiter oben. Die über 100 Plätze beim vierten und letzten Hearing der SP mit ihren drei Bundesratskandidatinnen Eva Herzog, Evi Allemann und Elisabeth Baume-Schneider waren schon lange besetzt, bevor der Anlass losging. Dieser war öffentlich, gekommen waren aber natürlich vor allem Genossinnen und Genossen. Schliesslich winkt der Region nach jahrzehntelangem Warten endlich wieder ein Sitz im Bundesrat.

Simonetta Sommaruga.

Simonetta Sommaruga.

Bild: Keystone

Das Hearing war der Start zum Schlussspurt des kurzen, intensiven Wahlkampfs der drei SP-Kandidatinnen, nachdem Bundesrätin Simonetta Sommaruga Anfang November aus persönlichen Gründen überraschend ihren Rücktritt bekanntgab. Schon diesen Samstag wird die Fraktion bestimmen, mit welchen zwei Kandidatinnen sie am 7. Dezember bei den Bundesratswahlen antritt.

Besonders im Fokus stand in Liestal natürlich die Basler Ständerätin Eva Herzog. «Ich hätte nie gedacht, dass das Thema Bundesrat für mich nochmals kommt», sagte sie, als sich die drei Kandidatinnen zu Beginn vorstellten. Rund eine halbe Stunde widmete sich das Hearing dem persönlichen Hintergrund der Kandidatinnen, bekanntermassen nicht das Lieblingsthema von Herzog. Tatsächlich konnten Allemann und Baume-Schneider in der jovialen Startphase mehr Lacher verbuchen. Baume-Schneider konnte mit Anekdoten punkten, etwa wie sie als Jugendliche gegen einen Golfplatz in ihrem jurassischen Bauerndorf kämpfte.

Viel Persönliches, wenig Inhalte

Um politische Inhalte ging es anschliessend nur kurz. Jede Kandidatin durfte dabei ein Thema ziehen. Inhaltlich waren nur wenige Unterschiede zu erkennen, und auch überraschende Voten blieben aus: Die Ausführungen von Evi Allemann über Zuschüsse gegen die hohen Krankenkassenprämien hätten auch von der ehemaligen Basler Finanzdirektorin Herzog stammen können. Herzogs Werbespot für den Service public umgekehrt blieb ohne Überraschungen. Bezeichnend schloss sie mit den Worten:

«Wir sind uns hier drin wohl alle einig, wie man es machen muss.»

Punkten konnte die Baslerin, als sie das Thema Gleichstellung auf die Traktandenliste brachte. «Mich haben die Erkenntnisse meiner Dissertation über die Geschichte des Baselbieter Frauenturnens empört, und ich bin beim Thema immer noch empört.» Um dann ihren ersten Gag zu verbuchen: «Ihr habt sie ja sicher alle gelesen.»

Zwei Stunden ohne Widerspruch unter den Kandidatinnen

Spannender wurde das Hearing in der zweiten Hälfte, als die Zuschauerinnen und Zuschauer mit eingebunden wurden. Die erste Frage «Wo würdet ihr sparen?» überraschte die Kandidatinnen sichtbar. «Bei der Rüstung», meinte Baume-Schneider nach einer kurzen Schweigepause und erntete spontanen Applaus, nur um dann aber sofort wieder auf die Linie der anderen beiden einzuschwenken, dass es der Schweiz finanziell gut gehe und grundsätzlich ein Abbau nicht angesagt sei.

Ansonsten waren «wie du richtig gesagt hast» und «kann nur beipflichten» die meistgenutzten Teilsätze. Angriffe gegen die Konkurrentinnen waren nicht zu erwarten gewesen. Das ging so weit, dass während der ganzen zwei Stunden kein einziges Mal ein Widerspruch gegen das Votum der anderen Kandidatinnen zu hören war.

Miriam Locher, Gesprächsleiterin und Präsidentin der SP Baselland, u die Kandidatinnen Elisabeth Baume-Schneider, Evi Allemann und Eva Herzog (v.l.)

Miriam Locher, Gesprächsleiterin und Präsidentin der SP Baselland, u die Kandidatinnen Elisabeth Baume-Schneider, Evi Allemann und Eva Herzog (v.l.)

Bild: Juri Junkov

Auch kritische Fragen blieben die Ausnahme. Zwischendurch zeigte sich aber, dass Herzog bei einem Teil der SP ein politisches Imageproblem hat: Ein Votant versuchte Herzog wegen ihrer als bürgerlich kritisierten Steuerpolitik ins Schwanken zu bringen.

Die ehemalige Basler Finanzdirektorin beantwortete diese Fragen aber souverän, zumal der Vorwurf für sie nicht neu ist. Ein zweiter Zuschauer ordnete Herzog als Lieblingskandidatin der Bürgerlichen ein und fragte Allemann und Baume-Schneider, wie sie sich da positionieren wollen.

Bei den übrigen Themen wie dem Europa-Dossier und der Frage nach der richtigen Form der Neutralität waren die Antworten quasi deckungsgleich. Beim zweiten Thema punktete Allemann als profilierte Sicherheitspolitikerin:

«Unsere Armee kann sich für Frieden einsetzen, das haben wir auf dem Balkan gesehen.»

Die Schweiz solle sich mehr im Ausland engagieren und enger mit den Nachbarländern zusammenarbeiten. «Wir können nicht abseitsstehen.» Immer wieder blitzte bei Herzog ihre Dossiersicherheit auf. Im Hearing war allerdings kaum Platz für vertiefte Ausführungen.

Eine Qual der Wahl nannte der Bündnern Nationalrat Jon Pult die Kandidatinnenkür in seiner Begrüssung. Besonders viel geholfen, die Frage einfacher zu machen, hat das Hearing wohl nicht.

1 Kommentar
Thomas Zweidler

Hatte nicht das Glück, dabei zu sein, hatte aber das Glück den Anlass zufällig per Livestream auf der Internetseite des Regionalsenders  "TeleBasel" von A-Z zu verfolgen. Heimspiel für Herzog war es in BL. Glänzen taten aber die überzeugende Evi Allemann und die volksnahe E. Baume. Herzog, am Tisch rechts aussen, leider wiederum mit bitterer, ernster Mine (im Schatten der andern) und kargen Worten. Wenn das bei den Parteihearings auch so ist, nützt all ihr Wissen und Können wenig...