Schnellzüge
Politik will den Druck erhöhen: «Flughafenzug» soll wieder in Pratteln halten

Derzeit halten in Pratteln nur zwei Schnellzüge. Die Debatte im Einwohnerrat macht deutlich: Der Wunsch nach einem Halt des Flughafenzugs aus Basel ist noch lange nicht gestorben.

Michel Ecklin
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Am Prattler Bahnhof kann man derzeit nur in S-Bahnen steigen. Doch die Lokalpolitiker möchten das ändern.

Am Prattler Bahnhof kann man derzeit nur in S-Bahnen steigen. Doch die Lokalpolitiker möchten das ändern.

Kenneth Nars

Der Prattler Gemeinderat machte am Montagabend nicht den Eindruck, dass er an die Wiedereinführung eines stündlichen Schnellzughalts in Pratteln glaubt. «Eine Einflussnahme auf die SBB ist wahnsinnig schwierig», sagte Gemeinderat Stefan Löw (FDP) bei der Beantwortung eines Postulats von Einwohnerrätin Eva Keller. Die Sozialdemokratin hatte darin den Gemeinderat aufgefordert, in Sachen Schnellzughalt «dringend an den nötigen Stellen vorzusprechen».

Derzeit halten in Pratteln nur zwei Schnellzüge. Bis vor knapp zehn Jahren konnte man stündlich in den direkten Flughafenzug nach Zürich-Kloten einsteigen. Seither ist der Wunsch nach einem Schnellzughalt aber nicht gestorben, im Gegenteil. Das machte die Debatte im Einwohnerrat deutlich. Der Gemeinderat antwortete Keller nämlich, man spreche das Thema jedes Jahr bei der Vernehmlassung zum öffentlichen Verkehr an, worauf der Kanton jeweils bei den SBB vorstellig werde – bisher allerdings erfolglos. Von den SBB und aus Liestal hat die Gemeinde jetzt zudem die Antwort erhalten, die Lage habe sich seit 2012 nicht verändert. Damals hatte Keller bereits einen fast gleich lautenden Vorstoss wie jetzt eingereicht. «Wir bleiben dran», versprach Löw. «Wir werden weiterhin jedes Jahr bei der Vernehmlassung Anträge stellen.»

«Das sind faule Ausreden»

Doch damit liess sich der Einwohnerrat nicht abspeisen. «Das sind faule Ausreden des Kantons und der SBB», meinte Stephan Bregy (FDP). Pratteln habe sich in den letzten Jahren sehr wohl verändert. «Es wurde viel gebaut, es sind neue Arbeitsplätze entstanden.» Zahlreiche internationale Firmen seien hier, etwa aus dem Pharmabereich. Wichtig sei der Zughalt auch in Hinblick auf Salina Raurica. Der Flughafenzug aus Basel halte in Rheinfelden und in Brugg, dort würden nur wenig Leute einsteigen. Die SBB spielten sogar mit dem Gedanken, die IR in Zukunft sogar in Möhlin und Stein halten zu lassen – aber nicht in Pratteln.

Stattdessen seien die wenigen Flugzüge sogar verlangsamt worden, sagte Keller. Denn sie würden jetzt über den Zürcher Hauptbahnhof fahren. «Die Verbindungen in die Nordwestschweiz sind schlechter geworden», lautete ihr Fazit. Dabei sei Pratteln mit 7800 Passagieren pro Tag der drittwichtigste Knotenpunkt der Region, «und das erreichen wir fast nur mit der S-Bahn». Andreas Moldovanyi (SP) erinnerte daran, dass am Morgen bereits zwei Schnellzüge in Pratteln halten würden, nämlich Doppelstöcker. Das von den SBB angeführte Argument, die Perrons seien zu kurz, sei also überholt.

Halt in Pratteln oder Rheinfelden

Zähneknirschend schrieb der Einwohnerrat einstimmig Kellers Postulat ab. Doch Bregy stellte in Aussicht, zusammen mit der SP «Massnahmen zu ergreifen», damit Pratteln zu seinen Schnellzughalten komme. «Die Lobbyarbeit ist klar ungenügend», fand er. Wie eine bessere aussehen könnte, liess er allerdings auch auf Nachfrage der bz offen. Zum Beispiel ist für ihn unklar, ob man Druck auf den Gemeinderat, den Kanton oder die SBB ausüben müsse. Ein gangbarer Kompromiss wäre für Bregy, dass der Zug jede Stunde abwechslungsweise in Pratteln und an einem anderen Ort hält, zum Beispiel in Rheinfelden.