Weinbau
Politiker setzen sich für «Grenzgänger»-Wein ein

Dass der Kanton Christian Jäggis «Grenzgänger» degradieren will, stösst im Leimental auf Unverständnis.

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Christian Jäggi mit dem Pinot Noir, der sowohl schweizer als auch französische Trauben inne hat.

Christian Jäggi mit dem Pinot Noir, der sowohl schweizer als auch französische Trauben inne hat.

Kenneth Nars

Weil der Biel-Benkemer Weinbauer Christian Jäggi Rebgut aus Leymen (F) verwendet, muss er seinen Rotwein «Grenzgänger» auf Verlangen der Behörden wohl bald anders anschreiben. Damit würde sein Qualitätstropfen zu billigem Fusel degradiert. Diese von der «Schweiz am Wochenende» publik gemachte Geschichte ruft nun Politiker auf den Plan.

«Weil ein kantonales Amt die Paragrafen sehr einseitig auslegt, gerät ein anerkannter Baselbieter Winzer in Existenznöte», sagt der Oberwiler CVP-Landrat Pascal Ryf. Ryf kennt Jäggi und dessen Weine. Der prämierte «Grenzgänger» werde regelmässig an Apéros der Gemeinde und Kirchgemeinde Oberwil ausgeschenkt und von den Gästen geschätzt.

Nur noch billiger Fusel

Nun verlangt das Baselbieter Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (ALV) von Jäggi aber, seinen Wein so zu etikettieren – nur so: «Rotwein hergestellt in der Schweiz aus französischen Trauben.» Als würde der Biel-Benkemer Rebgut von irgendwo aus Frankreich zu einem Traubensaft zusammenmischen. Dieser lässt sich auf dem Markt nur noch als Kochwein verkaufen. «Das kanns nicht sein», ärgert sich Ryf.

Da rede man ständig von Wirtschaftsförderung, doch ausgerechnet der Kanton lege einem florierenden lokalen Betrieb, der zur Wertschöpfung in der Landwirtschaft beitrage, Steine in den Weg. «Unverständlich ist das Ganze auch deshalb, weil Jäggi seine Weine immer korrekt angeschrieben hat.»

Pascal Ryf ist überzeugt: Der Kanton hätte die Möglichkeit, eine Regelung zu treffen, die den gesetzlichen Vorgaben des Bundes gerecht wird und gleichzeitig Jäggi die Möglichkeit lässt, die Etiketten seines «Grenzgängers» wie bisher mit der Sorte (Pinot Noir), der Ursprungsbezeichnung (Leymen) und dem Jahrgang zu versehen.

So könnte der Kanton die Rebflächen im französischen Leymen mit jenen aus dem grenznahen schweizerischen Leimental zu einer gemeinsamen geografischen Einheit zusammenzufassen. Dies sei gemäss Weinverordnung des Bundes möglich, aber vom ALV nicht in Betracht gezogen worden, vermutet Ryf.

Mit einer Motion, die er am Donnerstag im Baselbieter Landrat einreichen wird, fordert der Oberwiler eine politische Lösung für die Rebbauern im Leimental. Neben Jäggi bewirtschaften einige weitere Winzer Rebflächen im grenznahen Ausland. Bis eine solche Lösung vorliegt, sollen sämtliche Abklassierungsverfahren sistiert werden.

Parallel zu diesem Vorstoss kämpft Jäggi auf juristischem Weg ums wirtschaftliche Überleben. Allerdings wird sich bei der Verhandlung vor Kantonsgericht im April die Frage primär darum drehen, ob dem Weinbauer das rechtliche Gehör verweigert worden ist.

Bald ein Thema in Bundesbern?

Unverständnis äussert auch die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. Sie lebt in Biel-Benken wenige Meter von der Landesgrenze entfernt; auch ihre Familie besitzt Reben in Leymen. «Das ALV legt die Gesetze gar formalistisch aus», kommentiert Schneider-Schneiter. Sie ist überzeugt, dass die kantonalen Behörden über reichlich Spielraum verfügen.

«Ist dies wider Erwarten nicht der Fall, so müssen auf Bundesebene die Regeln für den Weinbau in Grenznähe geändert werden.» Die Baselbieterin hat sich bereits mit dem Bauernverbands-Präsidenten Markus Ritter (St. Gallen) abgesprochen, der im Nationalratssaal neben ihr sitzt. «Weinbauern wie Christian Jäggi müssen so weiterproduzieren können wie bisher», sagt sie kämpferisch.