Gemeinderat
Polittheater in Schönenbuch mit lauter Verlierern

Wie konnte es so weit kommen, dass in Schönenbuch im Gemeinderat ein Scherbenhaufen angerichtet wird?

Tobias Gfeller
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André Knubel, der neue starke Mann von Schönenbuch.

André Knubel, der neue starke Mann von Schönenbuch.

Kenneth Nars

Das Verdikt der Schönenbucher Stimmbevölkerung am vorletzten Sonntag war klar: André Knubel wurde mit 272 Stimmen zum neuen Gemeindepräsidenten gewählt. Amtsinhaber Jürg C.Dieterle erhielt 84 Stimmen weniger. Nach monatelangem Hin und Her, nach ungültigen Wahlen, Rüffel vom Kanton und Rücktritt des eigentlich bereits gewählten Gemeindepräsidenten erlebte das Schönenbucher Polittheater tags darauf einen neuen Höhepunkt: Nach der nun definitiven Wahl Knubels traten sein Konkurrent Dieterle und die beiden Gemeinderäte Claudio Lasagni und Maggie S.Wenger «aus persönlichen Gründen» zurück, wie es in der Mitteilung der Gemeinde hiess. Sie hatten im Vorfeld klar Dieterle unterstützt.

«Die Art und Weise, wie dieser Wahlkampf geführt wurde und die daraus resultierende Wahl lässt sich mit unseren Prinzipien und Wertvorstellungen nicht vereinbaren», erklären Lasagni und Wenger in einem gemeinsamen Statement. Was sie im Detail damit meinen, sagen sie nicht. «Wir bedauern diesen Schritt, da wir uns sehr gerne für das Dorf engagiert haben und weiterhin engagiert hätten. Letztlich ist dies aber die einzig logische Konsequenz!»

«Frisch auf grüner Wiese neu beginnen»

An einem Tag wurde so aus einem Fünfergremium ein Duo aus André Knubel und Vizepräsident Rolf Roth. Für eine geordnete Amtsausübung im Gemeinderat braucht es mindestens drei Personen. Gemäss Knubel dürfte bald wieder gewählt werden. Bis dahin soll eine Ausnahmebewilligung gelten, die Knubel beim Kanton beantragt hat (siehe Box). Er sei daran, auf «fähige Persönlichkeiten» zuzugehen, verrät der neue Gemeindepräsident. Ziel sei es, den Gemeinderat zu verjüngen. Ein Grossteil der Bevölkerung sei bisher altersmässig zu wenig vertreten gewesen.

Wer denkt, der neue Gemeindepräsident sei wegen des Dreifachrücktritts besorgt, der täuscht sich gewaltig. «Das ist fast der beste Fall, der der Gemeinde passieren konnte», sagte Knubel am Montag zur «Basler Zeitung». Gegenüber der bz präzisiert er. «Die Rücktritte geben uns die Chance, einen Schlussstrich unter das, was passiert ist, zu ziehen und neue Kräfte zu akquirieren.» Die Gemeinde könne nun «frisch auf grüner Wiese neu beginnen», so Knubel. Von Bedauern ist beim Gemeindepräsidenten wenig zu spüren.

Dass der abgewählte Jürg C.Dieterle zurücktreten würde, überraschte nicht. Dass ihm aber seine Ratskollegen Lasagni und Wenger folgten, umso mehr. Das Tischtuch zwischen den beiden und André Knubel scheint unweigerlich zerschnitten. Dies mutet gerade bei Lasagni speziell an, wurde er doch gerade erst in diesem Jahr gewählt und hatte nur gerade eine gemeinsame Sitzung mit André Knubel, wie Letzterer verrät.

«Wir hatten keinen Krach im Gemeinderat»

Jürg C.Dieterle, Rolf Roth und André Knubel arbeiteten während Jahren im Gemeinderat Schönenbuch zusammen. Zwar betont Gemeindepräsident Knubel ausdrücklich: «Wir hatten keinen Streit.» Doch nach Frieden wirkt dies gegen aussen auch nicht.

Er bedauere die Rücktritte, sagt Vizepräsident Rolf Roth. Nach einer schlaflosen Nacht habe er sich zu Gunsten der Gemeinde entschieden, sein Amt weiterzuführen und nicht auch noch zurückzutreten. Es dürfe nicht zu viel Erfahrung auf einmal verloren gehen, und er habe noch etliche Projekte, die abgeschlossen werden müssten, sagt Roth. «Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam einen Weg finden werden», sagt er zur Zusammenarbeit mit André Knubel.

Doch einfach scheint dies, nicht zu werden. Denn Knubel habe eine Art an sich, bei der er sage, was er denkt, so Roth. «Zwischendurch kommt das gut an, zwischendurch nicht.» Er habe auch seine Eigenheiten, gibt der Vizepräsident zu. Wie Wenger und Lasagni hoffte auch er bei der Wahl vor zehn Tagen auf Dieterle. «Ich hätte gerne mit ihm als Gemeindepräsident weitergearbeitet.» Trotz aller Querelen ist es dem Vizepräsidenten wichtig klarzustellen: «Wir hatten im Gemeinderat keinen Krach. Wir haben stets gut zusammengearbeitet.»

Kanton erteilt Ausnahmebewilligung

Obwohl im Gemeinderat von Schönenbuch derzeit nur zwei von fünf Sitzen besetzt sind, ist er beschlussfähig: Die Baselbieter Regierung hat gestern ein Gesuch des Gemeinderats für eine Ausnahmebewilligung gutgeheissen. Somit sei sichergestellt, dass der Gemeinderat seine Aufgaben erfüllen kann, bis zu den für 13. Dezember angesetzten Wahlen zur Besetzung der drei freien Sitze, teilt die Regierung mit. Kann durch diese Wahlen die Beschlussfähigkeit nicht wiederhergestellt werden, muss allerdings ein erneutes Gesuch für eine Ausnahmebewilligung eingereicht werden. (bz)