Allschwil
Polizei erwischt Einbrecher nur selten

Während vier bis fünf Nächten pro Woche liegen 12 bis 15 Polizisten im Baselbiet wegen Einbrecher auf der Lauer. Die Einsatztaktik sei aber oft wie ein Lottospiel, erklärte die Polizei in Allschwil.

Patrik Rudin
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Die Polizei ist gegen Einbruchdiebstähle oft machtlos (Symbolbild).

Die Polizei ist gegen Einbruchdiebstähle oft machtlos (Symbolbild).

«Bei mir wurde auch schon zweimal eingebrochen. Jetzt habe ich einen Wädlibeisser. Der passt auf mich und meine Frau auf», erzählte Beat Krattiger, und der Polizist hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Als Spezialist in der Abteilung Kriminalitätsbekämpfung der Baselbieter Polizei beschäftigt er sich täglich mit dem Kampf gegen Einbruchdiebstähle, und am Mittwoch versuchte er, die Allschwiler Bevölkerung zu beruhigen.

Das Interesse war gross, rund 200 Anwohner kamen zur Infoveranstaltung - offensichtlich eine Folge der zahlreichen Einbrüche in Allschwil in den letzten Monaten (siehe Infobox). «Allschwil ist halt sehr gut gelegen», kommentierte Beat Krattiger seine Statistiken trocken, und er spielte damit auf die zahlreichen Kriminaltouristen aus Frankreich an.

Die Geschichten aus dem Polizeialltag waren prägnant: «Wir haben einen 9-jährigen Zigeunerjungen mit Brecheisen aufgegriffen. Dem haben unsere Handschellen kaum gepasst, er hatte so kleine Hände. Andererseits ging uns auch schon ein Erwachsener ins Netz, dem wir 180 Einbrüche nachweisen konnten. So was hebt dann die Aufklärungsquote entsprechend», erzählte Krattiger.

Polizei und Grenzwachtkorps

Aus dem Publikum kam die Frage nach einem rund um die Uhr besetzten Polizeiposten. «Eigentlich gehören die Polizisten nicht auf den Posten, sondern auf die Strasse. Es gab auch schon Einbrecher, die unsere Posten abgefahren und geschaut haben, ob die Patrouillenfahrzeuge draussen auf dem Parkplatz stehen», meinte Beat Krattiger dazu.

Die genaue Einsatztaktik sei geheim, aber er könne sagen, dass während vier bis fünf Nächten pro Woche etwa 12 bis 15 seiner Leute ausschliesslich wegen der Einbrecher auf der Lauer lägen. «Allerdings sticht in einer Woche mal Muttenz bei den Einbrüchen obenaus, eine Woche später ist es Laufen, dann wieder Oberwil. Vielfach sind wir am falschen Ort. Da eine Einsatztaktik festzulegen, ist manchmal wie Lottospielen», sagte Krattiger.

Auch Patrick Gantenbein vom Grenzwachtkorps betonte, man arbeite gerade bei Einbruchserien intensiv mit der Polizei zusammen. «Wir sind mit Patrouillen da, auch dann, wenn man uns nicht sieht.» Auf eine Frage aus dem Publikum räumte Gantenbein allerdings ein, die Zusammenarbeit mit den französischen Behörden sei «durchzogen». Die dortige Polizei habe eine ganz andere Struktur, das sei trotz Verbindungsleuten nicht immer einfach. «Die Kollegen da drüben haben eine andere Optik, die auf Paris ausgerichtet ist. Das Sundgau ist da ein absoluter Nebenschauplatz».

Beat Krattiger rief die Bevölkerung dazu auf, wachsamer zu sein. «Ein Einwohner sah um acht Uhr abends einen Unbekannten mit einer Leiter am Nachbarhaus hantieren und gab sich mit der Antwort zufrieden, es müsse etwas am Dach repariert werden. Erst als um Mitternacht die Leiter noch immer am offenen Fenster lehnte, rief er die Polizei an», meinte Krattiger kopfschüttelnd. Er gab allerdings zu, dass auch ein Hund kein Garant für Sicherheit sei: «Bei mir müsste man nur den Kühlschrank öffnen, dann könnte man vom Hund ungestört in Ruhe die ganze Wohnung ausräumen.»