Bahnhof Liestal
Polizei will pöbelnde Jugendliche in Griff kriegen

Seit der Neugestaltung des Bahnhofplatzes in Liestal haben Abfall, Alkoholkonsum und Pöbeleien leicht zugenommen. Die Polizei begegnet dem mit mehr Einsätzen vor Ort.

Alessandra Paone
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Bahnhof Liestal

Bahnhof Liestal

bz Basellandschaftliche Zeitung

Grosszügig präsentiert sich der neu gestaltete Bahnhofplatz in Liestal. Nicht nur SBB-Kunden nutzen die Gelegenheit, um noch mit einem zufällig vorbeigehenden Bekannten ein Schwätzchen zu halten oder auf einem Bänkli die letzten warmen Sonnenstrahlen zu geniessen.

Auch für Jugendliche ist der Bahnhofplatz – noch mehr als vorher – ein willkommener Treffpunkt. Eine Entwicklung, die nicht nur Freude bereitet.

Problem leicht verschärft

Abfall, Alkoholkonsum und Pöbeleien beschäftigen die Polizei derzeit mehr als sonst. Die Situation sei zwar nicht viel schlimmer als noch vor einigen Monaten. Dennoch habe sich das Problem leicht verschärft, sagt Meinrad Stöcklin, Sprecher der Baselbieter Kantonspolizei. Nach dem Motto «Wehret den Anfängen» habe die Polizei deshalb entschieden, ihre Präsenz zu erhöhen.

Seit einigen Tagen patrouillieren also Uniformierte und Zivilpolizisten der Stadt- und Kantonspolizei beim Bahnhof. «Diese Aktion ist als Präventionsmassnahme zu verstehen», so Stöcklin. Spreche sich nämlich herum, dass die Polizei vermehrt Präsenz markiere, verhielten sich die Jugendlichen zurückhaltender. Bis wann der erhöhte Polizeieinsatz beim Bahnhof dauert, kann der Polizeisprecher nicht sagen: «Das wird situativ entschieden.»

Noch einladender

Der Bahnhof sei verlockend für die Jugendlichen, bestätigt auch Ambros Zurfluh von der Stadt Liestal. Und durch die Neugestaltung sei der Platz noch einladender. «Das heisst aber nicht, dass wir das Problem nicht in den Griff bekommen.» Zurfluh weiss, wovon er spricht, leitet er doch seit vier Jahren das Projekt Bahnhofpaten. Er selbst ist auch immer wieder als Bahnhofpate unterwegs.

Das Projekt wurde im Jahr 2005 ins Leben gerufen, nachdem der Bahnhof ein Jahr zuvor wegen eines Überfalls auf den Pronto-Shop in Verruf geraten war. Meist sind die Helfer Rentner, Erwerbslose oder Personen in Ausbildung. Finanziert wird das Projekt durch die SBB. Sie übernehmen die Kosten für die Infrastruktur, das Material und die Ausbildung.

Freiwillige gesucht

Derzeit sind in Liestal 23 Paten im Einsatz. Die Stadt sucht aber weitere Freiwillige, wie eine Anzeige in der neuesten Ausgabe von «Liestal aktuell» zeigt. Nicht etwa weil die Situa-
tion beim Bahnhof aus dem Ruder laufe und die Paten überfordert seien, betont Zurfluh. Im Gegenteil: Das Projekt sei sehr erfolgreich und die Lage habe sich in den letzten Jahren sehr beruhigt. «Wegen der ständigen Rotation der Freiwilligen suchen wir immer wieder Leute», nennt Zurfluh den Grund für die Aufstockung.

Neben den Jugendlichen prägen auch die Randständigen das Bild des Liestaler Bahnhofs. Schon frühmorgens sitzen sie mit ihren Bierdosen rum. Mit ihnen haben die Bahnhofpaten aber ein gutes Verhältnis. «Wir reden immer wieder mit ihnen. Das schätzen sie, denn so fühlen sie sich ernst genommen», sagt Zurfluh. Dass einer von ihnen die Beherrschung verliere, sei eher selten der Fall.