Pop-Up-Store
Neu im Stedtli von Liestal: Frauen unterstützen Frauen

Die Liestaler Abteilung des Frauen-Serviceklubs Zonta unterstützt mit einem Warenverkauf in der ehemaligen Stadtapotheke Frauen in der Region.

Eva Oberli
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Fünf der acht Mitglieder des Zonta-Klubs Liestal (von links) : Ursula Althaus, Alice Rufer Hohl, Doris Blum, Regula Haab und Therese Moser.

Fünf der acht Mitglieder des Zonta-Klubs Liestal (von links) : Ursula Althaus, Alice Rufer Hohl, Doris Blum, Regula Haab und Therese Moser.

Kenneth Nars

«Wir wollen kein Brockenhaus und kein Ramschladen sein», erläutert Club-Präsidentin Alice Rufer Hohl gleich zu Beginn die Grundidee des Projekts. Die acht Frauen von Zonta Liestal haben in den vergangenen Monaten Tausende Accessoires für ihren einmonatigen Warenverkauf zusammengetragen, ein Kartenlesegerät gekauft und das Falten von T-Shirts und Pullovern perfektioniert.

Denn nebst Modeschmuck, Gürtel, Taschen und Foulards «aus erster und zweiter Hand» verkaufen die ehrenamtlich engagierten Frauen im sogenannten Lockdown-Sale auch Kleidungsstücke aus dem benachbarten Modegeschäft Kleider Hoch Klassik. Während des letzten Jahres musste dieses immer wieder schliessen und konnte deswegen die bereits eingekauften Kollektionen nicht an die Frau bringen. Geschäftsführerin Christina Hoch Dreier kannte den Zonta-Club bis zu ihrer Zusammenarbeit noch gar nicht, jetzt bezeichnet sie das Angebot und die Unterstützung als ein «grosses Geschenk».

«Es ist schön, so eine Wärme zu spüren in dieser kalten und gerade für die Modebranche schwierigen Zeit.»

Dass Zonta Liestal auf diese Art dem ebenfalls von Frauen geführten Nachbargeschäft helfen kann, freut den Club besonders. «Das ist die Art von Frauensolidarität, für die wir mit unserem Serviceklub stehen.»

Das Verkaufslokal an der Rathausstrasse 17, in dem ab heute modische Ware für einen guten Zweck über den Tresen gehen soll, ist in Liestal nicht unbekannt. Bis 2018 befand sich darin die Stadtapotheke, geführt von Doris Blum, die ebenfalls Mitglied des Zonta-Clubs ist. Die leerstehende Räumlichkeit erwies sich mit seiner zentralen Lage im Stedtli als ideal für das Projekt.

Von Frauen für Frauen weltweit

Der Liestaler Club gehört zu der weltweit aktiven Organisation Zonta, die es sich zum Ziel gemacht hat, Frauen in allen Lebensbereichen zur Seite zu stehen. Die jeweiligen Unterstützungsmassnahmen des Zonta-Clubs fallen hier in der Region ebenso unterschiedlich aus wie die Anfragen.

Mal finanziert Zonta eine Semestergebühr oder eine Fortbildung, mal wird ein Klamottengutschein spendiert oder ein Zugbillett, um die Familie im Ausland zu besuchen. Grundsätzlich ist aber immer das Ziel, die Frauen nachhaltig zu stärken, sei es beruflich, familiär oder im sozialen Umfeld. Welche Anfragen angenommen und welche zurückgewiesen werden, darüber entscheiden die acht Liestaler Club-Mitglieder «basis-demokratisch» per Abstimmung, so die Präsidentin.

Die insgesamt elf Clubs in der Deutschschweiz sind eng vernetzt, nebst den regionalen Angelegenheiten unterstützt Zonta Schweiz auch internationale Kampagnen wie «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» oder den vom Frauen-Notruf Münster ins Leben gerufene Code «Ist Luisa hier?», mit dem Frauen in Bars und Discos das Personal diskret um Hilfe bitten können, wenn sie sich belästigt, verfolgt oder schlicht unwohl fühlen.

Ein Polster für künftige Anfragen

Die Einnahmen aus dem Pop-up-Store werden nicht in ein bereits festgelegtes Projekt fliessen, sondern sollen die Clubkasse wieder auffüllen. Denn wie viele andere ehrenamtliche Organisationen befindet sich auch Zonta permanent im Dilemma zwischen Hilfe anbieten wollen, aber diese vielleicht nicht finanzieren können.

«Wir müssen immer aufpassen, dass wir nicht zu sehr auf uns und die Service-Leistungen aufmerksam machen. Sonst laufen wir Gefahr, von Anträgen überschüttet zu werden, die wir dann aus finanziellen Gründen ablehnen müssen»,

erklärt Regula Haab.

Auf der offiziellen Website von Zonta Schweiz und Lichtenstein heisst es: «In unseren Clubs können Frauen Mitglied werden, die in einer verantwortungsvollen Stellung tätig sind.» Ob dieser etwas elitär anmutenden Formulierung verwerfen die Liestalerinnen die Hände.

Das stamme noch aus der Gründungszeit des Clubs vor über 100 Jahren und sei aus heutiger Sicht fürchterlich zu lesen. Damals, 1919 jedoch, konnten es sich eben nur Frauen der gehobenen Klasse leisten, in ihrer Freizeit in einem Service-Club aktiv mitzuwirken. Regula Haab kehrt den Spiess prompt um:

«Eigentlich ist es doch so: Überall dort, wo Frauen tätig sind, sind sie verantwortungsvoll.»

Der Pop-up-Store wird im Mai dreimal die Woche geöffnet sein. Donnerstags und freitags jeweils von 10 bis 18 Uhr und am Samstag von 10 bis 16 Uhr. Nach insgesamt zwölf Verkaufstagen ist am 29. Mai schon wieder Schluss.