Coronavirus
Positive Auswirkung von Corona: Die Luft im Baselbiet ist sauberer als üblich

Als Nebeneffekt der Pandemie gab es weniger Schadstoffe in der Luft. Aber nicht nur das Virus spielte eine Rolle.

Michel Ecklin
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Seit gestern gilt Homeoffice-Pflicht. Wie im Lockdown im vergangenen Frühling sind auf der A2 deutlich weniger Autos unterwegs als sonst.

Seit gestern gilt Homeoffice-Pflicht. Wie im Lockdown im vergangenen Frühling sind auf der A2 deutlich weniger Autos unterwegs als sonst.

Nicole Nars-Zimmer

Die Pandemie hat 2020 zu Einschränkungen des Alltagslebens in der Schweiz geführt. Während des ersten Lockdowns im vergangenen Frühling waren fast alle Läden zu und viele Menschen arbeiteten zuhause. Deshalb gab es weniger Verkehr auf den Strassen, und deshalb war die Luft im vergangenen Jahr sauberer als in den Vorjahren. Das zu vermuten, wäre eine naheliegende Schlussfolgerung - und sie ist auch nicht ganz abwegig. Nur ist die Realität etwas komplexer als das.

Tatsächlich zeigen die nackten Zahlen des Lufthygieneamts beider Basel, dass 2020 für die Luft in der Region ein gutes Jahr war, deutlich besser als die vorangegangenen Jahre. So verzeichneten alle Messstationen tiefere Stickstoffdioxid-Werte. Dasselbe gilt für den Feinstaub in der Luft. Und 2020 wies im Vergleich zu den Vorjahren in der Region leicht geringere Ozon-Belastungen auf. «Dieser deutliche Rückgang der Luftschadstoffe ist wahrscheinlich auf die Reduktion des motorisierten Verkehrs aufgrund der Corona-Pandemie und auf günstige Witterungsverhältnisse zurückzuführen», schreibt das Lufthygieneamt.

Wind trug zu rascher Schadstoffverteilung bei

Denn wie dreckig die Luft ist, hängt nicht nur davon ab, wie viele Schadstoffe in die Umwelt gelangen, also wie viel Verkehr auf den Strassen abläuft. Auch das jeweilige Wetter ist entscheidend für die Konzentration. Und im vergangenen Jahr war der Winter besonders mild, weshalb weniger geheizt werden musste. Der Sommer war weniger heiss als die vorangehenden, was vor allem die Bildung von Ozon hemmte. Zudem war es in der Region windiger als sonst, die Schadstoffe wurden rascher verteilt. All dies trug zu einer sauberen Luft bei.

Welchen Einfluss darüber hinaus Corona hatte, kann man abschätzen, wenn man eine theoretische Überlegung anstellt: Man vergleicht die Luftschadstoffe, die man aufgrund des jeweiligen Wetters erwarten würde, mit den tatsächlich gemessenen Werten. Genau das tut eine noch laufende, gesamtschweizerische Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). Die dortigen Forscher stellten fest, dass wegen der meteorologischen Verhältnisse 2020 sowieso eine geringere Verunreinigung der Luft zu erwarten gewesen wäre als in den Vorjahren. Rechnet man diesen Effekt weg, zeigt sich für die Messstation Basel-Binningen: Die Werte für Stickstoffverbindungen (NOx) und Stickstoffdioxid waren ab dem Lockdown leicht besser, für Ozon schlechter als in den Vorjahresperioden 2017 bis 2019.

Nahe der Strassen blieb die Luft dreckig

Zudem zeigte sich in der Studie: Das tiefere Verkehrsaufkommen bewirkt vor allem nahe an den Emissionsorten, also entlang der Strassen, bessere Luftwerte als üblich. Das bestätigt die Feststellungen des Lufthygieneamts beider Basel. An den beiden kritischen Messstandorten an der Feldbergstrasse im Kleinbasel und an der Autobahn A2 im Hardwald war die Belastung mit Stickstoffdioxid im Jahresmittel um jeweils sechs Millionstel Gramm pro Kubikmeter (μg/m3) tiefer als im Vergleich zum Vorjahr. Sie lag aber weiterhin mit acht, beziehungsweise fünf Punkten über dem Grenzwert von 30 Millionstel Gramm pro Kubikmeter, und das trotz des günstigen Wetters und Corona.

Eindeutig tiefer als üblich waren die Feinstaubwerte, die das Lufthygieneamt beider Basel am vergangenen Jahreswechsel registrierte. Weil Silvesterfeierlichkeiten weitgehend untersagt waren, wurde kaum Feuerwerk abgelassen. Die Peaks an den verschiedenen Messpunkten waren mit 40 bis 60 Millionstel Gramm pro Kubikmeter mehr als halb so hoch wie letztes Jahr. Doch auch hier beeinflusste das Wetter die Auswirkung des Virus, denn es regnete in den letzten Stunden des Pandemiejahres 2020.