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Poststerben im Baselbiet geht weiter : Nun trifft es Tenniken und Ziefen

Bereits neun Filialen hat die Post im Baselbiet seit 2009 niedergelegt. Stattdessen soll der Paketversand nun in der Landi oder in der Chesi stattfinden.

Leif Simonsen
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Immer mehr Poststellen werden geschlossen

Immer mehr Poststellen werden geschlossen

Keystone

So heilig ist der Service public nicht mehr, als dass man für die gähnende Leere in den Gemeindepostfilialen weiter Unsummen investieren will. Denn zurück in die Kasse kommt kaum mehr etwas. Zwischen 2000 und 2010 betrug nach Angaben der Post der Rückgang bei den Briefen 55 Prozent, bei den Paketen 43 Prozent und bei den Einzahlungen 22 Prozent.

Das heute dichte Poststellennetz lasse sich somit auf die Dauer nicht aufrechterhalten. Seit 2009 ist man nun dran, die Filialen zu schliessen, die am wenigsten rentieren. Brislach, Duggingen, Roggenburg, Röschenz, Schönenbuch, Wahlen und Tecknau wurden bereits niedergelegt. Als Nächstes betroffen sind Tenniken und Ziefen. Hier wird ab Herbst die Landi respektive die Chesi das Postgeschäft abwickeln.

Chesi wird wieder zum Treffpunkt

In den Gemeinden der Randregionen findet sich kaum jemand, der der Post Vorwürfe macht. Der Tenniker Gemeindepräsident Erich Wiesner nimmt den grossen Dienstleister gar in Schutz. «Die Zahlen haben den Betrieb nicht mehr gerechtfertigt. Es bringt tatsächlich nichts, wenn die Postangestellten den ganzen Tag dort sitzen und zwei Kunden bedienen.» Noch weiter geht Christine Brander, Gemeindepräsidentin in Ziefen. Dass die Postdienstleistungen nun in der Chesi ausgeführt würden, hätte gar Vorteile - dadurch könnte die Chesi wieder zum Treffpunkt werden.

Längere Öffnungszeiten

Ähnlich positiv denkt Wiesner. Eine Schliessung der Tenniker Postfiliale wird das Geschäft der Landi beleben, ist er überzeugt - und die sei ja auch am Kämpfen. Einen weiteren Vorteil der Zusammenlegung von Post und örtlichem Gemischtwarenladen sehen die beiden Gemeindepräsidenten bei den Öffnungszeiten. Die Post befindet sich schon länger in einem Teufelskreis. Wo kaum Kunden sind, hat man weniger lange geöffnet. Hat man nicht mehr lange geöffnet, bleiben noch mehr Kunden fern.

Mit den sogenannten Agenturen, mit denen die Post sich nun quasi als Untermieter bei den Dorfläden einmietet, geht zudem kaum eine Dienstleistung verloren. Die Tenniker und Ziefner können ab Herbst immer noch Briefmarken im eigenen Dorf kaufen und Pakete aufgeben, mit Bargeld einzahlen und Briefe abholen.

Wehmut statt Vorwürfe

Bei allem Pragmatismus gibt es aber auch wehmütige Klänge. «Die, die Postfächer haben, treffen sich hier zum Morgenschwatz», hebt Brander die soziale Funktion der Poststelle hervor. Auch Christoph Buser, der als Gemeindeverwalter von Tecknau, die Bevölkerung im Juni 2010 über die endgültige Schliessung informieren musste, sagt. «Das Dorfleben leidet zunehmends.» Er meint den Wegzug des Gewerbes in die Zentren. Früher gab es in Tecknau noch eine Bäckerei, bis vor zwei Jahren auch einen Dorfladen und eben die Post. Übrig bleiben den Tecknauern die beiden Dorfbeizen. Wie lange noch? «Was morgen ist, kann niemand sagen», ist sich der nachdenkliche Buser bewusst.