Fan-Randale
Pratteln fordert ein härteres Vorgehen gegen Hooligans

Nach den jüngsten Ausschreitungen rund um den Bahnhof wünscht sich der Prattler Gemeinderat ein konsequenteres und härteres Durchgreifen der Polizei.

Jakob Weber
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Immer wieder sorgen FCZ-Chaoten rund um den Bahnhof Pratteln für grosse Sachschäden.

Immer wieder sorgen FCZ-Chaoten rund um den Bahnhof Pratteln für grosse Sachschäden.

Kenneth Nars

Pratteln hat genug von randalierenden Hooligans. Nach den Auswärtsspielen des FC Zürich im Basler St.-Jakob-Park kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Ausschreitungen von FCZ-Chaoten. Am letzten Wochenende verursachten gewaltbereite Fans rund um den Bahnhof Pratteln erneut einen hohen Sachschaden: 250 000 Franken sind es diesmal. Der jüngste Vorfall hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

«Uns reicht’s», sagt Urs Hess, der Leiter des Departements für öffentliche Sicherheit im Prattler Gemeinderat. «Wenn wir die Schuldigen nicht dingfest machen, müssen die Betroffenen den Schaden selber zahlen. Das kann doch nicht sein. Weil uns die Sicherheit der Bürger wichtig ist, wollen wir sie in Zukunft besser schützen», sagt Hess.

Um die Vandalen zu identifizieren und zur Verantwortung zu ziehen, sieht der ehemalige SVP-Landrat nur eine Möglichkeit: «Die Polizei muss rigoroser und konsequenter eingreifen und die Verantwortlichen packen.» Nur so könne man die Personen identifizieren und straf- oder zivilrechtlich belangen.

Das findet auch Gemeindepräsident Stephan Burgunder: «Es reicht nicht, die Randalierer in den Extrazug zurückzubegleiten. Das ist zu wenig. Man muss die Leute zur Verantwortung ziehen.»

Warum die Polizei die Fans schnell zurückdrängt

Die Polizei Baselland kann die Forderungen der Gemeinde verstehen, erklärt aber, warum man am Samstag nicht anders handeln konnte. «Es ging darum, Personenschäden durch einfahrende Züge und weitere Sachbeschädigungen zu verhindern. Hätten die Fans die Bahnstrecke noch länger blockiert, wären weitere Züge ausgefallen», sagt Polizei-Sprecher Roland Walter. Deswegen habe die Polizei die Randalierer so rasch wie möglich in den Zug zurückgedrängt.

Mit der Hilfe von Bildmaterial sollen die Täter nachträglich zur Rechenschaft gezogen werden. Aus taktischen Gründen will sich die Polizei nicht zum zukünftigen Sicherheitsdispositiv äussern. «Grundsätzlich passen wir uns den Umständen an und ergreifen entsprechende Massnahmen», sagt Walter.

Immer wieder Pratteln

23. September 2017: Nach der 0:1- Niederlage im Spitzenspiel randalieren FCZ-Chaoten in ihrem Extra-Zug und ziehen insgesamt zehn Mal die Notbremse. Vier Züge fallen deswegen aus. In Muttenz verhindert die Polizei noch das Aussteigen, wenig später in Pratteln ist sie machtlos. Die Hooligans beschädigen Fahrzeuge und Gebäudefassaden. An der Glasfront des Helvetia-Towers werden Scheiben eingeschlagen. Insgesamt verursachen die Chaoten einen Sachschaden von 250 000 Franken.

12. April 2015: Bereits im Joggeli wird das Spiel unterbrochen, weil FCZ-Fans Pyrotechnik aufs Spielfeld werfen. Nach der 1:5-Niederlage sorgen die Hooligans für kriegsähnliche Szenen. Mit dem Nothammer aus dem Extrazug hinterlassen sie rund um den Bahnhof Pratteln an Autos und Geschäften eingeschlagene Scheiben. Als die Polizei einschreitet, wird sie von den Chaoten mit Pyros und Steinen beworfen. Erst als die sie mit Gummischrot gegen die Vandalen vorgeht, können die Hooligans zurückgedrängt werden. Die SBB muss den Zugverkehr auf der Strecke einstellen. Neun Züge fallen aus.

9. August 2014: Rund hundert Hooligans steigen in Pratteln aus dem Extrazug, bei dem sie zuvor die Notbremse gezogen hatten. Dort schlagen sie auf vereinzelte FCB-Fans ein und beklauen diesen. Ausserdem werfen die Chaoten Steine auf Autos und Passanten. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort und drängt die Fans nach 15 Minuten zurück in den Zug.