Asylwesen
Prattler Firma will mehr Asylaufträge

Der Bund muss die Betreuung seiner Asylzentren neu ausschreiben. 20 Jahre lang gingen deshalb Bundesaufträge zur Betreuung der Asylsuchenden jeweils direkt an die Zürcher Firma ORS Service AG.

Michael Nittnaus
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Am 22. Dezember 2011 öffnete Pratteln die Zivilschutzanlage für Asylbewerber. Ende März schliesst sie.

Am 22. Dezember 2011 öffnete Pratteln die Zivilschutzanlage für Asylbewerber. Ende März schliesst sie.

Ise

Wirklich überzeugend klingt es nicht: «Wir gingen davon aus, dass es keine anderen Anbieter gibt, die unsere Asylzentren betreiben wollen», sagt Jürg Walpen, Sprecher des Bundesamts für Migration (BfM).

Aktuell betreut diese mit 600 Mitarbeitern rund 6500 Asylbewerber auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene. Ein lukratives Geschäft: 2010 nahm ORS dadurch 55 Millionen Franken ein, berichtet Radio DRS. «Die Zusammenarbeit hatte sich bewährt», sagt Walpen.

Betreuung der Bundesasylzentren neu ausgeschrieben

Nun steht fest: Das BfM hätte die Aufträge jeweils öffentlich ausschreiben müssen. So verlangt es das Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen. Dies antwortete jüngst der Bundesrat auf eine Interpellation des Graubündner SVP-Nationalrates Heinz Brand, der das Monopol von ORS hinterfragte. Walpen: «Wir sind uns bewusst, einen Fehler gemacht zu haben. Künftig werden wir uns gesetzeskonform verhalten.» Die Konsequenz: Die Betreuung aller sieben Bundesasylzentren wird neu ausgeschrieben.

«Wir freuen uns sehr», reagiert Ernst Klauser von der Prattler ABS Betreuungsservice AG auf die News aus Bern. Der Verwaltungsratspräsident sieht die Ausschreibung als Chance für sein Unternehmen, weiter zu wachsen. Momentan betreuen 110 Mitarbeiter rund 800 Asylbewerber in mehreren Kantonen.

Darunter auch die 57 Personen, die noch bis Ende März in der Prattler Zivilschutzanlage Lachmatt untergebracht sind. Diesen temporären Auftrag erhielt ABS nur, weil sie aktiv auf den Bund zuging und dabei auch von der Gemeinde unterstützt wurde. «Für uns ist es natürlich schade, dass der Prattler Standort schliesst», sagt Klauser. ABS hoffe aber, die 700 Stellenprozente in anderen temporären Wohnheimen einsetzen zu können, die der Bund momentan einrichtet.

ABS will mitmischen

Am lukrativsten sind freilich die sieben Asylzentren. Auch hier will ABS mitmischen. Klauser gibt sich kämpferisch: «Mit unserer Bewerbung wollen wir zeigen, dass nicht nur ORS imstande ist, solche Aufträge zu erfüllen.» Nur schon für 2012 hofft das Unternehmen, um 30 bis 40 Mitarbeiter aufzustocken. Als Hürde könnte sich entpuppen, wenn der Bund für alle Zentren einen Gesamtauftrag vergibt. Diese Möglichkeit deutet Walpen gegenüber der bz an.

Klauser interessiert sich aber auch noch für eine andere Arbeit: ABS würde gerne die 32 Truppenunterkünfte herrichten oder auf ihre Tauglichkeit hin überprüfen, die Verteidigungsminister Ueli Maurer dem BfM Anfang Woche als Notunterkünfte für Asylsuchende angeboten hat. «Die sind infrastrukturell meistens sogar besser ausgerüstet als Zivilschutzanlagen.»