Musikhaus
Prattler Galery Music Bar verlegt Konzerte ins «Mini-Z7»

Am Sonntag fand das letzte Konzert in der Galery Music Bar statt. Nun ist der Konzertsaal bereits geräumt. Wegen Mietausständen musste das Galery Knall auf Fall schliessen. Dafür richtet das benachbarte Z7 eine Bühne für kleinere Konzerte ein – liebevoll «Mini-Z7» genannt.

Jeremias Schulthess
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Das Prattler Z7 übernimmt die Konzerte des Galery und will dafür eine intime Atmosphäre schaffen.

Das Prattler Z7 übernimmt die Konzerte des Galery und will dafür eine intime Atmosphäre schaffen.

Zur Verfügung gestellt

Laute Heavy-Metal-Musik dröhnt aus den Boxen. Verschwitzte Fans springen und tanzen zu kratzenden Gitarren-Riffs. Diese Szenen wird es in der Galery Music Bar in Pratteln nicht mehr geben. Am Montag wurde das Lokal geräumt - die Gitarren sind verstummt, was übrig bleibt, ist gähnende Leere. Ab sofort werden alle Konzerte der ehemaligen Musikbühne ins benachbarte Z7 verlegt. Dort will man eine extra Plattform für kleinere Konzerte schaffen: das «Mini-Z7». Mit Vorhängen, Teppichen und Stühlen soll eine «intime» Atmosphäre für Konzerte auf einer verkleinerten Bühne geschaffen werden.

«Riesenkatastrophe»

Die Galery Music Bar arbeitete eng mit dem benachbarten Konzerthaus Z7 zusammen. Der Geschäftsführer des Z7 Norbert Mandel bezeichnet die Schliessung als «Riesenkatastrophe». Ebenso sieht es die Leiterin der Galery, Mirjam Steiner: «Wir haben alles versucht, dass das Musikhaus bestehen bleibt.» Die Probleme hätten allerdings schon 2012 begonnen. Damals konnte sie nicht mehr die ganze Miete überweisen. So entstanden grössere Mietzinsausstände bei der Verwaltung Helvetica Property Five AG.
Steiner meint: «In konzertstarken Monaten haben wir die ganze Miete überwiesen, bei wenig Umsatz mussten wir die Miete reduzieren.» Die Miete in Höhe von 10 800 Franken habe man um bis zu 5000 Franken reduziert. Die Investoren-Gruppe Helvetica Property nahm dies nicht einfach so hin.

Ein Sprecher der Helvetica-Gruppe sagt, man habe «lange Zeit beide Augen zugedrückt». Nach weiteren Ausständen war für die Vermieter der Bogen aber vollends überspannt. Es folgten Mahnungen, Betreibungen und schliesslich die ausserordentliche Kündigung.

10'800 Franken - ein «Wucherzins»

Der Z7-Leiter Mandel wollte das Galery noch retten und bot einen reduzierten Mietpreis von 6000 monatlich. Aus Mandels Sicht ist das ein fairer Preis. Die geforderten 10 800 Franken bezeichnet er als «Wucherzins». Zwischen den «Marmorwänden» am Zürcher Hauptsitz der Helvetica sei man «weltfremd».

Prompt lehnte die Investoren-Gruppe das Angebot von Mandel ohne Begründung ab. Und die Investoren-Gruppe geht auf Mandels Kritik nicht ein. Man habe sich gegenüber der Galery-Betreiberin durchaus kulant gezeigt, sagt der Helvetica-Sprecher gegenüber der bz. «Hätten wir nur auf die Rendite geschaut, so hätten wir schon viel früher kündigen müssen.» Zudem: Der Mietpreis sei durchaus gerechtfertigt und man werde mit möglichen Nachmietern in dieser Preiskategorie verhandeln. Ob der Mietpreis unverändert bleibt, «wird sich dann weisen», sagt der Helvetica-Sprecher.

Die Investoren, die mehrheitlich in Skandinavien angesiedelt sind, hätten ein «Anrecht auf eine gute Vermietung der Liegenschaft». «Gut» heisse natürlich auch eine renditeorientierte Vermietung, räumt der Sprecher ein.

«Chance für Neues»

Andere sehen der Schliessung mit Wehmut entgegen. Eric Rütsche, der Leiter des Guggenheim Kulturhotels, kennt die lokale Musiklandschaft bestens. Zum Galery sagt er: «Es ist ein wichtiger Club, der wegfällt. Man sollte aber nicht so schnell den Kopf in den Sand stecken. Das Ende gibt auch eine Chance für Neues.»