Jäger-Streit
Prattler Jagdgesellschaft will wegen Pacht vor Gericht gehen

Der Prattler Gemeinderat hat nach über 40 Jahren der Prattler Jagdgesellschaft die Pacht weggenommen. Der Streit wird wohl vor Gericht ausgetragen.

Patrick Rudin
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Inwiefern die Wildschweinjagd selber ein Problem war, blieb am Montag ebenfalls offen. (Symbolbild)

Inwiefern die Wildschweinjagd selber ein Problem war, blieb am Montag ebenfalls offen. (Symbolbild)

Keystone

«Wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben und nicht an vereinsinterne Befindlichkeiten.» Dies erklärte Gemeinderat Max Hippenmeyer am Montag im Prattler Einwohnerrat. Was kühl und nüchtern klingt, hat zumindest in der Prattler Jagdszene für einiges Knistern im Unterholz gesorgt: Nach über 40 Jahren geht die Pacht des Jagdreviers nicht mehr an die alteingesessene Prattler Jagdgesellschaft, sondern an die neugegründete Jagdgesellschaft Schauenburg. Der Gemeinderat hatte die Pacht im November 2015 ausgeschrieben und die Neuvergabe für die nächsten acht Jahre kürzlich entschieden.

Vorwurf der Vetternwirtschaft

SVP-Einwohnerrat Christian Schäublin roch «Vetterliwirtschaft», zumal Gemeinderat Emanuel Trueb (CVP) Mitglied des neugegründeten Vereins ist. Er stellte im Einwohnerrat daher in einer dringlichen Interpellation unter dem Titel «Waidmanns-Unheil» Fragen zur Vergabe. Hippenmeyer wies den Vorwurf der Vetternwirtschaft zurück und warf umgekehrt dem Interpellanten die eigene Befangenheit vor: Christian Schäublin ist Sohn des Präsidenten der Jagdgesellschaft, die nun per April 2016 ihr Jagdrevier verloren hat.

Schäublin betonte, mit dem Entscheid verliere ein lokaler, traditioneller Verein in Pratteln faktisch seine Existenzgrundlage. Auch habe man die Betroffenen vorher nicht angehört und den Entscheid auch nicht sauber begründet. «Das geht so nicht und ist kein guter Stil», sagte Schäublin. Schliesslich stehe die Jagdgesellschaft seit Jahrzehnten im Dorf auch für die Hege und Pflege der Natur ein und erledige ehrenamtliche Arbeiten.

Gemeinderat Hippenmeyer entgegnete, der unterlegene Verein könne die Verfügung selbstverständlich anfechten. Die Gründe habe man dem Präsidenten der Prattler Jagdgesellschaft mündlich erläutert, indes seien diesem die Vergabekriterien des kantonalen Jagdgesetzes wohl bekannt. Und an diese habe man sich auch klar gehalten. «Hätte die Schauenburg-Gesellschaft Beschwerde gemacht, wären wir zu hundert Prozent unterlegen.»

Offenbar gab es im Sommer 2014 Gespräche mit der Gemeinde, nachdem der Verein seine Aufgaben «nicht mehr bewältigen konnte», wie Hippenmeyer sagte. Drei Mitglieder seien damals ausgetreten, inzwischen sind sie in der Jagdgesellschaft Schauenburg. Details zum Streit wurden am Montag nicht genannt.

Zahl der Jäger entscheidet

Inwiefern die Wildschweinjagd selber ein Problem war, blieb am Montag ebenfalls offen: Schäublin selber erwähnte nicht erfüllte Abschussquoten. «Das ist aber auch an anderen Orten so. Es kommt ja auch den Tieren zugute, wenn die Jäger nicht einfach wild drauflosballern», meinte Schäublin. «Das ist keine Sache des Einwohnerrats. Dein Vater soll Beschwerde machen, fertig», sagte schliesslich Max Hippenmeyer. Schäublin versicherte daraufhin, dies werde geschehen. Beschwerdeinstanz ist die Baselbieter Regierung, danach könnte die Geschichte noch vor dem Kantonsgericht landen.

Das kantonale Jagdgesetz sieht vor, dass die Pacht an die Jagdgesellschaft mit der grössten Zahl der ortsansässigen Jäger zu geben ist, alternativ zählen die Anzahl der Schweizer Jäger mit Wohnsitz in Baselland. Bei Gleichstand zählen «Kontinuität und Qualität». Je nach Reviergrösse muss die Jagdgesellschaft zwischen drei und zehn Mitglieder haben, wobei Doppelmitgliedschaften möglich sind. Dazu kommt eine Quote für den Wohnsitz im Kanton sowie für unter 70-Jährige.

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