Solothurner Kunstpreis 2017
Preisträger Bruno Leus ist noch lange nicht müde

In Solothurn, Baselland und Basel-Stadt sind etliche seiner Werke im öffentlichen Raum zu sehen. Der gebürtige Basler Bruno Leus erhält nun den Solothurner Kunstpreis 2017 – und hat nicht vor aufzuhören.

Dimitri Hofer
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Bruno Leus arbeitet in Wintersingen stets an neuen Werken.

Bruno Leus arbeitet in Wintersingen stets an neuen Werken.

Kenneth Nars

Besucht Bruno Leus seine Freunde und schaut sich deren Kunstwerke an, weiss er nicht immer, ob sie von ihm selber stammen. Nicht, dass der Verstand dem 74-Jährigen aus Hofstetten-Flüh einen Streich spielen würde. Es sind nur mittlerweile sehr viele Artefakte von ihm in Wohnungen in der Region Basel ausgestellt. Da den Überblick zu bewahren, ist selbst für den wachsten Geist kein Kinderspiel.

Kommt hinzu, dass in Solothurn, Baselland und Basel-Stadt etliche seiner Werke im öffentlichen Raum zu sehen sind. Das entging auch dem Kanton Solothurn nicht, der Bruno Leus den Kunstpreis des Jahres 2017 verleiht. Der Plastiker aus dem Schwarzbubenland füge «seine Arbeiten derart gut in ihre Umgebung ein, dass sie niemals aufdringlich sind», lobt die Solothurner Regierung den Preisträger. Die mit 20'000 Franken dotierte Auszeichnung ist durchaus als Preis für sein umfangreiches Lebenswerk zu verstehen.

Preis für Objektkunst an Renata Borer Die in Büsserach wohnhafte Renata Borer wird vom Kanton Solothurn mit dem Preis für Objektkunst und Installation ausgezeichnet. Die bildende Künstlerin stellt seit Jahren regelmässig in der Region Basel aus. «Die Zartheit ihrer Werke ist allgegenwärtig – und fasziniert: transparent, pastellfarben, überraschend in der Materialität und den Kompositionen, bildet die Kunst Renata Borers eine eigene, unergründliche Welt ab», schreibt der Kanton Solothurn über die 61-Jährige. Neben ihrer Tätigkeit als Kunstschaffende arbeitet Borer als Lehrerin am Regionalen Gymnasium Laufental-Thierstein. Nach vielen Jahren in Basel hat sie seit 2007 ihr Atelier wieder im Schwarzbubenland.

Preis für Objektkunst an Renata Borer Die in Büsserach wohnhafte Renata Borer wird vom Kanton Solothurn mit dem Preis für Objektkunst und Installation ausgezeichnet. Die bildende Künstlerin stellt seit Jahren regelmässig in der Region Basel aus. «Die Zartheit ihrer Werke ist allgegenwärtig – und fasziniert: transparent, pastellfarben, überraschend in der Materialität und den Kompositionen, bildet die Kunst Renata Borers eine eigene, unergründliche Welt ab», schreibt der Kanton Solothurn über die 61-Jährige. Neben ihrer Tätigkeit als Kunstschaffende arbeitet Borer als Lehrerin am Regionalen Gymnasium Laufental-Thierstein. Nach vielen Jahren in Basel hat sie seit 2007 ihr Atelier wieder im Schwarzbubenland.

zvg

Atelier in ehemaligem Bauernhaus

Der Künstler selbst ist da aber natürlich anderer Meinung. «Ich bin ja immer noch aktiv und habe noch lange nicht vor, aufzuhören», sagt er bei einem Rundgang durch sein Atelier in Wintersingen. Hier hat er vor einigen Jahren ein Kleinbauernhaus umgebaut und sich eine Werkstatt eingerichtet. Während er im ehemaligen Stall arbeitet, erhält er immer wieder Besuch von seinen zwei Enkelkindern, die im gleichen Haus wohnen. Sie schauen ihrem Opa gerne dabei zu, wenn er neue Werke erschafft. Zweimal pro Woche fährt er vom Solothurnischen Leimental ins Oberbaselbiet, um dort seine Ideen umzusetzen.

Momentan hat es Bruno Leus eine Technik angetan, bei der er sich durch gezieltes Einschneiden und Falten aus Papier eine Skizze bastelt. «Diese nehme ich als Vorlage und versuche, ein flaches Stück Eisen auf dieselbe Weise zu verbiegen», erklärt er. Im Atelier wimmelt es derzeit von solchen Werken, die er an seiner nächsten Ausstellung im kommenden Frühling in Balsthal zeigen wird. Und auch an Euter erinnernde knallblaue Schaumstoffplastiken wird es zu sehen geben. In der Werkstatt in Wintersingen sind sie derzeit der absolute Blickfang.

Frau brachte den Lohn nach Hause

Trotz seines Alters ist Leus kein bisschen müde und stets interessiert an neuen Arbeitsweisen und Kunstformen. Betrachtet man das Gesamtwerk des gebürtigen Baslers, fallen die verschiedenen Schaffensphasen auf. «Ich habe ständig neue Ideen, die ich eine Zeit lang verfolge und dann wieder hinter mir lasse.» In den vergangenen vier Jahrzehnten schuf er unzählige Installationen, Skulpturen und Zeichnungen. Die ersten davon entstanden in einer ausrangierten Militärbaracke in Therwil, welche der Künstler in den frühen 1970er-Jahren zu seinem ersten Atelier umbaute.

In diese Zeit fällt mit einem Relief im Aufenthaltsraum der Berufsschule in Muttenz auch das erste Werk im öffentlichen Raum. Zu ihm gesellten sich in den folgenden Jahren unzählige weitere Installationen im Raum Basel, die Fussgängerinnen und Fussgänger noch heute betrachten können. So zählt ein Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof Hörnli in Basel genauso zu Leus’ Arbeiten wie ein grosser rostiger Nagel aus Stahl bei der Berufsschule Breitenbach.

«Mit der Zeit war ich in diesem Kunstkuchen drin und erhielt immer wieder Aufträge», erklärt Bruno Leus unverblümt. An einen Galeristen habe er sich aber nie binden lassen, sagt er, «denn dann hätte ich nach seiner Pfeife tanzen müssen. Das wollte ich nicht.» Zu Beginn seiner Laufbahn arbeitete er zusätzlich zu seiner künstlerischen Tätigkeit noch als Hochbauzeichner und später als Kunstlehrer. Mit zunehmendem Erfolg konnte er sich aber vollkommen auf die Kunst konzentrieren. «Natürlich auch dank meiner Frau, die als Lehrerin ein geregeltes Einkommen hatte.» Für das grosse Verständnis ist er ihr bis heute dankbar.

Nutzt Preisgeld für eine Publikation

Unterhält man sich mit Bruno Leus, wird schnell klar, dass er dem Klischee des verkopften und abgehobenen Künstlers überhaupt nicht entspricht. Auch wenn er dadurch womöglich Vorteile hätte erlangen können, hat er sich stets dagegen gewehrt, Kompromisse einzugehen. Bei der Verleihung des Kunstpreises Mitte November in Solothurn macht er jedoch eine grosse Ausnahme und hält eine kurze Rede, vor der ihm jetzt schon graust.

Was er mit dem angenehmen Teil der Auszeichnung, nämlich dem stattlichen Preisgeld, anstellt, weiss Leus hingegen genau: «Ich möchte eine dreiteilige Publikation über mein Schaffen herausgeben.» Die einzelnen Seiten dafür liegen bereits fein säuberlich in einem Ordner parat.