Andere Regeln
Privatschüler kommen auch ohne Elterntaxi zur Schule

Staatliche Schulen kennen kein Mittel gegen Kinder, die mit dem Auto gebracht werden. Bei Privatschulen läuft es anders. Dabei hat eine Bottminger Fokus-Schule die gleiche Schwierigkeit wie alle Privatschulen: Ihre Schüler kommen meist von weit her.

Michel Ecklin
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Staatliche Schulen kennen kein Mittel gegen Kinder, die mit dem Auto gebracht werden. Bei Privatschulen läuft es anders. (Symbolbild)

Staatliche Schulen kennen kein Mittel gegen Kinder, die mit dem Auto gebracht werden. Bei Privatschulen läuft es anders. (Symbolbild)

kus

Brigitte Wechsler, Geschäftsführerin der Privatschule «Fokus selbstbestimmtes Lernen» in Bottmingen, sagt es klipp und klar: «Es ist bei uns sehr unerwünscht, dass Eltern ihr Kind mit dem Auto bringen.» Und sie betont, dass sich die Eltern auch an diese Bestimmung halten. Beschlossen worden ist sie von der Schulversammlung, wo alle Schüler und Mitarbeiter gleichberechtigt die Regeln für das Zusammenleben bestimmen. Die Eltern erfahren schon im Eintrittsgespräch von der Bestimmung betreffend Elterntaxi.

Dabei hat die Bottminger Fokus-Schule die gleiche Schwierigkeit wie alle Privatschulen: Ihre Schüler kommen meist von weit her – im Gegensatz zu denjenigen in Staatsschulen. Doch diese werden immer öfter von ihren Eltern zur Schule chauffiert. Die Schulbehörden der Gemeinden zeigen sich weitgehend machtlos dagegen (die bz berichtete). Die Folge sind soziale Defizite bei den Kindern; zudem kommt es vor den Schuleingängen zu gefährlichen Manövern von Eltern im Auto. Auch die Fokus-Schule kann Elterntaxis nicht ganz verbieten. «Aber wenn schon, dann sollen die Eltern ihr Kind nicht mitten auf der Strasse abladen, sondern dort, wo es Platz dafür gibt.»

Nur für die Eltern schlimm

Genau solche Abladeplätze wollen die Gemeinden vor ihren Schulen aber nicht schaffen. Man wolle das Chauffieren von Kindern nicht noch mit baulichen Massnahmen fördern, sagt zum Beispiel der Münchensteiner Gemeindepräsident Giorgio Lüthi.

Bei privaten Schulen lassen die Gemeinden aber andere Regeln gelten, zumindest für die International School Basel (ISB). Beim Reinacher Fiechten haben die ISB und die Gemeinde vereinbart, dass Eltern nicht bis zur Schule vorfahren, sondern nur bis zu einem eigens hergerichteten Ablade-Parkplatz an einer Hauptstrasse. In Aesch erhielt die ISB einen grosszügigen Abladebereich vor ihrem 2007 erstellten Gebäude bewilligt.

Dass es auch anders geht, zeigt neben Fokus die Rudolf-Steiner-Schule Mayenfels. Auch an dieser Privatschule hoch über Pratteln gibt es Schüler, die von weit her kommen. Doch man setzt auf Begleitung der kleinsten Kinder durch die Eltern im öffentlichen Verkehr und auf dem Fussweg hoch zur Schule. «Das funktioniert gut», sagt Béatrice Scholtes, in der Schule verantwortlich für die Schulwege. Sie erwähnt das Beispiel einer Schülerin, die in Waldenburg wohnt. «Wir bringen ihr jetzt bei, alleine mit dem Zug zu fahren.» Meist sei es weniger für die Kinder als für die Eltern ein Sprung ins kalte Wasser.

Behördlichen Zwang brauchten weder die Mayenfels- noch die Fokus-Schule. «Wir wussten, dass Elterntaxis überall zu Schwierigkeiten führen könnten», sagt Wechsler. «Und uns war es wichtig, dass wir bei den Anwohnern von Anfang an auf Akzeptanz stossen.» Schon im Baugesuch in Bottmingen kündete die Schule deshalb an, dass «Mama-Taxis gemäss Schulregeln nicht erlaubt» sein würden. Dem schenkten die Bottminger Behörden so sehr Glauben, dass in der Baubewilligung keinerlei Auflagen betreffend Transport zu finden sind.