Abstimmung Baselland
«Pro Bildungsrat»-Komitee verbreitet Parole über Social Media – für 1500 Franken

Linke gelten als Kritiker von Facebook und Co. Im Baselbiet aber weiss das linkslastige Komitee «Pro Bildungsrat» Facebook geschickt einzusetzen: 1500 Franken hat es aufgewendet, um seine Werbebotschaft im Netz zu platzieren.

Leif Simonsen
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Das Abstimmungskomitee «Pro Bildungsrat» finanziert Werbung auf Facebook. Im Bild: SP-Landrat Jan Kirchmayr.

Das Abstimmungskomitee «Pro Bildungsrat» finanziert Werbung auf Facebook. Im Bild: SP-Landrat Jan Kirchmayr.

Screenshot

Die «Starke Schule» hält an der bewährten Methode fest: Im Abstimmungskampf für die Abschaffung des Bildungsrats besetzt das Komitee die Strassenränder im ganzen Kanton und versucht mit Plakaten, auf sich aufmerksam zu machen. Statt sich auf einen hoffnungslosen Verdrängungskampf einzulassen, weichen die Gegner in die virtuelle Welt aus. Das Komitee «Pro Bildungsrat», das für die Beibehaltung des Gremiums in der heutigen Form ist, führt im Hinblick auf die Abstimmung vom 10. Juni eine finanzierte Kampagne in den sozialen Medien durch.

Es ist die erste in dieser Form, die im Landkanton ausgetragen wird. Das Budget ist verhältnismässig bescheiden, der potenzielle Kreis der Empfänger umso grösser. Die per Videobotschaft verbreiteten Abstimmungsempfehlungen von Adil Koller (SP), Bálint Csontos (Grüne) oder Pascal Ryf (CVP) erreichen über Facebook und Instagram Tausende. Viele User staunen, da sie mit den entsprechenden Politikern gar nicht befreundet sind.

Kampagne der FDP Baselland

«Bildungsrat ist Parallel-Regierung»

Im Gegensatz zu früheren Anläufen kämpfen dieses Mal gleich mehrere Gruppierungen für einen Ersatz des Bildungsrates durch einen Beirat Bildung ohne Entscheidkompetenz. Und sie tun dies mit unabhängigen Kampagnen. Nach dem Komitee Starke Schule beider Basel vor rund einem Monat präsentierte gestern nun die Baselbieter FDP ihre Argumente. Dabei legte sich Parteipräsident Paul Hofer, dessen Motion der Auslöser der Abstimmung war, mächtig ins Zeug: «Der heutige Bildungsrat ist stur, verfolgt nur Eigeninteressen und umgeht Volksentscheide. Er ist eine eigentliche Parallel-Regierung, weil er abschliessend entscheiden kann.» Dies sei einzigartig im Kanton und passe nicht ins demokratische System. Schliesslich käme auch niemand auf die Idee, einen Finanzrat zu fordern, der eigenmächtig über die Höhe der Steuern beschliessen kann.

Seine harsche Kritik macht Hofer vor allem daran fest, dass der Bildungsrat trotz Baselbieter Volksentscheid gegen die Einführung von Sammelfächern eine Stundentafel durchsetzen wollte, die mit 1,5-Stunden-Fächern eine Zusammenlegung von zwei Fächern praktisch erzwungen hätte. Dass dasselbe Stimmvolk bereits dreimal das Gremium Bildungsrat unterstützt hat, ist Hofer dabei durchaus bewusst: «Aber noch nie wurde unser Hauptargument, dass der Bildungsrat systemwidrig ist, so klar aufgezeigt wie jetzt.»

Die Angst der Bildungsrats-Befürworter, dass das Bildungswesen mit dem neuen Beirat zum Spielball der Politik wird, da nur noch die Regierung mit der jeweiligen Bildungsdirektorin entscheiden dürfte, hält die FDP für unbegründet: «Wenn der Beirat seinen Vorschlag gut begründet, kann die Regierung nicht Nein sagen. Dann ist es auch egal, wer Bildungsdirektor ist», sagt Martin Münch. Der Gymnasiallehrer betont zudem, dass es entgegen der von der Gegenseite publizierten Umfrage durchaus viele Lehrer gäbe, die sich einen Wechsel wünschen würden. (mn)

2 bis 3 Rappen pro Klick

Damit nicht nur das engste Umfeld von der Existenzberechtigung des Bildungsrats und vom Unsinn dessen Abschaffung erfährt, wendet das Komitee 1500 Franken seines, Stand jetzt, etwas über 11'000-fränkigen Budgets für Facebook- und Instagramwerbung auf.

Vorstandsmitglied Fabrizio Cocco verantwortet die Social-Media-Kampagne des Komitees «Pro Bildungsrat». Er unterteilt in drei Kategorien. Es gebe einen unbezahlten, «organisch gewachsenen» Bereich für die Werbebotschaften von Kirchmayr und Co. Dieser betreffe nur die Freunde derjenigen, welche die Videobotschaft ausstrahlten. Oder Freunde jener, die sie teilten.

Dank dem Werbebudget können nun aber alle Facebook- und Instagram-Kunden in Baselland erreicht werden. Es geht um 140'000 Benutzer. Damit die Werbung verstärkt bei potenziellen Wählern erscheint, gibt es vonseiten Facebooks und Instagrams noch eine weitere Eingrenzung. Wer im Netz also Spuren hinterlegt und beispielsweise die Website von «Pro Bildungsrat» besucht, bei dem erhöht sich die Chance, mit einer Werbebotschaft des Komitees konfrontiert zu werden. 39'000 sogenannter Lookalikes, also potenziell Interessierte, hat Facebook eruiert. Der Kostenpunkt pro Klick beträgt 2 bis 3 Rappen. Sobald das Budget, das «Pro Bildungsrat» zur Verfügung gestellt hat, aufgebraucht ist, stellen Facebook und Instagram die Werbung ein.

Kritik an Social Media

Weit entfernt von einem solchen Social-Media-Budget ist die Gegenseite. Naomi Reichlin, Vizepräsidentin der Baselbieter FDP, welche für die Abschaffung des Bildungsrats ist (siehe Kasten), räumt zwar der Online-Kampagne «eine grössere Bedeutung als auch schon» ein. Die Mittel sind aber noch immer bescheiden. Es handelt sich dabei um kleine Beiträge ab drei Franken, für die Facebook Werbebotschaften weiterverbreitet. Noch weniger Präsenz markiert die «Starke Schule».

Geschäftsleiterin Saskia Olsson sagt, das Werbebudget von zwischen 10'000 und 15'000 Franken würde in die klassischen Kanäle investiert: Flyer, Zeitungsinserate, Plakate, aber auch Gastbeiträge und Leserbriefe in Zeitungen. Sie steht den Social Media skeptisch gegenüber. «Sie werden oft missbraucht, um Bashing oder Aufhetzung zu betreiben.» Cocco hält dagegen: «Social Media hat grosse Vorteile: Im Gegensatz zu den Plakaten kann man die Videos einfach wegklicken.»