Vielfalt
Pro Specie Rara – die Stiftung, die für genügend Saatgut sorgt

Der Hauptsitz der Stiftung Pro Specie Rara befindet sich in den Münchensteiner Merian Gärten, inmitten eines grossen Versuchsgartens.

Dimitri Hofer
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Mira Langegger von Pro Specie Rara leitet den Hauptsitz der Stiftung in den Merian Gärten mit einer umfassenden Samenbank von selten gewordenen Arten.

Mira Langegger von Pro Specie Rara leitet den Hauptsitz der Stiftung in den Merian Gärten mit einer umfassenden Samenbank von selten gewordenen Arten.

Die Brüglinger Ebene lockt täglich unzählige Menschen an, die einen Ort abseits von Hektik und Stress suchen. Inmitten des schönen Naherholungsgebiets ist seit 2012 die nicht gewinnorientierte Stiftung Pro Specie Rara angesiedelt. Die Organisation hat ihren Hauptsitz in den malerischen Merian Gärten, wo sich auch die Samenbibliothek befindet. Deren Leiterin Mira Langegger zeigt auf, wie die Verwaltung des Saatguts funktioniert. Und erklärt, weshalb sich alte Gemüsesorten immer grösserer Beliebtheit erfreuen.

Frau Langegger, in letzter Zeit findet man in den Regalen der Grossverteiler ausgefallenes Gemüse wie Blaue Kartoffeln oder Ochsenherztomaten. Wieso entscheiden sich Ladenketten, ihrer Kundschaft solche Sorten anzubieten?

Mira Langegger: Ich denke, das hängt mit einem veränderten Bewusstsein der Menschen zusammen, die heute wieder stärker auf ihre Ernährung achten. Einerseits verspüren viele Lust, unbekannte Nahrungsmittel auszuprobieren. Andererseits wird aber auch immer mehr Kunden klar, dass wenige weltweit tätige Saatgutfirmen bestimmen, was wir essen. Der Kauf und der Anbau von alten, samenechten Sorten ist somit ein Stück weit auch ein rebellischer Akt, der den Multis ein Schnippchen schlägt.

Welchen Anteil an dieser Entwicklung hat Pro Specie Rara?

Wir bringen schon seit mehreren Jahren vergessene Sorten wieder in den Handel und machen sie bekannt. Dies gelingt uns unter anderem durch die enge Zusammenarbeit mit unserem Hauptsponsor Coop. Dank der Kooperation können wir weit mehr Leute mit unseren Ideen vertraut machen, als es uns alleine möglich wäre.

Wer pflanzt, abgesehen vom genannten Konsumriesen, in der Schweiz alte Sorten an?

Rund 10 000 Personen unterstützen Pro Specie Rara als Gönner. Als Dankeschön können sie bei uns umsonst Saatgut bestellen. Unser Erhalternetzwerk besteht zurzeit aus gut 400 Privaten, die in Zusammenarbeit mit uns die Sorten betreuen und vermehren. In der Samenbibliothek befinden sich momentan mehr als 1600 verschiedene Samen seltener Garten-, Acker- und Zierpflanzen.

Wie sehen Ihre Aufgaben als Leiterin der Samenbibliothek aus?

Ich bin für das gesamte Saatgut-Management zuständig. Das heisst, ich organisiere die Vermehrungen, welche notwendig sind, um die genetische Reinheit der Sorten zu bewahren. Dafür spreche ich mit unseren Sortenbetreuern, beantworte Fragen und gebe Kurse. Ausserdem kümmere ich mich um sämtliche Ein- und Ausgänge der Bibliothek. Im Herbst erhalten wir immer viel Saatgut und im Frühling verschicken wir zahlreiche Samenportionen. Das Kerngeschäft ist, dafür zu sorgen, dass immer genug Saatgut, keimfähiges, vorhanden ist.

Wie erhalten Sie neue Sorten?

Es kommt vor, dass Erben uns Samen übergeben, die zu einem Nachlass gehören. Ebenso wenden sich Züchter an uns, die ihre Zucht aufgeben und Pro Specie Rara ihr Saatgut vermachen. In seltenen Fällen kann es auch sein, dass wir eine einst in der Schweiz häufige Sorte bei einem Samenhändler noch finden und dort Samen einkaufen.

Seit drei Jahren befindet sich der Hauptsitz Ihrer Stiftung in Münchenstein. Weshalb entschied man sich, von Aarau ins Baselbiet umzuziehen?

Hier haben wir den Vorteil, dass wir in den grosszügigen Beeten einen Teil unserer Sorten der Öffentlichkeit zeigen können. Die Mitarbeiter der Merian Gärten pflanzen für uns die unterschiedlichsten Gemüsearten an. Zudem grasen auf den Weiden Bündner Oberländer Schafe, eine Pro-Specie-Rara-Rasse, und in der Brutstation können wir seltene Hühnerrassen züchten. Zuvor hatten wir lediglich ein Büro, in welchem das natürlich nicht möglich war.

Abschliessend bitte ich Sie, kurz zu erläutern, weshalb Pro Specie Rara unverzichtbar ist?

Es braucht jemanden, der Sorten und Rassen, die über Generationen gezüchtet wurden, lebendig erhält. Sie gehören zu unserem kulturhistorischen Erbe und sind ein wertvoller Genpool. Wenn sie einmal verschwunden sind, sind sie für immer verloren.

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