Dubiose Methoden
Pseudo-Mieterschutz kassiert auf Kosten hilfesuchender Mieter

Wie Fälle aus der Region Basel zeigen, sackt die Mieterschutz Schweiz MSS GmbH zwar Mitgliederbeiträge ein, aber die Leistung bleibt meist aus. Wer reklamiert, wird schroff abgekanzelt. Wer nicht bezahlen will, dem schickt der «Mieterschutz» ein Inkassobüro vorbei.

Joël Hoffmann
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Hinter dem Pseudo-Mieterschutz steckt eine dreiste Falle.

Hinter dem Pseudo-Mieterschutz steckt eine dreiste Falle.

bz

Bei Mieterstreitigkeiten ist er nicht weit: der Mieterinnen- und Mieterverband. Was viele nicht wissen: Es gibt auch den Mieterschutz. Eine Firma, die mal ein Verein war, aber seit 2008 als GmbH im Handelsregister eingeschrieben ist. Diese zwei Organisationen sind leicht zu verwechseln. Und dies geschieht oft. Zum Ärger der Betroffenen. Denn die Geschäftsmethoden der Mieterschutz Schweiz MSS GmbH sind fragwürdig, wie Fälle aus der Region zeigen.

Neustes Beispiel: Eine Wohngemeinschaft in Basel hatte Probleme mit ihrem Vermieter. Die Studenten fanden im Internet rasch den Mieterschutz Schweiz, der angeblich auch einen Ableger in Basel hat. Sie schlossen eine Mitgliedschaft ab, bezahlten den Mitgliederbeitrag. In einem Mail an den Mieterschutz schilderten sie ihr Problem. Eine Antwort, so eine Betroffene, kam nie. Das war im Oktober 2011. Mit einem Spezialangebot, dass die Mitgliedschaft auch für 2012 gelte, waren die Studenten gelockt worden.

Vorgehen hat Methode

Die Studentin staunte nicht schlecht, als Anfang 2013 erneut eine Mitgliedschaftsrechnung von 100 Franken ins Haus flatterte. In einem Brief an den Mieterschutz beklagte sie sich, dass sie für ihr Geld nichts erhalten habe und dass sie nicht mehr Mitglied bleiben und den Betrag für 2013 nicht bezahlen wolle.

Zwei Tage nach Postaufgabe erhielt die Frau ein E-Mail des Mieterschutzes. Diese liegt der bz vor. Darin wurde ihr mitgeteilt, dass sie ihre Vorwürfe «sicherlich» nicht belegen könne. Man sei auf ihre Beweise gespannt. Zwar würde die Kündigung «bedauert», doch die Studentin müsse die Mitgliedschaft für 2013 trotzdem bezahlen, weil man spätestens drei Monate vor Jahresende künden müsse. Zum Schluss wurde zynisch gedroht: «Wir hoffen, diesen Fall dem Inkassobüro übergeben zu dürfen. Herzlich Ihre Mieterschutz Zentralbuchhaltung.»

Die Studentin ist kein Einzelfall. Beim Mieterverband (MV) Baselland und bei seinem Pendant in der Stadt melden sich immer wieder Leute, welche die zwei Organisationen verwechselt haben. Die Klagen der Betroffenen sind immer gleich: Der Mieterschutz hat entweder keine Leistung erbracht oder nur Ratschläge erteilt, die gratis im Internet und in Broschüren des Mieterverbandes nachzulesen sind. «Oft bemerken Mieter die Verwechslung erst zu spät, wenn sie beispielsweise Rechtshilfe beanspruchen wollen. Der Mieterschutz bietet dies nicht an, und beim Mieterverband muss man erst 30 Tage Mitglied sein», sagt Beat Leuthardt vom MV Basel.

Wer reklamiert oder sein Geld zurückfordert, findet beim Mieterschutz kein Gehör. Wie weitere der bz vorliegende Fälle zeigen, verschickt der Mieterschutz schon nach einem Monat eine Mahnung samt Mahngebühr von 20 Franken. Nach zwei Monaten tritt bereits ein Inkassobüro auf. Als «Verzugsschaden» muss der Mieter zusätzlich 76 Franken bezahlen. Das macht Total 187 Franken. Zahlbar innert fünf Tagen. Wer aber auf Wohnungssuche ist, will keine Betreibung riskieren. Darum haben alle Betroffenen schliesslich bezahlt.

Anonyme Website

Dass Mitgliedschaften automatisch verlängert werden, ist üblich. Doch während der Mieterverband mit den Beiträgen den Rechtsschutzfonds speist oder die Mitgliederzeitung finanziert, ist unklar, was der Mieterschutz mit dem Geld macht.

Das Bemühen der bz, beim Mieterschutz eine Stellungnahme einzuholen, blieb erfolglos. Weder in den Korrespondenzen noch auf der Website sind irgendwelche Namen angegeben. Auch ein Anruf bei der kostenpflichtigen Helpline - Fr. 3.50 pro Anruf/Minute - half nicht weiter. Der Herr am anderen Ende der Leitung verwies auf das Zentralsekretariat, das nur per E-Mail zu erreichen sei. Eine Telefonnummer gebe es keine. Namen von Verantwortlichen wollte er nicht nennen. Sowohl auf die Mail ans Sekretariat als auch auf eine Anfrage an eine private E-Mail-Adresse des Co-Geschäftsführers kam keine Antwort.

Kontakt ist unerwünscht

Die Kritik am Mieterschutz ist nicht neu. Die Thurgauer Zeitung hat 2008 erstmals über die zweifelhaften Geschäftsgebaren berichtet. Die alten Vorwürfe aus der Ostschweiz sind dieselben wie heuer in der Region Basel. Seit 2009 lässt der Mieterschutz darum auf der Website verlauten, dass man Medienanfragen nicht mehr beantworte. Anders als der Rest der Mieterlobby scheut der Mieterschutz die Öffentlichkeit.

Die Mieterschutz Schweiz MSS GmbH tritt im Internet unter schweizerischer-mieterschutz.ch oder mieterschutzverband.ch auf. Ihren Sitz hat die GmbH in Zug. An derselben Adresse sind auch das Zentralsekretariat sowie alle 36 regionale Ableger. Die Hotline ist immer dieselbe Nummer. Persönlicher Kontakt mit Mitgliedern ist unerwünscht.

«Nicht fassbar», «nur digital» und «unredlich», lautet die Kritik der zwei regionalen Mieterverbände am Mieterschutz. Dieser warnt seinerseits auf seiner Website vor «Betrügern, Nachahmern und Abzockern» und wirft der schimpfenden Konkurrenz Neid vor. Diesen Begriff definiert er online ausführlich und in markigen Worten. Der Mieterschutz stellt sich als Mobbingopfer dar. Viele Mieter fühlen sich hingegen vom Mieterschutz veräppelt.