Aussergewöhnlich
Qualität, Farbe, Geschmack: Diesjährige Apfelernte toppt alles

Die diesjährige Apfelernte ist mindestens doppelt so gross wie sonst. «So etwas habe ich noch nie erlebt», meint Hansueli Wirz, der Präsident des Baselbieter Obstverbandes.

Birgit Günter
Merken
Drucken
Teilen
Dieser Apfel aus einem Füllinsdorfer Garten ist 565 Gramm schwer. zvg

Dieser Apfel aus einem Füllinsdorfer Garten ist 565 Gramm schwer. zvg

bz Basellandschaftliche Zeitung

Ein Rekord folgt im Landwirtschafts-Traumjahr 2011 auf den Nächsten. Nach den aussergewöhnlichen Ernten bei den Erdbeeren, Kirschen und Zwetschgen sind nun die Äpfel an der Reihe. «Eine solche Ernte wie dieses Jahr – ich weiss nicht, wer das schon erlebt hat. Ich jedenfalls nicht», hält Hansueli Wirz fest, der Präsident des Baselbieter Obstverbandes. «Von der Qualität her gibt das ein Superjahr», schwärmt er. Grösse und Geschmack der Früchte stimmten. Auch die Menge sei überdurchschnittlich. «Besser als in diesem Jahr kann das Wetter für die Obstproduzenten gar nicht sein», freut sich der Wenslinger.

Apfelsorten im Baselbiet

Im Baselbiet werden vor allem in Oberwil, Ramlinsburg oder Reigoldswil Äpfel produziert. «Die beliebteste Sorte ist dabei der Gala-Apfel», verrät Hansueli Wirz, der Präsident des Baselbieter Obstverbandes. Auch gesamtschweizerisch belegt der Gala neu den ersten Platz, nachdem der Golden über Jahre der Spitzenreiter gewesen war, informiert Josef Christen, Leiter Kommunikation beim Schweizer Obstverband. Die meisten der heute bekannten «klassischen» Apfelsorten seien nicht viel mehr als 100 Jahre alt. Der Gala-Apfel wurde im Jahr 1934 in Neuseeland gezüchtet. Er enthält im Vergleich zu anderen
Sorten viel Zucker, doch am wenigsten Säure. Er kann bis Mitte Februar gelagert werden. (big)

Da die Ernte noch nicht abgeschlossen ist – ein paar späte Sorten hängen noch am Baum – sind bislang keine Zahlen über die vollständige Erntemenge erhältlich. Klar ist jedoch: Die Schätzungen werden bei Weitem übertroffen. Für das Baselbiet beispielsweise hat man dieses Jahr mit 110 Tonnen gerechnet, sagt Josef Christen, der Leiter Information beim Schweizer Obstverband. «Bis jetzt sind aber bereits 220 Tonnen geerntet worden.» Die Menge ist damit mindestens doppelt so gross wie erwartet.

Immer weniger Hochstämmer

Trotzdem ist offen, ob es damit für einen neuen Rekord reicht. Der Grund: «Die Mengen sind in den letzten Jahren tendenziell zurückgegangen», erklärt Christen. Dies wiederum fusst darin, dass es aus wirtschaftlichen Gründen immer weniger Hochstämmer gibt. «Jetzt sind wir sehr gespannt, wie die Ernte ausfällt», hält er fest.

Im schweizweiten Vergleich spielt das Baselbiet als Äpfelproduzent eine untergeordnete Rolle. Auch die auf mindestens 220 Tonnen verdoppelte Menge ist ein Klacks im Vergleich zu dem, was allein der Kanton Thurgau an Äpfeln liefert: 62000 Tonnen. In der ganzen Schweiz werden 115000 Tonnen geerntet, teilt Christen weiter mit. Die Äpfel landen jeweils entweder in der Mostpresse oder im Handel. Tendenziell etwas mehr werden gemostet. Vor zwei Jahren lieferten die Schweizer Apfelbäume 65 000 Tonnen Saft. Das entspricht 65 Millionen Litern.

Ein Apfel so gross wie eine Melone

Doch nicht nur die grossen Produzenten stellen fest, dass dies ein speziell gutes Apfeljahr war, sondern auch die privaten Apfelbaum-Besitzer. Einer von ihnen ist André Langel aus Füllinsdorf. In seinem Garten hat er wortwörtlich ein Juwel: einen Baum mit süss-säuerlichen Äpfeln der Sorte «Goldjuwel». Die diesjährigen Früchte sind fast so gross wie Melonen. «565 Gramm schwer war der letzte Apfel, den ich vom Baum geholt hatte», berichtet Langel stolz.

Zum Vergleich: Ein normaler Apfel wiegt etwa 100 bis 150 Gramm. Den Baum hat Langel jetzt im dritten Jahr, und er trug schon immer grosse Früchte – aber noch nie so grosse wie in diesem Jahr.