Kantonsspital Baselland
Radikaldiät: Spital Laufen muss massiv abspecken und umziehen

Das Spital Laufen soll zum ambulanten Gesundheitszentrum schrumpfen. Und das am liebsten in einem Neubau am Bahnhof. Stationäre Leistungen wird es keine mehr geben. Und auch beim 24-Stunden-Notfall sind Abstriche geplant.

Michael Nittnaus
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Der Standort des Spital Laufens ist veraltet und mit dem öV nur schlecht zu erreichen. Ziel ist daher ein Neubau am Bahnhof.

Der Standort des Spital Laufens ist veraltet und mit dem öV nur schlecht zu erreichen. Ziel ist daher ein Neubau am Bahnhof.

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Was haben sie gekämpft für ihr Spital, die Laufentaler. Sie forderten, sie drohten, sie pochten auf den Laufentalvertrag. Doch gestern, ohne viel Auflebens, trugen sie den Standort Laufen des Kantonsspitals Baselland (KSBL), das alte Feningerspital an der Lochbruggstrasse, in seiner heutigen Form zu Grabe. Denn gestern lud die «Laufentaler Verhandlungsdelegation zur Zukunft des Spitalstandorts Laufen» (VDSL) zusammen mit dem KSBL und dem Kanton zu einer Pressekonferenz, an der eine radikale Neuausrichtung – und mittelfristig auch der Wegzug – des kleinsten der drei KSBL-Standorte präsentiert wurde.

Laut dem Zielbild, das am Laufentaler Tag vergangenen Samstag von 70 Gemeinderäten der 13 Laufentaler Gemeinden einstimmig unterstützt wurde, soll das Spital Laufen zu einem regionalen ambulanten Gesundheitszentrum umgebaut werden. «Auf stationäre Angebote soll komplett verzichtet werden», heisst es in der offiziellen Mitteilung klipp und klar. Das bedeutet das Aus für die 50 Betten, die das Spital heute noch für Rehabilitation, Allgemeine Innere Medizin, Schmerztherapie und Intensivüberwachungspflege bietet.

Notfall in der Nacht nur noch mit «Pflegeexpertin» statt Arzt

Stattdessen setzt das Konzept auf eine Notfallversorgung, bei der wie heute 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche die Türen offen stehen. Allerdings gibt es Leistungs-Unterschiede zwischen Tag und Nacht. Die sogenannte Walk-In-Klinik mit einem vollumfänglichen Grundversorgungs-Notfall ist nur von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends geöffnet. Von 22 bis 7 Uhr soll voraussichtlich kein Arzt, sondern nur noch eine Pflegeexpertin vor Ort sein, die aber dank Zusatzausbildungen «auch gewisse hausärztliche Tätigkeiten» übernehmen könnte, wie im Konzeptentwurf steht.

Damit rückt die Laufentaler Verhandlungsdelegation um den Laufner Stadtpräsidenten Alexander Imhof (siehe Interview unten) ein gutes Stück von ihrer Position ab, die sie im Rahmen der Spitalfusionsdebatte postuliert hatte – und für die der Landrat im Herbst 2018 je 1,5 Millionen Franken gemeinwirtschaftliche Leistungen (GWL) für drei Jahre gesprochen hatte: ein uneingeschränkter 24-Stunden-Notfall, aber auch weiterhin ein stationäres Angebot in der Inneren Medizin. Die Erklärung für den Sinneswandel liegt in den nackten Zahlen: 90 Prozent der Notfallpatienten, die das Spital Laufen aufsuchen, kommen zwischen 7 und 22 Uhr. In der Nacht sind es laut einer Erhebung durchschnittlich bloss 1,5 Patienten – und diese in der Regel mit eher leichten Verletzungen. Schwerwiegendere Fälle würden schon heute in andere Spitäler geschickt. «Ein Rund-um-die Uhr-Betrieb ist daher hoch unwirtschaftlich», heisst es im Konzept.

Neben KSBL sollen sich auch Dritte am Zentrum beteiligen

Das Gesundheitszentrum will sich nicht auf die Notfallversorgung beschränken. Das heutige ambulante Angebot des Spitals soll weitgehend erhalten bleiben: kleine chirurgische Eingriffe unter lokaler Narkose, Blutuntersuchungen, Röntgen, vielleicht auch ein MRI, Sprechstunden von Haus- und Fachärzten, Therapien und Beratungen wird es weiter geben. Das Zentrum soll nicht einfach durch das KSBL betrieben, sondern von mehreren Partnern getragen werden. Das Modell der Public Private Partnership als Besitzerstruktur könnte einen Mix aus privaten Investoren, beteiligten (Haus-)Ärzten, dem KSBL, Gemeinden und Stiftungen ermöglichen.

Das Ziel: Das Gesundheitszentrum soll mit der Zeit selbsttragend sein. Der entsprechende Businessplan müsse laut Madeleine Stöckli, KSBL-Verwaltungsratspräsidentin ad interim, allerdings erst erstellt werden. Zum Vergleich: Das Spital Laufen schrieb 2018 ein Defizit von 5,9 Millionen Franken. Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber schloss gestern eine Anschubfinanzierung durch den Kanton nicht aus. Zudem müsste der Landrat nochmals GWL absegnen. Diese dürften laut Weber aber keinesfalls die 1,5 Millionen Franken pro Jahr übersteigen, die das Parlament für den Fall der Spitalfusion gesprochen hatte.

Und noch etwas wurde an der Pressekonferenz deutlich: Alle Beteiligten wollen weg vom heutigen Standort. «Mittelfristig wünschen wir uns einen topmodernen Neubau nahe des Bahnhofs», sagte Imhof. Nur so könne es zu einem Vorzeigeprojekt werden, das in die ganze Schweiz ausstrahle.

Bis es so weit ist, dauert es aber noch. Frühestens in einem Jahr könnte das Gesundheitszentrum als Übergangslösung im bestehenden Spital starten, ein Neubau wäre nicht vor 2024 betriebsbereit. Übrigens: Im November steht bereits die nächste Pressekonferenz zum Thema an. Dann möchte Thomas Weber über die Zukunft der KSBL-Standorte Liestal und Bruderholz informieren.