Fliegende Händler
Raffgierige Elsässer vermiesen Allschwilern den Bring- und Hol-Tag

Die Besucher des Allschwiler Bring- und Hol-Tag ärgerten sich gewaltig: Organisierte Gruppen - meist aus dem Elsass - reissen sich in grossem Stil die von der Bevölkerung abgegebenen Gratisgegenstände unter den Nagel.

Bojan Stula
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Die gehortete Ware wird in einen Transporter verladen.

Die gehortete Ware wird in einen Transporter verladen.

zvg/P. Schlenker

Patrick Schlenker war schon lange nicht mehr so sauer. Am vergangenen Samstag wollte er erstmals am Bring- und Hol-Tag seiner Gemeinde Allschwil mitmachen. Zusammen mit seiner vierjährigen Tochter fuhr er zum Gemeindewerkhof an der Hagmattstrasse, um nicht mehr benötigte Gegenstände aus seinem Haushalt abzugeben. Was als gute Tat geplant war, entpuppte sich als Ärgernis.

Bereits auf dem Parkplatz lauerte ihm ein Unbekannter auf, der so penetrant den Kinderwagen seiner Tochter einforderte, dass Schlenker ihn kurzerhand wieder in den Kofferraum packte. Richtig schlimm wurde es laut Schlenker aber an den Abgabetischen selbst. «Drei bis vier Familien hatten sich dort niedergelassen und rissen sich alles, was neu oder brauchbar war, sofort unter den Nagel. Die Kinder bewachten die riesigen Haufen, während mehrere Personen die gehorteten Gegenstände in den bereitstehenden Lieferwagen mit Elsässer Nummer karrten.» All dies unter den Augen der Gemeindeangestellten. Ob dies der Sinn der Sache sei, wollte Schlenker von ihnen wissen, er habe auf diese Frage aber nur Achselzucken geerntet. «Weg ist weg», soll es seitens des Platzverantwortlichen geheissen haben; und Hauptsache, die Gemeinde müsse am Ende des Tages nichts entsorgen.

«Händlerinnen und Händler sind nicht zugelassen», steht in der öffentlichen Ausschreibung des 18. Allschwiler Bring- und Holtages. Für Schlenker, der in Basel einen Kostümverleih führt und durch seine historische Beratertätigkeit für das Schweizer Fernsehen bekannt geworden ist («Die Alpenfestung»), ist aber offensichtlich, dass sich hier Altwarenhändler aus dem Elsass in grossem Stil an den Gratisgegenständen bedienten. Zum Beweis machte er Bilder mit seinem Smartphone, wie mehrere Männer einen vorgefahrenen Transporter beluden. Was ihn aber wirklich geärgert habe, sei die Passivität der Gemeindeangestellten gewesen, die diesem Treiben tatenlos zugesehen hätten.

Gemeindepolizei aufbieten?

Das will Andreas Dill, der Umweltbeauftragte der Gemeinde Allschwil, so nicht stehen lassen. Die Gemeindemitarbeiter seien durchaus bemüht gewesen, für Ordnung zu sorgen und darauf zu achten, dass es weder auf den Parkplätzen noch in der Wagenkolonne oder beim Ausladen an den Abgabetischen «zu Belästigungen kommt». In einer Stellungnahme betont Dill gegenüber Schlenker, dass auch ihm das Horten von Material durch organisierte Gruppen ein Dorn im Auge sei, es jedoch «schier unmöglich» sei, dies zu unterbinden. Offenbar soll es an früheren Bring- und Hol-Tagen zu Tätlichkeiten gekommen sein, als Aufseher die gehorteten Waren zurückfordern und wieder neu auf die Tische verteilen wollten. Dieses Mal habe man es bei der blossen Drohung bewenden lassen, da sonst «gefährliche Situationen» hätten entstehen können, wie Dill anfügt.

Zufrieden mit dieser Antwort ist Schlenker nicht. «Ich erwarte, dass die Gemeinde ihren Job richtig macht. Sonst braucht sie den Anlass gar nicht erst anzubieten.» Andere Gemeinden würden an ähnlichen Veranstaltungen die Gemeindepolizei aufbieten. Der Umweltbeauftragte betont seinerseits, dass sich Allschwil intensiv damit beschäftige, Abhilfe zu schaffen. «Eine Lösung haben wir leider bisher nicht.» Fazit der ganzen Samstagsaktion: Schlenker fuhr unverrichteter Dinge wieder nach Hause; mit all seinen Gegenständen im Kofferraum und einer gehörigen Portion Wut im Bauch.