Verkehr
Raser fallen schon in der Fahrschule auf

Unter den Fahrlehrern der Region sind Raser immer wieder ein Thema. Einige fallen schon in der Fahrschule auf, andere fahren dort eher zu langsam. Kontrovers diskutiert wird eine 0,0-Promille-Grenze für Junglenker.

Rolf Zenklusen
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Schweiz am Sonntag

Raser, die hochriskante Autorennen veranstalten und dabei schwere Unfälle verursachen, sind ein Dauerthema. Da stellt sich die Frage, wie die Fahrlehrer damit umgehen.

Können sie potenzielle Raser in der Fahrschule erkennen? «Ich kann das sehr gut», versichert Thomas Kalt, Fahrlehrer aus Therwil. Raser würden durch ihre Persönlichkeit und durch ihr Verhalten im Verkehr auffallen. «Sie fahren egoistisch und mit einer ziemlichen Gleichgültigkeit», sagt Kalt, der auch Schulungen durchführt für Verkehrsdelinquenten - also für Personen, die wegen Auffälligkeiten im Verkehr noch einmal in die Fahrschule müssen.

Kalt versucht immer wieder, die Fahrschüler auf das Thema Rasen anzusprechen. Eine Patentlösung gebe es dafür nicht, meint der Präsident des regionalen Fahrlehrerverbandes Basel. «Wichtig ist, das Vertrauen der Fahrschüler zu gewinnen.»

Nützlich sei dafür seine Weiterbildung zum Erwachsenenbildner mit Fachausweis. Nicht viel hält Kalt davon, den Fahrschülern abschreckende Bilder von schweren Verkehrsunfällen zu zeigen, wie es zum Beispiel in der Delinquentenschulung gemacht wird.

Solche Bilder zu zeigen, könnte die jungen Leute traumatisieren und dazu führen, dass sie Angst vor dem Autofahren bekommen, unterstreicht Kalt, der seit zehn Jahren als Fahrlehrer unterwegs ist.

«Schwierig zu erkennen»

Bereits seit 37 Jahren übt Felix Knöpfel aus Pratteln diesen Beruf aus. «Potenzielle Raser zu erkennen, ist schwierig», meint er. Manchmal vermutet er es aber und spricht dann das Thema nicht einfach so an, sondern lässt den Schüler «in eine Situation hineinlaufen».

Zum Beispiel greift er vorerst nicht ein, wenn der Schüler viel zu schnell auf eine Kreuzung zufährt. Plötzlich reisst der Fahrlehrer aber einen Stopp und erklärt dem Schüler: «Wenn hier ein Lastwagen gekommen wäre, könnten wir beide tot sein.»

Es gebe aber auch die umgekehrte Situation: Ein Schüler sei im Unterricht zu langsam gefahren. Er habe ihn regelrecht dazu drängen müssen, stärker aufs Gaspedal zu drücken.

Später sei der gleiche Mann erwischt worden, wie er mit 100 durch ein Dorf donnerte. Den Fahrschülern Unfallbilder zu zeigen, hält auch Knöpfel für das falsche Mittel. «Das bleibt nicht haften. Damit es wirkt, muss man es selber erlebt haben.»

Unerfahrenheit ein Grund fürs Rasen

Die Unerfahrenheit von Neulenkern sei oft ein Grund für zu schnelles Fahren, schreibt der Psychologieprofessor Hans Jöri in einer seiner Publikationen.

Abhilfe schaffen könnte eine im Gesetz vorgeschriebene Anzahl von Fahrstunden, meint das Mitglied der schweizerischen Vereinigung für Verkehrspsychologie. Nicht ganz einverstanden damit ist der Therwiler Fahrlehrer Thomas Kalt: «Besser wäre es, den Fahrlehrer entscheiden zu lassen, wann der Schüler bereit ist für die Prüfung.»

Gemäss der heutigen Regelung entscheidet dies der Schüler selbst. Dieser hat naturgemäss die Tendenz, möglichst früh zur Prüfung zu gehen, um das Geld für Fahrstunden zu sparen. Nach Aussagen der Fahrlehrer nehmen die Schülerinnen und Schüler durchschnittlich 30 Stunden, bis sie auf die Prüfung gehen.

Uwe Ewert, Verkehrspsychologe bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), fordert zudem eine Nulltoleranz für Alkohol bei Junglenkern. Bei Jungen habe der Alkoholpegel einen viel stärkeren Einfluss auf die Risikoeinschätzung als bei Älteren. «Wieso nur bei Junglenkern? Ich persönlich bin für 0,0 Promille für alle Automobilisten», sagt Kalt. Und Knöpfel ergänzt: «Eine 0,0-Promille-Grenze für Junglenker wäre diskriminierend.»