Gewalt
Raub und Körperverletzung: Arxhof-Bewohner sitzt in U-Haft

Kurz nach dem Hilferuf von Mitarbeitenden des Arxhofs wird einer der jungen Straftäter im Ausgang rückfällig. Er prügelt in Basel zwei Männer spitalreif.

Annika Bangerter
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In der Basler Innenstadt prügelten drei junge Männer zwei Personen spitalreif.Angst.

In der Basler Innenstadt prügelten drei junge Männer zwei Personen spitalreif.Angst.

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Im März warnten Mitarbeitende des Arxhof die Baselbieter Regierung. Sie würden die Kontrolle über die jungen Straftäter verlieren, die sie im offenen Massnahmenvollzug in Niederdorf betreuen. Wie Recherchen der bz zeigen, sind ihre Befürchtungen nun eingetroffen. Ein Bewohner des Arxhof ist in die zwei brutale Raubüberfälle von vergangenem Samstag involviert.

Dabei haben drei junge Männer in der Basler Innenstadt zuerst von einem 18-Jährigen Geld verlangt. Wie der Medienmitteilung der Basler Staatsanwaltschaft (Stawa) zu entnehmen ist, stiessen sie ihn «unvermittelt» nieder; traktierten ihn derart mit Faustschlägen und Fusstritten, dass er das Bewusstsein verlor. Während das Opfer ohnmächtig am Boden liegt, nimmt ihm das Trio Portemonnaie und Smartphone ab.

Kurz darauf schlägt es erneut zu. Es trifft einen 57-jährigen Mann, in der Nähe des Taxistands am Blumenrain. Die drei mutmasslichen Täter attackieren ihn ohne Vorwarnung von hinten, schlagen ihn zu Boden, verletzen ihn am Kopf. Auch den 57-Jährigen beklauen sie: Bargeld, Uhr und Smartphone lassen sie mitgehen.

Schläger sitzen noch in U-Haft

Beide Opfer müssen nach den Raubüberfällen in die Notfallstation gebracht werden. Ob und wann sie das Spital wieder verlassen konnten, gibt die Stawa keine Auskunft. Sie teilt auf Anfrage jedoch mit, dass alle drei mutmasslichen Täter noch in Untersuchungshaft sitzen.

Die Baselbieter Sicherheitsdirektion (SID) bestätigt, dass einer der drei mutmasslichen Täter ein Bewohner des Arxhof ist. Gemäss SID befindet er sich am Ende seines Vollzugs und wohnt in der Aussenwohngruppe. Somit hat er zwar mehr Freiheiten gehabt, ist aber immer noch engmaschig betreut. Die genauen Tatumstände und seine Rolle sind noch nicht geklärt, es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Sicherheitsdirektion muss sich nun unangenehme Fragen gefallen lassen. Erst kürzlich haben sich ehemalige und aktuelle Mitarbeitende mit einem Hilferuf an die Baselbieter Regierung gewandt. In einem anonymen Brief prangern sie Missstände an. Und: Sie schildern, dass die chaotische Personalsituation direkte Folgen für die Bewohner hätte. Diese würden mit «boykottierendem, bedrohlichen Verhalten» reagieren und «offensichtlich Drogen konsumieren». Dadurch steige die Gefahr für Mitbewohner und Mitarbeitende «massiv».

Wer ist verantwortlich?

Ihre Warnung verhallte. Der zuständige Regierungsrat, Isaac Reber (Grüne), weigerte sich, darauf einzugehen. Dies, weil die Verfasser des Schreibens anonym bleiben wollten. Dadurch sei eine «Diskussion nicht möglich, sodass dieser Brief in erster Linie dem Arxhof schaden wird». Dem neuen und heftig kritisierten Leiter des Massnahmevollzugs, Peter Ulrich, sprach Reber sein Vertrauen aus. Bereits vorgängig hatte die SID dementiert, dass der Drogenkonsum zugenommen haben soll und die Sicherheit gefährdet sei.

Hat die Direktion also die Situation falsch eingeschätzt? Hätte dieser Rückfall des jungen Straftäters und damit die Opfer verhindert werden können? Nein, schreibt die SID, es habe keine Anzeichen für den Rückfall gegeben. Die Lockerungen während dem Massnahmenvollzug würden den Vorbereitungen auf ein «selbstständig geführtes, deliktfreies Leben» dienen. Die SID verweist auf die Rückfallstudie: Diese zeige, dass «nicht jedes Rückfallrisiko ausgeschlossen werden» kann.

Nur: Diese Studie untersucht, wie sich die jungen Straftäter nach ihrem Arxhof-Austritt verhalten haben. Auf die Frage, wie häufig Bewohner während ihres Vollzugs gewalttätig sind, bleibt die SID hingegen vage. «Selten» käme dies vor. «Aus den letzten fünf Jahren ist uns kein Fall bekannt», teilt es mit. Gut unterrichte Quellen berichten: Ihnen ist kein vergleichbarer Rückfall mit Körperverletzung bekannt – in den vergangenen zwanzig Jahren.

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