Öffentlicher Verkehr
Referendum schon angekündigt: Verlängerung des 14er-Trams nach Salina Raurica sei nicht nötig

In Salina Raurica soll ein Gewerbe- und Wohngebiet entstehen. Viel mehr als einzelne Pläne existieren allerdings kaum. Dennoch soll das Gebiet schon bald von einem Tram erschlossen werden. Kritiker sehen aber keinen Bedarf für die Verlängerung des 14er-Trams.

Michel Ecklin
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Noch endet die 14er-Tramlinie in Pratteln.

Noch endet die 14er-Tramlinie in Pratteln.

Nicole Nars-Zimmer

Im Allschwiler Bachgraben schauten Kanton und Gemeinde jahrelang zu, wie sich ein Gewerbegebiet mit Hunderten von Arbeitsplätzen entwickelte. Erst angesichts des Dauerstaus stellte man sich die Frage, wie die Menschen dorthin gelangen sollen. Sowohl das Strassen- als auch das Tramprojekt sind im Nachhinein nicht rasch zu verwirklichen.

In Salina Raurica will die Baselbieter Regierung jetzt umgekehrt vorgehen. Ausser dem Coop-Verteilzentrum ist noch kein Gewerbe auf die Ebene in Pratteln gezogen; auch von den Wohnungen für 2'500 Menschen und dem Stadtpark existieren erst Pläne, Investoren sind noch keine bekannt. Doch derzeit wird bereits die Kantonsstrasse verlegt, um das neue Quartier besser zu erschliessen. Und jetzt beantragt die Regierung dem Landrat für die Planung der Verlängerung des Trams nach Salina Raurica einen Kredit von 8,5 Millionen Franken, zusätzlich 7 Millionen für Landerwerbe.

Ein Tram mit «Leuchtturmcharakter»

Der verlängerte 14er soll nicht nur das zukünftige Salina Raurica bedienen, sondern auch das Gewerbegebiet Grüssen, das 1970er-Jahre-Quartier Längi und Augst. Die Umsetzung der 3,2 Kilometer soll 170 Millionen Franken kosten, wovon der Bund laut Regierung 30 bis 40 Prozent übernehmen soll. Der Landrat soll den Planungskredit morgen Donnerstag absegnen.

Die Regierung will mit einer guten Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr die zukünftige Entwicklung von Salina Raurica vorantreiben. Das Tram habe «Leuchtturmcharakter», heisst es in der Vorlage, und es werde das Areal für künftige Investoren attraktiver machen.

Zwischen den Zeilen ist zu erkennen, dass man verhindern will, was in Allschwil geschehen ist: «Indem die Tramverlängerung zu Beginn der Entwicklung des Raums Salina Raurica zur Verfügung steht, wird die verkehrliche Entwicklung des gesamten Gebiets von Anfang an auf dieses Verkehrsmittel ausgerichtet, sodass Einwohner und Arbeitnehmende ihr Verkehrsverhalten entsprechend darauf ausrichten.»

Eine Aktionsgurppe will das Vorhaben verhindern

Doch dieses Vorgehen ist für die Aktionsgruppe Aapacke Pratteln verkehrt. Den Bedarf an Wohn- und Gewerberaum habe bisher niemand nachweisen können, sagt die ehemalige Prattler Gemeinderätin Denise Stöckli (parteilos). Sie sehe auch noch keine Investoren, die hier bauen möchten.

Folglich sei auch kein Tram nötig. Aapacke Pratteln hat bereits das Referendum gegen den Projektierungskredit angekündet. Es handelt sich um die gleiche Gruppe, die in Pratteln die Volksinitiative «Salina Raurica Ost bleibt grün» mit 823 Unterschriften eingereicht hat, angereichert durch einige Nicht-Prattler.

Das Ziel des Volksbegehrens: Über den Zonenplan den Bau von Salina Raurica verhindern. Es befindet sich derzeit beim Regierungsrat, der voraussichtlich Anfang 2021 über die vom Einwohnerrat beschlossene Ungültigkeitserklärung befinden wird. Parteien hat Aapacke Pratteln laut Stöckli für das Referendum keine gewinnen können. Aber man habe bereits Unterstützung von einigen ehemaligen Landräten.

Zuerst abstimmen und erst dann planen

Ebenfalls noch hängig ist die Einzelinitiative des ehemaligen Land- und Einwohnerrats Walter Biegger. Mit ihr möchte er Wohnbauten auf Salina Raurica verhindern. Stattdessen plädiert er für eine Zone nur für Industrie und Gewerbe. «Die Tramverlängerung wird nur wegen des Wohnquartiers für 2'500 Bewohner notwendig», sagt er. «Wird darauf verzichtet, wird die Tramverlängerung obsolet.» Denn das Gebiet sei mit dem S-Bahnhof Salina Raurica und den Buslinien in wirklich alle Richtungen sehr gut ÖV-versorgt.

«Ich habe verschiedene Telefone erhalten, in denen mir Leute gesagt haben, dass ich ihnen aus dem Herzen spreche», sagt er. Die Prattler sollten sich erst zu diesem «Megaprojekt» äussern, bevor ein Tram geplant werde. «Bedauerlich und unkorrekt ist, dass der Kanton einfach weiter plant und baut, obwohl zwei Initiativen hängig sind.» Ein derartiges Vorgehen widerspreche jedem demokratischen Verständnis.

Auch in der Bau- und Planungskommission (BPK) des Landrats gab es Zweifel, ob das Tram bereits vor der Fertigstellung von Salina Raurica gebaut werden solle. Zudem kam der Wunsch auf, den Verlauf der beiden Volksbegehren abzuwarten. Gemäss BPK-Bericht hat darauf die kantonale Bau- und Umweltschutzdirektion geantwortet, bei den Gegnern in Pratteln handle es sich um «eine Minderheit» und die beiden Initiativen würden sich «nicht direkt gegen die Tramverlängerung» richten. Zudem gehe es hier «um ein wichtiges und dringliches Projekt».

Das überzeugte offenbar eine Mehrheit der Kommission, die der Überzeugung war, eine Verzögerung des Trams wäre «ein schlechtes Zeichen». Schlussendlich empfiehlt sie dem Landrat einstimmig den Planungskredit unverändert zur Annahme.