Referendumsabstimmung
Füllinsdörfer Stimmvolk versenkt Schulhaus-Neubau an der Urne

Das erfolgreiche Referendum gegen den Neubau der Schulanlage Schönthal in Füllinsdorf ist eine krachende Niederlage für die Befürworter. Das sagen die beiden Parteien zum Resultat.

Simon Tschopp
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Nein oben, Ja unten: Dies trifft nicht nur auf diese Anordnung der Plakate, sondern auch auf die Referendumsabstimmung zu.

Nein oben, Ja unten: Dies trifft nicht nur auf diese Anordnung der Plakate, sondern auch auf die Referendumsabstimmung zu.

Bild: Juri Junkov

Das Resultat hätte deutlicher nicht ausfallen können: Im Verhältnis 3:1 schickte der Füllinsdörfer Souverän den Neubau der Schulanlage Schönthal, ein Vorhaben für 21,5 Millionen Franken, an der Urne bachab. Bei der Referendumsabstimmung legten 1170 Stimmberechtigte ein Nein ein, bloss 412 ein Ja. Die Beteiligung lag bei 58,7 Prozent.

«Schallende Ohrfeige für den Gemeinderat»

«Das ist eine schallende Ohrfeige für den Gemeinderat», kommentiert Christoph Keigel, der Präsident des Referendumskomitees, den Urnengang. Und setzt noch einen drauf:

«Füllinsdorf braucht statt eines Neubaus einen politischen Neuanfang.»

Der Gemeinderat müsse sich schon die Frage stellen, wie er die Bevölkerung vertreten wolle und könne. Seit drei Jahren arbeite er an einem Projekt, wofür er eine halbe Million Franken für Planungskredite ausgegeben habe, und das dann an der Urne mit 74 Prozent Nein-Stimmen versenkt werde.

Für Keigel führte ein «Haufen von Faktoren» dieses klare Ergebnis herbei. Die mit der Vorlage nicht gelöste Schulraumproblematik sei sicher ein Grund, den sie «geschickt» hätten widerlegen können. Zudem spielten Corona mit den finanziellen Unsicherheiten und die Tatsache, dass die Frage der Schulstandorte nie an der Urne legitimiert worden war, eine Rolle. «Aber das hätte der Gemeinderat im Vorfeld spüren müssen», meint der Präsident des Referendumskomitees. Die Kombination all ihrer Argumente, die sie im Abstimmungskampf vorgetragen hätten, hätten bei den Stimmenden verfangen.

Pro-Komitee enttäuscht und überrascht

Lukas Imark, Mitglied des Pro-Komitees, zeigt sich enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung und überrascht über das deutliche Resultat.

«Dieses Projekt ist ein grosser Brocken und wäre schon in ‹normalen› Zeiten schwierig durchzubringen gewesen. Nun funkte noch Corona hinein»,

sieht Imark die Hauptgründe für die starke Ablehnung. Der Abstimmungskampf sei nicht ausschlaggebend gewesen, vielleicht habe er zu einem klareren Ergebnis beigetragen. «Wir haben versucht, mit Sachlichkeit zu überzeugen, was aber keine Früchte getragen hat», erklärt Lukas Imark und meint rückblickend: Er persönlich würde an der Kampagne nichts anders machen.

Gemeindepräsidentin Catherine Müller ist «froh, dass das Resultat wenigstens klar ausgefallen ist». Denn knappe Ergebnisse liessen stets Interpretationsspielraum zu. Was den Ausschlag gegeben hat, kann Müller nicht genau sagen. «Die Plakatschlacht hat sicher das Referendumskomitee gewonnen. Dieses verfügte bestimmt über mehr Geld als die Gegenseite.» Aber das sei ihre Aussensicht.

Gemeindepräsidentin nun gespannt auf Lösungen des Referendumskomitees

Für Catherine Müller gehört die Realisierung einer zeitgemässen Schulinfrastruktur, «wie es dieser Neubau gewesen wäre», zum Grundauftrag einer Gemeinde. Sie habe das als notwendige Investition gesehen. Müller ist überzeugt, dass es nun Verlierer gibt, aber nicht unbedingt nur die Mitglieder des Pro-Komitees. Sehr wahrscheinlich seien es diejenigen, die es noch gar nicht so richtig realisierten.

«Für uns ist das jetzt eine klare Verpflichtung, dass wir uns in den künftigen Prozess einbringen müssen und auch wollen», betont Christoph Keigel. Denn sie möchten, dass primär der Schule schnell geholfen werde. Die Füllinsdörfer Gemeindepräsidentin bestätigt, dass der Gemeinderat Vertreter des Referendumskomitees einladen wird.

«Ich bin sehr gespannt auf die Lösungen, die weniger kosten – was mir als Finanzchefin nur recht sein kann – und auch noch mehr bringen.»

Schade nur, dass diese cleveren Gedanken nicht schon vor Jahren eingebracht worden seien. Gelegenheiten dazu habe es genug gegeben, sagt Müller neckisch.