Autobahn A2
Regierung will den Bau einer dritten Belchen-Röhre durchstieren

Der allfällige Verzicht auf die dritte Röhre des Belchentunnels kommt bei der Baselbieter Regierung nicht gut an. Sie äusserte am Freitag Bedenken gegen die Idee des Bundes, die zwei bestehenden Röhren in Nacht- und Wochenendarbeit zu sanieren.

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Dritte Röhre am Belchen soll die Regierung teuer zu stehen kommen.

Dritte Röhre am Belchen soll die Regierung teuer zu stehen kommen.

Keystone

Der Bau einer dritten Röhre als Sanierungstunnel galt bis vor kurzem als beschlossene Sache. Anfang März räumte der Bundesrat aber in der Fragestunde des Nationalrats ein, dass das Projekt, für welches das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) 2007 die Plangenehmigung erteilt hatte, aus wirtschaftlichen Gründen überprüft wird.
Statt 270 Millionen über eine halbe Milliarde

Gemäss der Antwort des Bundesrats auf einen parlamentarischen Vorstoss kostet die dritte Röhre statt wie 2009 geschätzt 270 Millionen Franken nun über eine halbe Milliarde. Zugeschrieben wird diese massive Verteuerung der Geologie, die sich als komplexer erwiesen habe als zunächst angenommen.
Tunnelbauwerke im Jura seien geologisch gesehen Hochrisikoprojekte, konstatierte der Bundesrat in seiner Antwort. Deshalb sei bei der Erarbeitung des Detailprojekts für die dritte Röhre das Gestein detailliert untersucht worden.
Cityring Luzern als Vorbild

Als Alternative zum Sanierungstunnel prüft der Bund derzeit, ob die beiden bestehenden Röhren in Nacht- und Wochenendarbeit instand gesetzt werden könnten. Vorbild ist dabei der Cityring Luzern. Dort werde ein zweiröhriger Tunnel ohne den Bau einer Zusatzröhre und ohne langdauernden Kapazitätsabbau saniert, hält der Bundesrat fest.
Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) will seine Abklärungen bis Mitte Jahr abschliessen. Ein definitiver Entscheid wird für Ende Jahr in Aussicht gestellt. Die Mittel für die dritte Röhre sind derzeit in der Investitionsplanung für die Jahre 2016 bis 2022 provisorisch eingestellt.
Bedenken aus dem Baselbiet

Die Baselbieter Regierung hat in einem Brief an das ASTRA «sehr grosse Bedenken» gegen einen allfälligen Verzicht auf die dritte Röhre angemeldet. Eine teilweise Unterbrechung der A2 über mehrere Jahre sei «nicht akzeptabel», hielt die Regierung am Freitag fest.
Der Verzicht auf den Sanierungstunnel würde zu massivem Mehrverkehr auf den beiden Hauensteinachsen führen und die Einwohner vieler Ortschaften in grossem Ausmass beeinträchtigen, gibt die Regierung zu bedenken. Zudem lasse der Strassenzustand auf beiden Achsen eine Mehrbelastung durch den Schwerverkehr nicht zu.
Nach den ursprünglichen Plänen sollte die dritte Röhre des Belchentunnels Ausweichkapazitäten schaffen, wenn ab 2018 die zwei bestehenden Röhren wegen einer Totalsanierung nacheinander für bis zu zwei Jahre geschlossen werden.
Der 3,2 Kilometer lange Belchentunnel der A2 quert den Jura an der Kantonsgrenze von Baselland und Solothurn. Er wurde 1970 erbaut und steht unter hohem Bergdruck, da der in den Gesteinsformationen vorherrschende Gipskeuper bei Kontakt mit Wasser aufquillt. Zuletzt war 2003 eine Sanierung für 86 Mio. Franken erfolgt.