Bildungspolitik
Regierung will die Bildungs- und Wissensregion stärken

Integration und Flexibilität sind die Hauptaufgaben für die Schulen bis 2020. Das zeigt der Bildungsbericht Basel-Landschaft. Eine Anpassung der Bildungssysteme der Länder in der Regio Basel ist kein Thema

Boris Burkhardt
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2011 gibt die Baselbieter Bildungsdirektion den aktualisierten Bildungsbericht Basel-Landschaft mit den neuesten Analysen heraus. Die Planungen basieren laut Generalsekretär Roland Plattner, entgegen den Prognosen von Crédit Suisse und Metrobasel, «heute nicht auf einem markanten Bevölkerungswachstum». Aber auch wenn die Entwicklung anders laufen sollte, ist sich Plattner sicher: «Ein Bevölkerungswachstum kommt nicht über Nacht.» Die zusätzlich erforderliche Infrastruktur könne der Kanton «Bedarf für Bedarf zur Verfügung stellen». Ausserdem habe der Kanton Baselland bereits bei der rasanten Bevölkerungsentwicklung in den 1960ern mit anschliessendem «Pillenknick» bewiesen, «dass auch bei demografischen Höchstanforderungen für das Bildungswesen Lösungen gefunden werden können».

Mehr Durchlässigkeit

Die Harmonisierung der Schulsysteme bezeichnet Plattner als «grossen Entwicklungsschub». Der Kanton Baselland werde sich in Zukunft in erster Linie auf die schweizerische und regionale Harmonisierung konzentrieren und die Bildungs- und Wissensregion Nordwestschweiz stärken. Plattner geht unter anderem davon aus, dass auch die Schulsysteme auf der Volksschulstufe eine noch grössere Flexibilität entwickeln werden, zum Beispiel bezüglich der Durchlässigkeit zwischen den Stufen oder einer Beschleunigung der Schulkarrieren.

Auch Hans Georg Signer, Leiter Bildung im Basler Erziehungsdepartment, möchte den Übergang von der Volksschule zur Sekundarstufe II in den nächsten zehn Jahren verbessern. Die Tagesbetreuung solle ausgebaut, der Französisch- und Englischunterricht noch früher beginnen: Die Pharmakonzerne böten heute schon interne Tagesbetreuungen an; daneben gebe es bereits eine Reihe privater englischsprachiger Kindergärten.

Für Signer ist die Bildungsharmonisierung innerhalb der Schweiz «schwierig genug zu realisieren». Eine Anpassung der Bildungssysteme der Länder in der Regio Basel sehe die Basler Regierung deshalb nicht vor. Plattner hingegen sieht die bisherigen Verknüpfungen verschiedener Ausbildungen der Tertiärstufe, also Uni, Fachhochschulen und Berufsschulen, im Dreiländereck noch ausbaubar. Unabhängig von den direkten Nachbarn müsse aber auch die Sekundarstufe II international angepasst werden. Ein Problem für international hoch qualifizierte Arbeitnehmer beziehungsweise deren Kinder sei die zweite Landessprache als Voraussetzung, um die Matur in der Schweiz zu erlangen. Auch für begabte zugewanderte Schüler ohne Französischvorkenntnisse sieht Plattner in dieser Anforderung «bei spätem Eintritt und trotz den entsprechenden Kursen» eine «sehr schwierige Hürde».

Um die steigende Nachfrage nach privaten International Schools aufzufangen, wolle der Kanton auch die öffentlichen Schulen für Kinder ausländischer Arbeitnehmer attraktiver machen und bemühe sich um eine optimale Integration. Im Kanton Basel-Stadt werden laut Signer im nächsten Schuljahr am Wirtschaftsgymnasium die Fächer Wirtschaft und Recht, Geschichte und Bildnerisches Gestalten zweisprachig angeboten. Das Gymnasium am Münsterplatz ist seit diesem Jahr eine Pilotschule zur Einführung des Diploma-Programms der International Baccalaureate Organization. Auch im Baselbiet gibt es die zweisprachige Matur an einigen Gymnasien.

Ausblick 2020, bisher erschienen: Jobwunder (29.9.), Zuwanderer (5.10.), Wohnungen (19.10.), Verkehr (13.10.).