Öffentlicher Verkehr
Regierung will «Läufelfingerli» nicht mehr betreiben

Das «Läufelfingerli», die S-Bahn zwischen Sissach BL und Olten, soll durch Busse ersetzt werden. Dies sieht der 8. Generelle Leistungsauftrag (GLA) für den Öffentlichen Verkehr für 2018 bis 2021 vor, den die Baselbieter Regierung am Mittwoch in die Vernehmlassung geschickt hat.

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Die S9 Olten–Läufelfingen– Sissach («Läufelfingerli») wartet auf Gleis 1 am Bahnhof Olten.

Die S9 Olten–Läufelfingen– Sissach («Läufelfingerli») wartet auf Gleis 1 am Bahnhof Olten.

Christian von Arx

Die Linie S9 über den Hauenstein weise seit Jahren einen Kostendeckungsgrad von nur rund 20 Prozent auf, heisst es in einer Regierungs-Mitteilung. Die durch den Landrat vorgegebene Zielvorgabe von 25 bis 30 Prozent für die Aufnahme in den GLA erreiche die S9 so "bei weitem" nicht.

Für den geplanten Busbetrieb liegt gemäss Regierung ein Angebotskonzept vor. Dieses sei in den nächsten Monaten mit dem mitbeteiligten Kanton Solothurn, den betroffenen Gemeinden und den Transportunternehmen "zu optimieren".

Mit einem Antrag, das "Läufelfingerli" durch Busse zu ersetzen, war die Regierung indes vor zehn Jahren im Landrat gescheitert. Gegen die Einstellung der S9 hatten sich damals vor allem SP, Grüne und eine Mehrheit der SVP gewehrt. Grossen Widerstand hat es auch aus den betroffenen Gemeinden im Homburgertal gegeben.

Abbau bei Buslinien

Im vergangenen Februar hatte der Landrat im Rahmen des kantonalen Sparprogramms dagegen entscheiden, im Jahr 2017 die spätestens drei Kurspaare der S9 durch Busse zu ersetzen. Mit der vollständigen Umstellung auf Busbetrieb will der Kanton 750'000 Franken pro Jahr einsparen.

Ebenfalls für das Jahr 2017 hatte der Landrat die Einstellung des Wochenendbetriebs auf den Buslinien 91 (Bretzwil - Reigoldswil - Waldenburg), 92 (Hölstein - Bennwil) und 93 (Lampenberg - Ramlinsburg - Lausen) beschlossen. Mit dem 8. GLA soll diese Angebotseinschränkung nun definitiv werden.

Zusätzlich soll auf diesen drei Buslinien das Angebot unter der Woche auf neun Kurspaare reduziert werden. Derzeit sind auf dem betroffenen Linien bis zu 22 Kurspaare unterwegs. Bleiben sollen ab 2018 die wichtigsten Schüler- und Pendlerverbindungen. Insgesamt führe dies zu Einsparungen in der Höhe von 450'000 Franken.

Schienenverbindungen

Ausgebaut werden soll das Angebot mit dem 8. GLA dagegen auf verschiedenen Buslinien im Unterbaselbiet, etwa im Birseck und im Raum Allschwil sowie im Laufental. Dies führt gemäss Vorlage zu höheren Kosten von insgesamt 350'000 Franken. Ein Teil der Optimierungen soll zudem kostenneutral erfolgen.

Geprüft werde zusammen mit dem Kanton Basel-Stadt zudem eine Integration der Ersatzlinie E11 in die Stammstrecke der Linie 11, wie es weiter heisst. Ebenfalls aufgeführt ist im GLA bereits die Linie 17 mit der neuen Streckenführung über den Margarethenstich, zu welcher der Baukredit dem Landrat 2017 vorgelegt werden soll.

Vorgesehen ist ab 2021 im Weiteren ein zweiter Schnellzug durchs Laufental. Dessen Finanzierung sei im Rahmen der Verhandlungen zur Fernverkehrskonzession jedoch noch zu definieren.

20 Millionen billiger

Insgesamt rechnet die Regierung 2018 bis 2021 mit jährlichen ÖV-Kosten zwischen 37,8 und 38,3 Millionen Franken, wie der Vorlage zu entnehmen ist. Gegenüber dem Jahr 2017 bedeutet dies eine Abnahme von rund 20 Millionen.

13,5 Millionen seien dem Wegfall der Infrastrukturkosten zuzuschreiben, die neu durch den Bund finanziert werden. Zudem falle die Teuerung tiefer und die Erträge höher als prognostiziert aus.

Vorgesehen sind gemäss Vorlage zwischen 2018 und 2021 auch weitere Tariferhöhungen. Die Vernehmlassung zum GLA dauert bis zum 17. Juli.