Region Basel
Zahlreiche Frostnächte verderben die grosse Kirschenernte

Die Aussichten sind deutlich schlechter als im Vorjahr. Bei den Zwetschgen siehts noch düsterer aus.

Simon Tschopp
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Die diesjährige Kirschenernte wird weniger ertragreich als 2020.

Die diesjährige Kirschenernte wird weniger ertragreich als 2020.

bz-Archiv

«Wir können uns über das halbvolle Glas freuen. Oder wir können enttäuscht sein über das halbleere Glas», sagt Hansruedi Wirz, wenn er die Zahlen der ersten Ernteschätzung für die Kirschen betrachtet. Neben den Kulturen in der Waadt und im Wallis haben die Frostnächte Anfang April den hiesigen Kirschen am stärksten zugesetzt. Der Präsident des Produktzentrums Kirschen/Zwetschgen des Schweizerischen Obstverbands rechnet mit 488 Tonnen Tafelkirschen, die diesen Sommer in der Nordwestschweiz – beide Basel, Schwarzbubenland und Fricktal – anfallen werden.

Besser als Horrorjahr 2017, schlechter als Vorjahr

Das sind zwar viel mehr als 2017 (263 Tonnen), als ebenfalls Frost im April für enorme Ausfälle gesorgt hat, aber rund 100 Tonnen weniger als vergangenes Jahr. 2018 (1010 Tonnen) und 2019 (973 Tonnen) waren überdurchschnittliche Jahre.

Bei den Brennkirschen liege das jetzige Potenzial gesamtschweizerisch bei etwa 1000 Tonnen, in der Region Basel bei rund 400 Tonnen, erklärt der Reigoldswiler Obstbauer Hansruedi Wirz. Ob alle gepflückt würden, sei jedoch fraglich.

«Da spielen viele Faktoren mit.»

Ob der Obstbauer mit einer Schüttelanlage ausgerüstet ist, ob der Landwirt während der Ernte noch mit anderen Arbeiten beschäftigt ist, der Behang der Bäume, das Wetter. Mitentscheidend ist seit ein paar Jahren auch, wie sich die Kirschessigfliege verhält.

Spirituosenlager grosser Brennereien übervoll

Wegen geschlossener Gaststätten und der zahlreichen Anlässe, die wegen Corona nicht stattfinden konnten, brach der Verkauf und Konsum von Spirituosen regelrecht ein. Deshalb sind gemäss Wirz die Lager der grossen Brennereien voll – er redet von einem «Dreijahresbedarf». Dennoch: 1000 Tonnen Brennkirschen würden den Absatz schon finden, ist er überzeugt.

Der Ertrag an Konservenkirschen dürfte in unserer Region etwa halb so hoch sein wie derjenige des Vorjahres. Hansruedi Wirz schätzt ihn auf gegen 150 Tonnen.

Die Kirschen-Haupternte beginnt am 5. Juli; in den Kalenderwochen bis 25. Juli werden die grossen Mengen geerntet. Danach werden diese kleiner – bis in die ersten Augusttage.

Bei den Zwetschgen steht eine erste Ernteschätzung noch bevor. Der Ertrag wird in der Nordwestschweiz jedoch tiefer ausfallen als bei den Kirschen. Frühe Zwetschgensorten blühten schon nach Ostern, als die Temperaturen nachts deutlich unter den Gefrierpunkt sanken. «Sie litten sehr stark», berichtet Wirz. Bei den späteren Sorten sind die Schäden weniger gravierend.