Reinach
Reinach feiert sein neues Zentrum – doch die Bewohner bleiben skeptisch

Knapp zwei Jahre lang war die Hauptstrasse eine Baustelle. Ob sich die mühsamen Umbauarbeitengelohnt haben, bleibt abzuwarten. Die Einwohner und die Ladenbetreiber trauen der Sache noch nicht ganz.

Silvana Schreier
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Einweihung der umgestalteten Hauptstrasse
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Einweihung der umgestalteten Hauptstrasse in Reinach
Einweihung der umgestalteten Hauptstrasse in Reinach
Einweihung der umgestalteten Hauptstrasse in Reinach
Einweihung der umgestalteten Hauptstrasse in Reinach
Einweihung der umgestalteten Hauptstrasse in Reinach
Einweihung der umgestalteten Hauptstrasse in Reinach
Einweihung der umgestalteten Hauptstrasse in Reinach

Einweihung der umgestalteten Hauptstrasse

Juri Junkov

Die Reinacher sind neugierig. Sie möchten wissen, was die knapp zweijährige Umbauzeit ihrer Hauptstrasse gebracht hat. Endlich wollen sie das Resultat sehen, auf welches sie so lange hatten warten müssen. Viele äussern sich noch skeptisch. Monica Surer, Verkäuferin bei Jenzer Fleisch und Feinkost, sagt: «Alle Parkplätze im Ortszentrum wurden entfernt. Das wird sicher nicht für mehr Kundschaft sorgen.» Während der Bauarbeiten hätten zudem weniger Kunden den Weg in ihr Geschäft gefunden. Surer weiss von vielen Reinachern, dass die Frustration in den vergangenen zwei Jahren sehr gross war: «Wir sind froh, dass der Umbau nun vorbei ist. Aber ob es sich gelohnt hat, bleibt abzuwarten.»

Die Bäckerei und Confiserie Grellinger blickt ein wenig optimistischer in die Zukunft: In den letzten Monaten hätten zwar deutlich weniger Kunden in ihrem Laden eingekauft, die Situation habe sich aber bereits verbessert.

Erstmals die Haare schneiden

Ebenfalls verbessert hat sich die Hauptstrasse für alle, die mit Rollstühlen unterwegs sind. Der Reinacher Jürg Fringgeli kann nun mit seinem Elektrorollstuhl hindernisfrei einkaufen gehen, seine Haare schneiden lassen oder sich im Buchladen neue Lektüre besorgen. Der BLT-Direktor Andreas Büttiker betont in seiner Rede: «Wir haben hier die erste behindertengerechte Tramhaltestelle im Baselbiet.»

Trotzdem spürt man bei den Einwohnern ein gewisses Misstrauen. Zu mühsam, zu laut und zu lange waren die letzten beiden Jahre. Sabine Wachsmann von der Gesundheitspraxis an der Hauptstrasse ist zwar nicht auf Laufkundschaft angewiesen. Nichtsdestotrotz erlebte sie die Umbauzeit hautnah mit. Denn der Lärm von den Bauarbeiten habe die Wände ihrer Praxisräume wackeln lassen. Der Arbeitsalltag sei somit nicht einfach zu bewältigen gewesen, wie sie erzählt.

Durch den Umbau wurden die Trottoirs für die Fussgänger verbreitert. Somit bleibt mehr Platz zum Flanieren und Einkaufen. Für den Verkehr wurde es aber dadurch enger. Tram und Autos nehmen einen grossen Teil der Hauptstrasse ein. Viele Festbesucher fragen sich nun, was für die Velofahrer gemacht wird. Denn Parkplätze für die Zweiräder habe es genügend, aber wo sollen sie fahren?

Festliche Stimmung war da

Das Einweihungsfest soll die Reinacher wieder mit ihrer Hauptstrasse versöhnen. Dafür wurde viel Aufwand betrieben. Alle Geschäfte überlegten sich was: Von einer Bar vor einem Coiffeurladen über eine Modeschau eines Kleidergeschäfts bis hin zur Zumba-Tanzgruppe, die auf der Bühne einheizt.

Die Schlange bei der Tramhaltestelle Reinach Dorf ist den ganzen Abend über lang. Nicht aber, weil man mit dem 11er schnellstmöglich wieder zurück nach Basel fahren will. Sondern, weil ein Oldtimer-Tram die Besucher des Festes durch Reinach chauffiert.

Das umgebaute Dorfzentrum wird von der Regierungsrätin Sabine Pegoraro, dem Gemeindepräsidenten Urs Hintermann, dem BLT-Direktor Andreas Büttiker und der KMU-Reinach-Präsidentin Ute Gasser gelobt. Es sei ein «neuer und offener Ortskern». Dem stimmen die meisten Reinacher zu. Doch gleichzeitig stellt sich ihnen die Frage: Was bringt es für die Geschäfte? Wird nun tatsächlich mehr im Dorf selbst eingekauft? Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wie erfolgreich die Erneuerung ist.

Sabine Pegoraro ist überzeugt: «Die Erneuerung wird die Attraktivität des Reinacher Gewerbes steigern.» Der Gemeindepräsident meint jedoch, das Ziel sei noch nicht ganz erreicht. Die Einwohner seien nun nämlich gefordert: Sie müssten das Zentrum beleben. Am Rande wird schliesslich noch erwähnt, dass der Umbau der Strasse noch nicht ganz abgeschlossen sei. Das definitive Bauende ist erst im November vorgesehen. Diese Tatsache wird den Reinachern sicherlich nicht ihre Skepsis nehmen.