Richtplan
Reinach forciert Tunnellösung: Ohne neue Strasse gibt's auch kein neues Tram

Der Kanton Baselland hegt Pläne für eine Reinacher Orts-Umfahrung. Die Gemeinde steht voll hinter dem Projekt – und stellt klar: Die neue Strasse sei Bedingung für eine Tramlinie zwischen Reinach und Dornach.

Benjamin Wieland
Drucken
Teilen
Der Kanton plant laut Richtplan-Entwurf eine neue Teilumfahrung Reinach Süd. Doch auf dem vorgesehenen Trassee sind schon Sportplätze geplant.
4 Bilder
2. Version von bz Reinach Fiechten
So stellt sich der Kanton Baselland laut Richtplan-Entwurf den Trassee-Verlauf vor (orange Punkte).
Dabei müsste man mit dieser Linienführung die Fussballplätze (hellgrün) queren, oder aber man baut einen Tunnel, wofür die vorgesehenen 20 Millionen Franken kaum reichen würden.

Der Kanton plant laut Richtplan-Entwurf eine neue Teilumfahrung Reinach Süd. Doch auf dem vorgesehenen Trassee sind schon Sportplätze geplant.

zvg

Der Kanton Baselland hegt die Absicht, im Südwesten Reinachs eine neue Umfahrungsstrasse zu bauen. Reinach unterstützt die Ideen der kantonalen Planer, gestern sprach sich die Handelskammer beider Basel ebenfalls für das Projekt aus (siehe Kasten). Für den Reinacher Gemeinderat ist klar: Die neue Verbindung ist auf jeden Fall unterirdisch zu führen.

Er schreibt in einer gestern verschickten Medienmitteilung, die Tunnellösung sei notwendig, «damit das Landschafts- und Erholungsgebiet Fiechten, die Sportzone Fiechten und angrenzende Wohngebiete nicht belastet werden».

Die Handelskammer beider Basel fordert

Gelder aus der Strassenrechnung für neue Autobahnen zweckbinden

Die Handelskammer beider Basel fordert einen Ausbau des Hochleistungsstrassennetzes in der Region. «Wir können nicht beim Status quo verharren, denn der Status quo würde die Standortattraktivität verschlechtern», sagt Martin Dätwyler, Direktor ad interim der Handelskammer. Wegen des Bevölkerungs- und des Wirtschaftswachstums habe der Verkehr in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Darauf müssen die Kantone und der Bund mit der Verkehrsplanung reagieren, findet Dätwyler.

Die Handelskammer fordert neben dem Ausbau des öV auch neue Strassen und hat dazu eine Liste mit 15 Strassenprojekten erstellt, bei denen die Planung und Projektierung vorangetrieben werden soll. Prioritär aus Sicht der Handelskammer sind der Bau des Rheintunnels der A 3 sowie der Zubringer Bachgraben – Projekte, die von den Behörden bereits vorangetrieben werden und politisch mehrheitsfähig sein dürften. Doch dann bringt der Wirtschaftsverband auch höchst umstrittene Ideen wie die Stadttangente mit der Umfahrung Allschwil, dem Tunnel Binningen und dem Gundelitunnel ins Spiel. Die Stadttangente im Südwesten Basels war Bestandteil der Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba), die das Baselbieter Volk im November 2015 abgelehnt hatte. Dass die Handelskammer die Stadttangente trotzdem in ihr Zielbild 2040/2050 aufgenommen hat, sei keine Zwängerei, findet Dätwyler. Die Entwicklungsgebiete im Westen Basels seien ungenügend erschlossen, mit einem Ringschluss entstünden zudem wichtige Redundanzen. «Wenn wir sagen: ‹Die Stadttangente gehört zu einem funktionalen Hochleistungsstrassennetz der Region›, so heisst das noch nicht, dass morgen die Bagger auffahren», stellt Dätwyler klar.

Zur Finanzierung von Betrieb, Unterhalt und Bau von Kantonsstrassen formuliert er einen Vorschlag, der noch zu reden geben dürfte: So sollen bestehende Einnahmen aus der Strassenrechnung des Kantons Baselland – aktuell sind das rund 25 Millionen Franken – zweckgebunden werden. Heute fliesst das Geld in den ordentlichen Staatshaushalt. (haj)

Nadelöhr Bruggstrasse

Der Gemeinderat bezeichnet die neue Strasse sogar als Bedingung für eine neue Tramlinie zwischen Reinach und Dornach. Ohne die Umfahrungsstrasse sei es nicht möglich, die zentrale Ost-West-Verbindung der Gemeinde, die Bruggstrasse, vom Transitverkehr zu befreien. Dann habe es aber auch keinen Platz mehr für Trassees der zu verlängernden Tramlinien 10 oder 11.

«Erst, wenn die Bruggstrasse spürbar vom motorisierten Individualverkehr entlastet ist», hält der Gemeinderat fest, «kann hier ein öV-Korridor mit einer Tramverbindung zum Bahnhof Arlesheim-Dornach entstehen.»

Die Ortsumfahrung Reinach Süd ist Teil des kantonalen Richtplans (Krip), der ans Agglomerationsprogramm 3 angepasst wird. Bis zum 16. März lief die öffentliche Mitwirkung. Die Teilumfahrung ist mit dem Status einer Vororientierung vermerkt.

Die Linienführung steht noch nicht fest. Aus dem Raumkonzept Birsstadt 2035 geht hervor, dass Fragen zum genauen Trassee im Rahmen des Planungsprozesses geklärt werden sollten. Die Strasse müsse aber «siedlungs- und landschaftsverträglich» sein. Das Raumkonzept wurde von Reinach, Aesch, Dornach, Arlesheim, Münchenstein, Pfeffingen und Birsfelden erarbeitet. Mit ihm wollen die Gemeinden ihre Planungen aufeinander abstimmen.

Sportplätze sind im Weg

In der gestrigen Medienmitteilung aus Reinach ist eine Karte enthalten, in der die Strasse von der Birsigtalstrasse direkt an die neue Auffahrt Aesch Nord der A 18 anknüpft. Im Richtplan-Entwurf war noch vorgesehen gewesen, dass die Umfahrung entlang des Reinacher Siedlungsrands führt.

Das Problem bei dieser Streckenführung: Derzeit baut Reinach die Sportzone Fiechten aus – sie liegt genau dort, wo die neue Umfahrung laut Richtplan-Entwurf durchführen sollte.

Aktuelle Nachrichten