Asylplätze
Reinach öffnet Tür für Asylsuchende aus Binningen

Neben Arlesheim darf nun auch Binningen seine Asylsuchenden nach Reinach schicken. Bis zu 30 Personen kann Binningen ab Januar 2012 in Reinach unterbringen. Hinzu werden maximal 15 Asylsuchende aus Arlesheim kommen.

Bojan Stula
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Begehrte Plätze: Reinacher Asylwohnheim an der Pfeffingerstrasse. NIZ

Begehrte Plätze: Reinacher Asylwohnheim an der Pfeffingerstrasse. NIZ

Von der Welle Asylsuchender aus Nordafrika spürt Reinach noch nichts. Im Gegenteil: Die beiden Wohnheime für Asylsuchende am Kägenhof und in der Pfeffingerstrasse stehen zur Hälfte leer. Laut Beat Loosli, dem zuständigen Abteilungsleiter, betrug die durchschnittliche Auslastung der 132 verfügbaren Plätze in den vergangenen beiden Jahren zwischen 50 und 65 Prozent. Deshalb baut Reinach die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden aus. Nach Arlesheim darf nun auch Binningen seine vom Kanton zugewiesenen Asylbewerber nach Reinach schicken. Diesen Beschluss hat der Reinacher Gemeinderat soeben verabschiedet – in der Hoffnung, die beiden gemeindeeigenen Asylheime künftig besser auslasten und damit kostenneutral führen zu können.

45 Plätze für Auswärtige reserviert

Bis zu 30 Personen kann Binningen ab Januar 2012 in Reinach unterbringen. Hinzu werden maximal 15 Asylsuchende aus Arlesheim kommen. Bereits seit 2006 besteht ein entsprechender Partnerschaftsvertrag mit Arlesheim. Doch konnte die Domgemeinde das ihr bisher zustehende Kontingent von 30 Plätzen nie auch nur annähernd ausschöpfen, weshalb die Reinacher das Arlesheimer Kontingent zugunsten von Binningen halbiert haben. Dagegen konnte der Arlesheimer Gemeinderat aus praktischen Überlegungen nichts einwenden.

Die Asylheimplätze in Reinach sind begehrt. Verhandlungen über eine Fremdplatzierung führte Reinach auch noch mit einer dritten Baselbieter Gemeinde. Das bestätigt Loosli, möchte aber deren Namen nicht verraten. Klar ist: Als im Frühjahr 2010 bekannt wurde, dass Arlesheim den Bau eines kantonalen Durchgangszentrums im Tal plant, witterten andere Gemeinden die Chance, die Arlesheimer Asylplätze in Reinach beerben zu können. Es folgten entsprechende Anfragen an die Reinacher Behörden. Als die Neubaupläne von Arlesheim an der Urne scheiterten, verringerte sich jedoch das Angebot verhandelbarer Plätze wieder. Letztlich holte Reinach nur noch Binningen mit an Bord seines Asyldampfers, obschon ein weiterer Partner logischerweise auch eine höhere Auslastung der beiden Asylheime bedeutet hätte. «Kooperationen mit mehr als zwei Partnern wären für uns eine zu grosse Belastung geworden», erklärt Loosli die Zurückhaltung. «Da hätten wir unsere Kräfte bloss verzettelt.» Mit der jetzt getroffenen Vereinbarung ist der Abteilungsleiter mehr als zufrieden und spricht von einem Gewinn für alle Beteiligten.

Reich wird die Gemeinde mit dem Vermieten von Asylplätzen ohnehin nicht. Pro Asylsuchenden erhält Reinach vom Kanton nur die einer Gemeinde zustehende übliche Tagespauschale von Fr. 35.50, sofern die Asylsuchenden von der Sozialhilfe abhängig sind. «Mit einer Auslastung von 80 Prozent könnten wir unsere beiden Wohnzentren kostendeckend betreiben», sagt Loosli. Die Aussichten sind gut, dass Reinach diese Quote dank der zusätzlichen Asylsuchenden aus Binningen und Arlesheim erreicht. Sollte aufgrund unerwarteter Ereignisse die Anzahl der den Gemeinden zugewiesenen Asylbewerber plötzlich anschwellen, kann Reinach auf ein Notfallszenario mit kurzfristig verfügbaren Zusatzplätzen zurückgreifen. Die Gemeinde wird ihren Asylpartnern Arlesheim und Binningen also in jedem Fall die vereinbarten Mindestplätze garantieren können.

Vorbildlich geführte Asylheime

Laut Rolf Rossi, dem Leiter der Baselbieter Koordinationsstelle für Asylbewerber, gehört Reinach zu jenen Gemeinden im Kanton, die ihr Asylwesen vorbildlich betreiben. Strafrechtlich relevante Zwischenfälle sind bisher nicht bekannt geworden. Das sei kein Zufall, erwidert Beat Loosli. «Wir können uns auf ein gut eingespieltes Betreuungsteam mit Fachpersonen verlassen. Die Nachtwachen sind ebenso professionell aufgezogen.» Da die Asylsuchenden in eine feste Tagesstruktur mit zahlreichen Kursen, Integrationsprogrammen und Beschäftigungsaktivitäten eingebunden sind, könnten sie gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen.

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