Abstimmungssonntag
Reinacher wollen keine «Türme im Einfamilienhaus-Quartier»

Zu hoch seien die Hochhäuser, zu dicht bereits der Verkehr: Reinach will die Überbauung Jupiterstrasse nicht und lehnt sie deshalb deutlich ab.

Daniel Aenishänslin
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Im Dezember hatte das Referendumskomitee die Unterschriften gegen den Quartierplan "Jupiterstrasse II" der Gemeinde übergeben. Nun wurden sie vom Stimmvolk in ihrem Kampf bestätigt.

Im Dezember hatte das Referendumskomitee die Unterschriften gegen den Quartierplan "Jupiterstrasse II" der Gemeinde übergeben. Nun wurden sie vom Stimmvolk in ihrem Kampf bestätigt.

Roland Schmid

Die Reinacherinnen und Reinacher wollen den vom Einwohnerrat im November 2016 beschlossenen Quartierplan und das zugehörige Quartierplanreglement Jupiterstrasse nicht. 52,4 Prozent der Abstimmenden sprachen sich am Abstimmungssonntag an der Urne dagegen aus und folgten somit dem Referendum. Die Stimmbeteiligung lag bei 45 Prozent. Für Nicole Wehrli vom Referendumskomitee zeigt das Ergebnis: «Die Leute sind nicht einverstanden mit der Strategie des Gemeinde- und Einwohnerrats. Man soll nicht zuerst bauen und erst danach darüber nachdenken, wie man das Verkehrsproblem löst.»

Letzte grosse Baulandreserve

Gemäss den Befürwortern des Quartierplans hätte an der «gut erschlossenen» Jupiterstrasse eine «massvoll» verdichtete Wohnüberbauung entstehen sollen. Es handelt sich um eine der letzten grossen Baulandreserven der Gemeinde. Realisiert hätte die Überbauung die Eigentümerin, die Werner Sutter Architekt AG. Was dem Referendumskomitee und offenbar auch vielen Reinachern gar nicht passte, waren die beiden projektierten Hochhäuser mit ihren acht Stockwerken. «Das Überbauen der Parzelle ist auch von unserer Seite unbestritten», sagt Wehrli, «aber solch hohe Türme gehören nicht in ein Einfamilienhaus-Quartier.» Eine Höhe von vier Stockwerken sei genug, so werde auch verdichtet gebaut.

Gemeindepräsident Urs Hintermann (SP) führt das Scheitern an der Urne auf zwei Umstände zurück. «Quartierpläne sind grundsätzlich immer umstritten», sagt er, «dieses Phänomen kann seit längerem beobachtet werden.» Die Skepsis der Einwohner sei da, obwohl Herr und Frau Schweizer im März 2013 ein klares Ja zum verdichteten Bauen in die Urne legten. Knapp 63 Prozent stimmten damals dem revidierten Raumplanungsgesetz zu. Der zweite Punkt sei eine Kampagne, welche die «Basler Zeitung» gegen den Gemeinderat fahre. Es geht um Vorfälle im Asylheim. «Da wurde viel Vertrauen in uns zerstört», sagt Hintermann, «es braucht viel Arbeit, das wieder aufzubauen.» Vielleicht hätten deshalb einige dem Vorwurf des Referendums-Komitees geglaubt, der Gemeinderat habe wichtige Daten zurückgehalten.

«Alle wursteln für sich»

Nicole Wehrli verweist auf die ihrer Meinung nach nicht gelöste Verkehrssituation. «In den Stosszeiten ist das Tram heute schon voll», sagt sie. Die geplanten 89 Eigentumswohnungen brächten noch mehr Verkehr auf die Strasse. Da umliegende Gemeinden eine ähnliche Politik verfolgten, würde sich die Verkehrssituation noch akzentuieren. «Alle wursteln für sich», kritisiert Wehrli, «bevor der nächste Quartierplan vorgelegt wird, sollten die Gemeinden sich zusammensetzen, um Siedlung und Verkehr gemeinsam zu planen.» Hintermann sagt, dies geschehe bereits im Rahmen der Birsstadt. Wehrli entgegnet, das sei bloss auf dem Papier so. Die Einschätzungen liegen also weit auseinander.