Jahresbilanz
Rekord: 4452 kamen die Grenzer Schmugglern auf die Schliche

Die Grenzwächter in der Region Basel hatten im letzten Jahr viel zu tun. Sie stellten fast ein Drittel mehr Schmuggelfälle fest als im Vorjahr. Was hingegen abgenommen hat, ist die Gewalt gegenüber den Beamten.

Dean Fuss
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Grenzkontrolle: Immer mehr Schmuggler erwirscht

Grenzkontrolle: Immer mehr Schmuggler erwirscht

Keystone

Der Zollkreis I, zu dem auch Basel gehört, verzeichnete im vergangenen Jahr Einnahmen von 7,7 Milliarden Franken. Dies entspricht einer Zunahme von 5,5 Prozent, wie Zoll und Grenzwacht an der gestrigen Jahresbilanz-Medienkonferenz mitteilten.

Wie in der gesamten Schweiz war auch der Grenzverkehr in der Region Basel – namentlich an den Übergängen zu Deutschland – durch den starken Franken geprägt. Im Privatwarenverkehr erfolgten 124954 Verzollungen, was einer Rekordsteigerung von 67,4 Prozent entspricht. Mit 4452 Schmuggelfällen stellten Grenzwächter derweil fast ein Drittel mehr solcher Delikte fest als noch im Vorjahr.

«An den Grenzübergängen zu Deutschland gab es 2011 mehr Schmuggeldelikte als an denjenigen zu Frankreich», sagt der Kommandant der Grenzwachtregion Basel, Roger Zaugg. Dies hänge wahrscheinlich einerseits mit den Einkaufszentren in Deutschland und andererseits mit der Sprachbarriere zu Frankreich zusammen. «Geschmuggelt wird alles. Spitzenreiter sind Lebensmittel, gefolgt von Unterhaltungselektronik», so Zaugg.

Gewalt ging zurück

Entgegen dem Schweizer Trend ging die Gewalt gegen Grenzwächter im Zollkreis I zurück. 42 solcher Fälle wurden 2011 verzeichnet. «Wir wissen nicht, weshalb das so ist», führt Zaugg aus und fügt an: «Dafür hatten wir eine leichte Zunahme von Fluchten zu verzeichnen.» Die Verfolgung dieser Personen sei oftmals mit Risiken verbunden.

Am Euro-Airport Basel-Mulhouse wurden 2011 über 2500 Kilogramm verbotener Lebensmittel beschlagnahmt. «Erfreulicherweise sinken diese Zahlen. Mittlerweile scheinen die Einfuhrbestimmungen bezüglich dieser Produkte bekannter zu sein», ist der Basler Zollkreisdirektor Heinz Engi überzeugt. Auch am Flughafen machte sich der starke Franken bemerkbar: Die Verzollungen stiegen im Vergleich zu 2010 um 30 Prozent.

Auch für schlecht vorbereitete oder vergessliche Reisende leisteten die Grenzwächter eine grosse Arbeit. 2011 stellten sie am Euro-Airport insgesamt 1014 Notpässe aus und ermöglichten so erst den Reiseantritt dieser Fluggäste. Weil für die Ausstellung eines einzelnen Notpasses in etwa 30 Minuten benötigt werden, wurden alleine dafür rund 507 Arbeitsstunden aufgewendet.

Bush-Meat und Fälschungen

Ein neues Phänomen namens Bush-Meat beunruhigt derweil die Behörden. Bei Bush-Meat handelt es sich um Fleisch wild erlegter und vornehmlich exotischer Tiere, die in gewissen Kreisen als Delikatessen gelten. «Die Anzahl dieser Fälle ist zwar noch klein, doch die Zahlen steigen», zeigt sich Oberzolldirektor Rudolf Dietrich besorgt. Häufig fallen die erlegten Tiere unter Artenschutz. Zusätzlich werde Bush-Meat auch nicht fachlich korrekt transportiert, wodurch es verseucht werden könne.

Auch Fälschungen hielten die Grenzwache 2011 auf Trab: In 240 Fällen versuchten Personen mit gefälschten Dokumenten in die Schweiz einzureisen. Im Vorjahr waren es noch 170 gewesen. «Die Qualität der Fälschungen wird immer besser», so Zaugg. Oft könnten nur noch gut ausgebildete Spezialisten «falsch» von «echt» unterscheiden.