Landwirtschaft
Rekordjahr für die Obstblüte: So früh blühte es noch nie

Ungewöhnlich früh blühen die Obstbäume dieses Jahr nicht nur im Vergleich zum verregneten Vorjahr, sondern auch zu den Spitzenjahren. Die ersten Kirschen könnte es schon im Mai geben. Doch nun haben die Landwirte Sorge, dass die Jungbäume verdursten.

Leif Simonsen
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Dank des warmen Frühlings: Diese Arisdörfer Zwetschgenbäume stehen bereits in voller Blüte. zvg

Dank des warmen Frühlings: Diese Arisdörfer Zwetschgenbäume stehen bereits in voller Blüte. zvg

Fast im ganzen Baselbiet steht das Steinobst schon in voller Blüte. So eilig hatten es Kirschen, Zwetschgen und Mirabellen noch nie: Drei bis vier Wochen früher als vergangenes Jahr blühen derzeit die Bäume, früher noch als in den Rekordjahren 2003, 2008 oder 2011. Sollte es keine Dämpfer mehr geben, dann werden wir schon im Mai die ersten Kirschen pflücken. Daran werden auch die Bauern ihre Freude haben; schliesslich waren die Kirschen im letzten Jahr erst reif, als die meisten schon in den Sommerferien waren.

Nur: Hinter der frühen Blüte lauern umso grössere Gefahren. Schliesslich steht der unberechenbare April vor der Türe. Fallen die Temperaturen unter acht Grad, dann gerät die Entwicklung ins Stocken; «dann wartet die Natur», sagt Martin Linemann, der beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach für Spezialkulturen zuständig ist.

Wirklich aus dem Tritt bringen können Obst und Beeren indes vor allem Temperaturen unter null sowie eine länger anhaltende Trockenperiode. Nach einem ausserordentlich trockenen März dürsten nun insbesondere die Jungpflanzen nach Wasser. Im Gegensatz zu Hochstamm-Bäumen, «deren Wurzeln bis tief in den Boden reichen», macht ihnen bereits eine trockene oberste Erdschicht zu schaffen.

Auch die Varroa-Milbe profitiert

Bereits jetzt sind einzelne Landwirte daran, den jungen Bäumen Wasser zuzuführen – für diese Jahreszeit ebenfalls eine Seltenheit. Hansueli Wirz, Präsident des Baselbieter Obstverbands, freut sich grundsätzlich über die Wärme, hat aber auch Vorbehalte: «Sollte es noch länger trocken bleiben, dann haben wir ein Problem. Immerhin ist für diese Woche noch Regen gemeldet.»

Die lang anhaltend hohen Temperaturen machen nicht nur den Obstverkäufern Freude. Die Imker nehmen erfreut zur Kenntnis, dass der Bienenbestand «sich in diesem Jahr in der Region weiter erholen wird», wie Marcel Strub von der Fachstelle Bienen der Kantone Baselland, Basel-Stadt und Solothurn sagt. Gestern rapportierte er in Richtung Ebenrain: «Bienenflug gut.» Bereits an Weihnachten habe es «die ersten Bienenaktivitäten» gegeben, so Strub, der von einem bienenreichen Sommer ausgeht.

Läutet der Klimawandel nun eine Trendwende ein, nachdem bis vor zwei Jahren ein stetiger Rückgang der Bienenpopulation verzeichnet worden war – und gar die Angst umging, die Bienen würden ganz aussterben? Dieser Umkehrschluss sei nicht möglich, erklärt Strub. Denn nicht nur die Bienen hätten in milden Wintern eine höhere Überlebenschance, auch deren grösster Feind, die Varroa-Milbe, die sich in der Brut im Bienenstock vermehrt. Bereits viel früher als sonst sind die Imker daher angehalten, die Honigernte abzubrechen und pro Bienenvolk «auf zwei bis drei Kilo Honig zu verzichten», damit die Milben effizient bekämpft werden könnten.