Kriechtiere
Reptilienbörse: Nirgends schaudert es einen schöner als hier

Am Sonntag fand zum 14. Mal die grösste Reptilienbörse der Schweiz statt. Einige Aussteller kamen eigens dafür aus Österreich und den Niederlanden ins Baselbiet.

Dimitri Hofer
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Reptilienbörse lockt Tausende an
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Unzählige Schlangenarten faszinierten das Publikum.
Ein Biss der meisten Vogelspinnen ist für den Menschen harmlos.
An der Reptilienbörse gab es mehr als 140 Stände.

Reptilienbörse lockt Tausende an

zvg

In verschiedenen Teilen des Landes stiegen gestern Reptilienliebhaber mit demselben Reiseziel in ihre Autos. Sie alle fahren zur Mehrzweckhalle Stutz in Lausen, vor der bereits um kurz vor zehn Uhr morgens kaum mehr Parkplätze frei sind. Die grösste Schweizer Börse für Kriechtiere ist ein Publikumsmagnet, der trotz wunderbarem Herbstwetter wie jedes Jahr zahlreiche Besucher anzieht.

Mit rund 3000 Gästen rechnete Markus Borer, der gemeinsam mit seiner Frau Cornelia den Anlass veranstaltet, im Vorfeld. Und es scheint, dass dieses ehrgeizige Ziel problemlos erreicht werden wird. Nur wenige Minuten nach der Hallenöffnung wuseln die Menschen durch die engen Gänge. An den einzelnen Ständen bleiben sie stehen, kommen mit den Verkäufern ins Gespräch, staunen, schaudern und gehen weiter zum nächsten Aussteller.

Klischees abbauen

Der Organisator möchte mit seiner Veranstaltung eine Plattform für Zooläden und für Hobbyzüchter bieten. Schliesslich arbeite ein Grossteil der Verkäufer in einem regulären Beruf und habe sich in seiner Freizeit der Zucht von Reptilien verschrieben, sagt er. Ein weiteres Anliegen sei die Sensibilisierung der Bevölkerung für Kriechtiere, um die sich noch immer viele Vorurteile ranken. Um dem entgegenzuwirken, hält Marco Röthlisberger ein sogenanntes Wandelndes Blatt in seinen Händen. Der Dornacher kommt wie ein Viertel aller Aussteller an der Börse aus dem Grossraum Basel. Seit einigen Jahren züchtet er die Gespenstschrecken, die einem grünen Blatt zum Verwechseln ähnlich sehen.
Wer ihn zu diesen Tieren befragt, erfährt unter anderem, dass die Weibchen für die Zeugung von Nachkommen keine Männchen benötigen. Sie seien in der Lage, sich eingeschlechtlich fortzupflanzen, erklärt er. Zudem komme es immer wieder vor, dass sich die Insekten gegenseitig anknabbern, weil sie das Gefühl haben, in ein Blatt zu beissen.
Von bewusstem Kannibalismus spricht hingegen Patrick Honegger, der die aus Kroatien stammende Schwarze Witwe züchtet. «Ich kann die kleinen giftigen Spinnen nicht zusammen in einem Terrarium halten», weiss er aus langjähriger Erfahrung. Da sich die Tiere sonst auffressen würden, befinden sie sich auch in Lausen in einzelnen Gefässen.

Genehmigung für jedes Tier

Eine weit längere Anreise als der Arlesheimer haben diejenigen unter den mehr als 140 Ausstellern hinter sich, die aus dem Ausland an die Reptilienbörse gekommen sind. «Wir haben Verkäufer aus Deutschland, Frankreich, Österreich und sogar einen aus den Niederlanden», sagt Veranstalter Markus Borer. Da für jedes Tier – egal, ob es sich dabei um eine Schlange, einen Skorpion, einen Pfeilgiftfrosch, eine Vogelspinne, einen Gecko oder eine Schildkröte handelt – eine Einfuhrgenehmigung vorhanden sein müsse, seien Polizisten und Zöllner in Zivil unterwegs.

Damit die an die Börse gekauften Reptilien in einer artgerechten Umgebung gehalten werden können, ist an zahlreichen Ständen passendes Zubehör erhältlich. Bei Alex Wyss aus dem zürcherischen Schwerzenbach können unzählige Bücher erworben werden. Aber auch Lampen in diversen Ausführungen sind bei ihm zu finden. «Die Temperatur im Terrarium muss stimmen», ermahnt er die Reptilienbesitzer. Es sei wichtig, dass die Tiere von Anfang an eine Chance haben.

Gemeinden haben Bedenken

Beim Gang durch die Halle fällt auf, dass die einzelnen Aussteller nur wenig Platz haben. Organisator Markus Borer, der selbst Pythons und Boas züchtet, hat das Problem zwar längst erkannt. Bei seinen bisherigen Versuchen, eine grössere Lokalität zu erhalten, sei er jedoch bei einigen Gemeinden auf Granit gestossen. «Viele haben Bedenken, weil wir eine Reptilienbörse organisieren.» Einige hätten gar Angst, dass sich nach der Ausstellung Schlangeneier in den Räumlichkeiten finden. Es zeigt sich also, dass noch einiges an Aufklärungsarbeit geleistet muss.