Münchenstein
Restaurant Gartenstadt in Münchenstein wird saniert statt abgerissen

Als der Münchensteiner Architekt Rolf Stalder vor zwei Jahren die Liegenschaft des Restaurants Gartenstadt kaufte, sprach nichts gegen einen Abriss und den Neubau eines Wohnhauses. Nun kommt er den Anwohnern freiwillig entgegen.

Michel Ecklin
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Die Visualisierung zeigt rechts hinter dem Restaurant den Anbau, der sich historisch an den Altbau anpassen wird.

Die Visualisierung zeigt rechts hinter dem Restaurant den Anbau, der sich historisch an den Altbau anpassen wird.

Zur Verfügung gestellt

«Die Liegenschaft stand als Abbruch-Objekt zum Verkauf», sagt Stalders Assistentin Elke Maier.

Weil der fertig geplante Neubau dem Zonenreglement entsprach, war die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Gemeinde dafür grünes Licht gegeben hätte. Stalder hatte das Baugesuch bereits eingereicht, da kamen Einsprachen vom Baselbieter Heimatschutz und von 30 Bewohnern der Gartenstadt neben dem Restaurant. Gemeinde und Kanton deuteten nämlich an, dass sie die Siedlung aus dem Jahre 1912 unter Schutz wollen, das 1927 im gleichen Stil gebaute Restaurant aber nicht.
Modernes nicht erlaubt

«Wir mussten uns entscheiden», sagt Maier. «Entweder wir drücken unser Projekt juristisch durch, oder wir setzen uns mit den Ängsten und Bedürfnissen der Anwohner auseinander.» Trotz der Erfolgschancen für die erste Variante wählte Stalder die zweite. Er entschied, das alte Gebäude zu sanieren und einen Anbau zu erstellen. «Damit waren auch die Anwohner einverstanden», sagt Maier.
Anfang Mai erhielt Stalder die Baubewilligung. Der Anbau ist tiefer als das Gebäude von 1927 und hat ein Giebeldach, die Zonenordnung lässt nichts anderes zu. Er übernimmt den architektionischen Stil des Restaurants. Was den Verzicht auf den vollständigen Neubau erleichterte: Das Bauvolumen blieb bei einer Sanierung mit Anbau ungefähr gleich. Und auch die Rendite habe sich nicht wesentlich verändert, sagt Maier.
«Historisierende Architektur ist normalerweise nicht das, was wir von uns aus empfehlen», sagt der stellvertretende kantonale Denkmalpfleger Walter Niederberger. Seine Stelle bevorzuge Bauten mit zeitgenössischer Architektur. Trotzdem ist er voll des Lobs für das Projekt, das jetzt umgesetzt wird. «Das Restaurant abzureissen, um einen Neubau zu erstellen, wäre vermutlich möglich gewesen. Aber die Sanierung ist sicher die bessere Lösung.» Das Restaurant bilde eine Art Tor zur Gartenstadt. Lobenswert sei zudem die Vorgehensweise des Architekturbüros. Es sei von sich aus auf die Einwände gegen einen Abriss eingegangen. «Ich bin froh, dass es keinen behördlichen Entscheid brauchte.»
Restaurant theoretisch abreissbar

Zurzeit laufen bei der Gemeinde Münchenstein Bestrebungen, mit zonenrechtlichen Massnahmen die Gartenstadt zu schützen. Weiterhin ohne Schutz soll das Restaurant bleiben. Denn es gehöre architektonisch nicht zur Einheit der Gartenstadt, sagt Niederberger. «Es hat zwar den gleichen Baustil wie die Gartenstadt, ist aber eine spätere Nachahmung.»