Seltisberg
Richtige Jäger kennen kein schlechtes Wetter – ihre Hunde schon gar nicht

Der Nordwestschweizer Jagdhundetag in Seltisberg war Stelldichein der waidmännischen Vierbeiner. 70 Jagdhunde folgten den Befehlen ihrer Jäger. Das regnerische Wetter störte sie dabei nur wenig.

Lucas Huber
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Aufmerksam und bereit für den Einsatz. lhu

Aufmerksam und bereit für den Einsatz. lhu

Da nützt das ganze Wetterglück der Vorjahre nichts: Wenn es regnet, dann regnet es. Und dieses Mal, zum 10. Nordwestschweizer Jagdhundetag in Seltisberg, regnete es nicht nur; es war auch noch kalt. Ein richtiger Jäger aber, der kennt kein schlechtes Wetter. Lediglich ungenügend schützende Kleidung. Der eine oder andere der rund 300 anwesenden Jäger rügte das graue Stubenwetter aber trotz wetterfester Jacke und Waidmannshut.

Nur die rund 70 ausgebildeten Jagdhunde, die scherten sich keinen Deut um die Witterung. Sie taten, was von ihnen verlangt wurde – stöberten, schnupperten, bellten kaum. Ja: Jagdhunde sind stille Zeitgenossen. Gelegentlich brandete aber doch ein kurzes Gebell auf, etwa, als ein Flat Coated Retriever an einer Gruppe Dackeln vorüber ging und lauthals angekläfft wurde.

Einzigartig in der Schweiz

«Dackel», sagt Lucia Moreno lachend, «neigen manchmal zur Selbstüberschätzung.» Die Jägerin gehört zu den Organisatoren des Jagdhundetags, der einzigartig ist in der Schweiz. Hier lernen Jungjäger das Wichtigste zu ihrem vierbeinigen Helfer. Darum sind nicht nur die angehenden Jäger aus den Nordwestschweizer Kantonen hier, sondern auch manche Berner, Luzerner, Zürcher. Für die hiesigen Jungjäger allerdings ist es ein Pflichttermin. «Unser Anliegen ist es, dass die Jäger gut und seriös als Hundeführer ausgebildet werden», sagt Moreno.

Dazu gehört nicht nur, Wesenszug, Bedürfnisse oder Einsatzgebiet der jeweiligen Rasse zu kennen, sondern auch, dass ein Jagdhund unbedingt in Jägerhände gehört, denn er braucht Bewegung, Aufgaben und letztlich auch eine harte Hand, die ihn führt. Ein wichtiger Teil ist auch das Verarzten eines Hundes. Moreno erzählt von einem Terrier, dessen Bauch von den Hauern eines verletzten Wildschweins aufgeschlitzt worden sei. «Da muss der Führer richtig reagieren können», sagt sie und erzählt, wie der Hund dank der Vorbereitung überlebte und kein Bisschen seines Jagdtriebs eingebüsst habe. Er tat fröhlich mit in der Runde.

An fünf Posten lernen die Jungjäger auf dem Seltisberger Schiessplatz Wissenswertes zur Jagdkynologie, will heissen: zum Jagdhund im Allgemeinen einerseits und zu den jeweiligen Rassen für die verschiedenen Einsatzgebiete der Jagd andererseits. Erdhunde, Terrier oder Dackel etwa sind kleine, wendige und mutige Tiere, die Füchsen und Dachsen in deren Baue folgen können. Apportierhunde hingegen sind kräftig genug, erlegtes Wild zu apportieren.

Freude an der Natur

Zwei der rund 50 anwesenden Jungjäger sind Rouven Sterchi aus Bubendorf und Mike Nachbur aus Bretzwil. Sammler sind die Freunde schon; sie «pilzlen» regelmässig. Nun wollen sie auch unter die Jäger gehen. Die Freude an der Natur hat sie dazu gebracht, seit Februar sind sie im Jagdjahr, also in der einjährigen Ausbildung zum Jäger. «Für uns war das alles ziemliches Neuland heute», gesteht Nachbur, während die Vorstellung der Schweisshunde gerade beendet wird.

In einem knappen Jahr werden sie zur Jagdprüfung schreiten. Dort werden sie auch in ihrem Wissen über die Jagdhunde getestet. Vergangene Woche war nämlich Prüfungstermin. Die Durchfallquote war unüblich hoch. An den Hunden soll es allerdings nicht gelegen haben.

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