Psychiatrie
Riehener Sonnenhalde plant in Reinach eine Tagesklinik

Die gemeinnützige Privatklinik Sonnenhalde möchte endgültig im Baselbiet Fuss fassen. Sie eröffnet im Herbst in Reinach eine neue Tagesklinik mit Ambulatorium.

Michael Nittnaus
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Hier im Neubau an der Bruggstrasse 12 in Reinach will ab Herbst die psychiatrische Klinik Sonnenhalde eine Tagesklinik mit Ambulatorium eröffnen. Roland Schmid

Hier im Neubau an der Bruggstrasse 12 in Reinach will ab Herbst die psychiatrische Klinik Sonnenhalde eine Tagesklinik mit Ambulatorium eröffnen. Roland Schmid

Roland Schmid

Wer A sagt, muss auch B sagen: Rund ein Drittel der stationären Patienten der Riehener Klinik Sonnenhalde stammt bereits aus dem Baselbiet. Und seit vergangenem August läuft ein dreijähriger Pilotversuch mit der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) des Kantons Baselland, dank dem Baselbieter Patienten auch in der Tagesklinik der Sonnenhalde behandelt werden dürfen (die bz berichtete). Nun geht die gemeinnützige Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie noch einen Schritt weiter: Wie Recherchen der bz zeigen, plant die Sonnenhalde ins Baselbiet zu expandieren. Im Herbst eröffnet sie in Reinach eine Tagesklinik mit Ambulatorium.

Konkret mietet man sich auf einer Fläche von 600 Quadratmetern in den Neubau an der Bruggstrasse 12 ein (siehe Bild). Die Tagesklinik soll zu Beginn zehn Patienten pro Tag aufnehmen können, später kann die Kapazität auf bis zu 20 Patienten verdoppelt werden. Damit baut sie ihr teilstationäres Angebot deutlich aus, bestehen in Riehen doch zurzeit 40 Plätze. Das neue Ambulatorium hingegen ist kein Ausbau, gibt die Sonnenhalde für Reinach doch das bestehende Ambulatorium an der Habsburgerstrasse in Basel auf.

Basel-Stadt finanziert vorbildlich

Klinik-Direktorin Anja Oswald bestätigt auf Nachfrage diese Informationen: «Unsere Tagesklinik in Riehen hat Wartefristen von drei bis sechs Wochen. Es bestehen in der Region also grosse Kapazitätsengpässe. Die vorerst zehn zusätzlichen Plätze in Reinach ermöglichen es uns, Baselbieter Patienten analog zu jenen aus Basel-Stadt eine wohnortnahe, durchlässige und integrierte Versorgung anzubieten.» Bei ambulanten und teilstationären Angeboten sei ein Anfahrtsweg von rund 30 Minuten anzustreben. Dank dem Standort in Reinach könnten nun die in Riehen stationär behandelten Baselbieter dort teilstationär weiterbehandelt werden. Dies bedeute allerdings nicht, dass die Patienten aus Baselland dann nicht auch weiter in die Riehener Tagesklinik kommen dürften.

Die Sonnenhalde wagt diesen Schritt, obwohl tagesklinische Plätze noch immer nicht kostendeckend finanziert sind. Oswald erhofft sich durch das Vorangehen auch eine Signalwirkung: «Es ist eines unserer strategischen Ziele, den ambulanten und teilstationären Bereich in der Psychiatrie zu stärken, sodass in Zukunft nur noch jene Patienten stationär behandelt werden müssen, die es wirklich benötigen.» Der neue Standort solle auch die gesellschaftliche und politische Diskussion anregen, wie diese dringend notwendigen Angebote finanziert werden.

Wie es gehen könnte, zeigt Basel-Stadt. Hier werden die Kosten bereits seit längerem mit einem fixen Schlüssel zwischen Kanton (56 Prozent) und Krankenversicherern (44 Prozent) aufgeteilt. Einen ähnlichen Weg geht nun auch Baselland mit dem eingangs erwähnten dreijährigen Pilotprojekt: Die Sonnenhalde erhält eine Tagespauschale von 300 Franken pro Patient, wovon der Kanton rund 165 Franken oder 55 Prozent zahlt. Den Rest übernimmt die Krankenkasse. Auch für Reinach gilt diese Vereinbarung. Das Ganze wird wissenschaftlich begleitet. «Erste Auswertungen zeigen, dass dank der Tageskliniken stationäre Aufenthalte verhindert oder verkürzt werden können», sagt Oswald.

Psychiatrie BL möchte dasselbe

Bisher öffentlich nicht bekannt ist, dass Baselland den Pilot finanziell beschränkt: Ein Kostendeckel von 600 000 Franken soll verhindern, dass die Sonnenhalde unbeschränkt von den gegenüber den anderen Anbietern besseren Konditionen profitiert. Jürg Sommer, Leiter des Amts für Gesundheit bei der VGD, unterstützt die neue Tagesklinik grundsätzlich. Dass mit der Sonnenhalde nun ein Basler Player im Baselbiet Plätze schafft, störe ihn nicht: «Tagesambulante Angebote benötigen von uns keine spezifische Bewilligung. Ob sie nun von der Psychiatrie Baselland, der Klinik Arlesheim oder eben der Sonnenhalde angeboten werden, ist nicht entscheidend. Für uns zählt eine gute Versorgung der Patienten.»

Auch die Psychiatrie Baselland hat nichts gegen die Reinacher Sonnenhalde-Filiale – solange die finanzielle Deckelung des Pilotprojekts mit Baselland besteht: «Ohne sie wäre es eine Bevorteilung», sagt CEO Hans-Peter Ulmann. Sein Wunsch ist klar: «Sind die drei Jahre erst einmal sauber ausgewertet, brauchen alle Anbieter im Raum Basel dieselbe Regelung.»

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