Detailhandel
Rolando Benedick verschwindet – aber nicht ganz

Der ehemalige Manor-Chef Rolando Benedick geht jetzt auch bei Valora – in Basel wird er aber sichtbar bleiben.

Stefan Schuppli
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Hat den analytischen, kritischen Blick: Rolando Benedick.Walter Bieri /Keystone

Hat den analytischen, kritischen Blick: Rolando Benedick.Walter Bieri /Keystone

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Er hat einen speziellen Charme, Rolando Benedick: Sein Accent, sein Kleidungsstil, der seine Verbindung zur Modebranche nicht verleugnen lässt. Und er kann einen strengen Blick haben, der auf Durchsetzungswille schliessen lässt. Letzteres ist offen gestanden eine freihändige Einschätzung. Aber muss ein Manager, der zwei Konzerne umgebaut hat, nicht sehr durchsetzungsfreudig sein? Eben.

Jetzt tritt Rolando Benedick, 70, als Verwaltungsratspräsident der Valora-Gruppe (Hauptsitz Muttenz) zurück – nach neun Jahren. An seine Stelle tritt Intersport-Chef Franz Julen. «Ich denke, nach neun Jahren als Verwaltungsratspräsident ist der Zeitpunkt für einen Rücktritt gekommen», sagt er im Gespräch mit der bz. «Als wir damals die Leitung übernommen hatten, war Valora in einer sehr schwierigen Lage. Die Firma hatte zu diesem Zeitpunkt über 50 Prozent des Betriebsergebnisses mit Presseerzeugnissen gemacht und weniger als 30 Prozent mit Retail, also Detailhandel. Dann kam das iPhone, und speziell 2010 das iPad.» Die Digitalisierung führte zu einem starken Rückgang der Nachfrage nach Presseerzeugnissen. «Wir mussten unsere Strategie den neuen Marktgegebenheiten anpassen. Das war unglaublich interessant und spannend. Und wir haben die Valora-Gruppe in eine Retail-Firma umgebaut.»

Ein Königreich für eine Brezen

Dazu wurden Firmen gekauft wie etwa Ditsch (Brezelkönig), Tabacon und die Convenience-Concept-Kette in Deutschland sowie das Kiosknetzwerk Naville in der Westschweiz. Heute macht Valora rund 2,1 Milliarden Umsatz und ist ein Retailer. «Zum Halbjahr 2016 haben wir entsprechend sehr gute Resultate gezeigt. Die Firma geht jetzt in eine neue Phase, sie wird weiter wachsen und dies auch mit weiteren Zukäufen anstreben. Dies, um ein wichtiger Player im kleinflächigen Detailhandel in ganz Europa zu werden.» Als Benedick begann, machte Valora noch einen Umsatz von 2,8 Milliarden. Aber damals trugen zu diesem Umsatz noch der Grosshandel der Division Trade und der Bereich Pressedistribution bei. Der Detailhandel generierte einen Umsatz von rund 1,7 Milliarden Franken. Valora lag verschiedentlich auch mit den Gewerkschaften im Streit. Diese kritisierten die Arbeitsbedingungen und die tiefen Löhne. Die Frage der Verselbstständigung von Kiosks in selbstständige Agenturen führte auch zu einer Schiedsgerichtsverhandlung, gemäss Benedick fiel der Entscheid aber zugunsten von Valora. Die Arbeitskonditionen seien laufend verbessert worden. Eine Umfrage beim Personal habe ihm «sehr viel Mut gemacht, in diese Richtung weiterzugehen».

Schon zuvor bei Manor hatte Benedick 1989 eine Firma angetroffen, die nicht gerade gut im Schuss war. «Wir haben die ganze Umstrukturierung gemacht und auf den richtigen Weg gebracht. Wir haben viele Konzepte realisiert, es war eine wunderbare Zeit.»

Ab 1. April 2017, nach der Generalversammlung, ist Rolando Benedick weg von Valora. Was wird er danach tun? Es wird ihm sicher nicht langweilig, denn er hat noch andere Verwaltungsratsmandate, zum Beispiel bei den Pariser Galeries Lafayette und Familien-Vermögensverwaltungen («Family Offices») in Zürich und Mailand. «Ich werde 40 Prozent meines Lebens neu erfinden.»

Mit drei Family Offices, zwei Stiftungen und dem Präsidium des Leopard Clubs (Filmfestival Locarno) sei er genügend ausgelastet.

Benedick ist stark mit Basel verbunden «Ich werde immer in Basel engagiert sein», gibt er zu Protokoll. Er ist im Vorstand der Handelskammer beider Basel und Präsident des Freiwilligen Museumsvereins.

Mehr reisen wird er nicht. «Ich bin immer sehr viel gereist. Vielleicht werde ich jetzt zwei Wochen länger in unserem Haus in Südfrankreich sein und im Wallis. «Ich freue mich auf diese Zeit», sagt er.

«Ich verlasse eine Firma, die gesund ist, mit einer gesunden Eigenkapitalbasis, mit einer klaren Strategie, einem sehr guten Verwaltungsrat und die mit Franz Julen einen Top-Präsidenten hat. Ein unglaublich guter Mann mit einer grossen Erfahrung. Auch die Geschäftsleitung ist eine sehr gute, junge Mannschaft, die alles gibt, um noch besser zu werden.»

Die Beziehung Benedicks zum Filmfestival Locarno reicht schon mehr als 40 Jahre zurück. Im Jahr 2008 gründete er den Leopard Club, einen exklusiven Gönnerklub für das Filmfestival. Kürzlich wurde er für seine Verdienste für das Festival geehrt. Benedick ist im Tessin und in der Westschweiz aufgewachsen.