Augusta Raurica
Römerstadt Augusta Raurica kämpft mit Besucherschwund

Die Frankenstärke beschert der Römerstadt Augusta Raurica einen Einbruch bei den Besucherzahlen: 9 000 Eintritte weniger wurden im vergangenen Jahr gezählt. Auch bei der Forschung steht nicht alles zum Besten: die Arbeitsbedingungen sind ungenügend.

Joël Hoffmann
Merken
Drucken
Teilen
2012 waren aufwendige Sanierungsarbeiten am Freiluftmuseum nötig.

2012 waren aufwendige Sanierungsarbeiten am Freiluftmuseum nötig.

Archiv/Andreas Frossard

Der schwache Euro hat auch Auswirkungen auf Augusta Raurica. Die Römerstadt in Augst verzeichnete letztes Jahr noch 46 091 Museumsbesucher. Das sind 9 000 weniger als im Jahr 2011. Vor allem kamen weniger Besucher aus dem grenznahen Ausland. «Besonders für Schulklassen aus dem Ausland sind Museumstouren und Workshops zu teuer», sagte Augusta-Raurica-Leiter Dani Suter an der Jahrespressekonferenz am Mittwoch im Museum.

Kinder? Kinder! Ausstellung

Etwa 15 000 Menschen lebten in Augusta Raurica. Fast die Hälfte war unter 18 Jahre alt. Die neue Ausstellung «Kinder? Kinder! Auf Spurensuche in Augusta Raurica» beleuchtet die Rolle der Kinder und ihrer Eltern in der Antike. Weil die Kinder wenig hinterliessen, bestand die Herausforderung in der Interpretation der Exponate. Eine Amphore beispielsweise diente als Behälter für Olivenöl, aber auch als Sarg für Säuglinge. Ein Highlight sind Videointerviews mit Kindern, die beispielsweise über ihre Zukunftswünsche befragt werden. Die Ausstellung schlägt somit eine Brücke zwischen Antike und Gegenwart. (jho)

Unhaltbare Zustände

Trotzdem verzeichnete das Jahr 2012 einige Highlights, wie das Grösste Römerfest der Schweiz oder den neu gestalteten Tierpark. Nebst dem Museums- und Kulturbetrieb ist die Ausgrabungsstätte nach wie vor ein Forschungs-Hotspot für Studierende und Wissenschaftler aus der Schweiz und Europa. Mehrere Forschungsbände sowie ein neuer Führer durch Augusta Raurica zeugen davon. Für dieses Jahr haben sich Wissenschaftler der Uni Frankfurt angemeldet. Die Anthropologen werden versuchen, aus den Fundstücken Erkenntnisse über das Leben der Menschen um das Jahr 240 zu gewinnen.

Doch gerade die Forschung ist ein Sorgenkind der Römerstadt. Nicht etwa die Qualität, sondern die Arbeitsumstände sind bereits seit Jahren mies. So bezeichnet Kulturdirektor Urs Wüthrich die Arbeitsplätze als menschenunwürdig. Die Medien berichteten mehrfach darüber. Besonders klagen die Verantwortlichen von Augusta Raurica über die mangelnde Depot-Situation. Zwar werde in die Ausgrabungen investiert, aber weil die Römerstadt die Fundstücke nicht zweckmässig lagern kann, nehmen die Exponate Schaden.

Auf dem Weg zum Weltkulturerbe

Regierungs- und Landrat haben die Probleme erkannt und einen Projektierungskredit von 1,7 Millionen für ein neues Sammlungszentrum gesprochen. Doch Landräte aus FDP und SVP haben gegen den Kredit das Referendum ergriffen. Ein neues Sammelzentrum sei in Anbetracht der Finanzlage des Kantons «nicht vertretbar». Das Volk wird noch dieses Jahr über den Kredit abstimmen.

Nebst dem Sammelzentrum ist das sogenannte Entwicklungskonzept in der Entstehung. Urs Wüthrich betont, dass dabei die Interessen der Standortgemeinden berücksichtigt und die bestehende Landwirtschaft nicht infrage gestellt wird. Diese beiden politischen Geschäfte sind Meilensteine für die angestrebte Kandidatur Augusta Rauricas als UNESCO Weltkulturerbe.

Eine grosse Herausforderung stellt die Erhaltung der Monumente dar. Wegen der Temperaturschwankungen zu Beginn des letzten Jahres kam es auf der Tempeltreppe gegenüber des Theaters zu Absprengungen, weil Tauwasser in die Ritzen floss und sich anschliessend beim Gefrieren ausdehnte. Die Sanierung war unerwartet aufwendig, wie Suter erklärt.