Lehrplan 21
Rot-Grün nimmt Bildungsdirektorin Gschwind in die Pflicht

Kaum haben sich die Baselbieter Stimmberechtigten gegen die Einführung der Sammelfächer ausgesprochen, gleichzeitig aber die Position des Bildungsrats bekräftigt, knöpft sich das reformkritische Bildungskomitee Starke Schule Baselland erneut den Lehrplan 21 vor. Doch was sagen die Parteien?

Bojan Stula
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Die nächsten Baselbieter Bildungsinitiativen sind bereits in der Pipeline.

Die nächsten Baselbieter Bildungsinitiativen sind bereits in der Pipeline.

Hans-Martin Jermann

Der nächste Vorstoss des Vorstands der Starken Schule Baselland um Geschäftsführerin Saskia Olsson und Landrat Jürg Wiedemann will die vorgesehene Vermittlung von Kompetenzen verhindern und stattdessen Themen und Inhalte festschreiben. Mittels einer Umfrage will die Starke Schule herausfinden, ob die Baselbieter Lehrerschaft eine entsprechende Initiative mittragen würde.

Damit verfolgt das Komitee seine duale Strategie weiter, gleichzeitig mit Vorstössen im Parlament und dem Einreichen von Volksbegehren die Bildungsreform Harmos zu Fall zu bringen und den Lehrplan 21 scheibchenweise in seinem Sinne umzumodeln. Zu diesem Zweck sind bereits fünf weitere Initiativen in der Pipeline, von denen eine den Harmos-Ausstieg fordert, und die vier anderen nur eine Fremdsprache auf Primarstufe, den Ausstieg aus dem Passepartout-Fremdsprachenprojekt, den niveaugetrennten Unterricht an Sekundarschulen sowie die Rückkehr zum universitären Fachunterricht für Lehrerinen und Lehrer wollen. Gleichzeitig hat der Landrat eine Motion der parteilosen Regina Werthmüller zur konkreten Festschreibung von Lerninhalten im Bildungsgesetz überwiesen. Aber auch die FDP-Forderung nach der Abschaffung des Bildungsrats bleibt im Parlament trotz des Ergebnisses vom 5. Juni pendent.

Ende des Marschhalts?

Angesichts dieser Schwemme von politischen Vorstössen dürften viele Bürgerinnen und Bürger den Überblick verloren haben, welches der aktuelle Stand der angestrebten Bildungsreform ist. Hinter den Kulissen sind derzeit Arbeitsgruppen unter der Leitung des Amts für Volksschule (AVS) an der Erarbeitung des neuen Lehrplans Volksschule Baselland für die Sekundarstufe I, welcher die Schwächen des Lehrplans 21 ausmerzen und ab Schuljahr 2018/19 auf der Sekundarstufe 1 eingeführt werden soll. Innerhalb der Baselbieter Parteien gehen indes die Meinungen auseinander, welche weiteren Schritte zur Umsetzung nun erfolgen müssen. Dies zeigt die unten stehende Umfrage bei den Kantonalpräsidenten der acht grössten Baselbieter Parteien.

Für den EVP-Präsidenten Urs von Bidder besagt das Abstimmungsergebnis vom 5. Juni sogar, dass die Zeit des von der Bildungsdirektorin Monica Gschwind nach deren Wahl ausgerufenen «Marschhalts» jetzt vorbei sei. Auch die SP und die Grünen fordern von der FDP-Regierungsrätin, dass sie im Bildungsdossier für alle sichtbar den Lead übernimmt und zu den einzelnen Vorlagen und Initiativen klar Stellung bezieht. Gschwind hat ihrerseits gegenüber der bz angekündigt, dass ihre Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion einen Fahrplan zur Umsetzung der jüngsten Abstimmungsergebnisse sowie zu Werthmüllers Motion aufsetzen und «sobald wie möglich dazu informieren» wird. Wenig überraschend sagt die FDP ihrer Regierungsrätin in dieser Hinsicht die volle Unterstützung zu, während die CVP wie SP und EVP eine Aussage von Gschwind erwarten, wie lange die Gruppe Marschhalt noch tätig sein soll.

Bei der bz-Umfrage liess ich einzig die SVP noch nicht in die Karten blicken. Laut Kantonalpräsident Oskar Kämpfer entscheidet die Parteileitung Ende Monat über das weitere Vorgehen.

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