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Kantonsspital Baselland schreibt 6,4 Millionen Franken Verlust im Corona-Jahr 2020

Die Corona-Pandemie hinterlässt wie zu erwarten tiefe Spuren in der Bilanz des Kantonsspitals Baselland. Die Geschäftsleitung zeigt sich aber zuversichtlich, dass sich der Betrieb rasch normalisiere. Der bereits eingeschlagene Transformationsprozess an allen drei Standorten Liestal, Bruderholz und Laufen werde weiter verfolgt.

Benjamin Wieland
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Im Bruderholz-Spital wurde im ersten Lockdown ein normalerweise anders genutzter Raum zu einer Covid-Krankenstation umfunktioniert.

Im Bruderholz-Spital wurde im ersten Lockdown ein normalerweise anders genutzter Raum zu einer Covid-Krankenstation umfunktioniert.

Kenneth Nars/bz-Archiv

Der neue CEO des Kantonsspitals Baselland (KSBL) hätte sich keinen dramatischeren Zeitpunkt auswählen können. Per August 2020 trat Norbert Schnitzler seine Stelle an. Er traf einen Betrieb an, der die erste Phase der Pandemie gerade erst gemeistert hatte – und sich sogleich daran machte, die sich anbahnende zweite Welle zu bewältigen.

Dafür, dass das KSBL seinen Betrieb komplett auf den Kopf stellen und hohe Merhaufwände bewältigen musste, mutet der Jahresverlust bescheiden an: Minus 6.4 Millionen Franken. Der Ertrag aus Spitalleistungen nahm an den drei Standorten Liestal, Bruderholz und Laufen um rund 10 Prozent ab, auf 360 Millionen Franken. Das Eigenkapital schrumpft auf 141 Millionen Franken, die Eigenkapitalquote liegt jedoch beinahe unverändert bei 65 Prozent.

Bereinigt nach Sonderfaktoren beträgt der Verlust 3,15 Millionen Franken. Er ist nur unwesentlich höher als derjenige im Vorjahr, 2019 lag der bereinigte Fehlbetrag bei 2,7 Millionen Franken. Vor Sonderfaktoren lag das Defizit 2019 bei über 70 Millionen Franken. Das ist jedoch darauf zurückzuführen, dass Immobilienwerte, welche mit dem stillgelegten Spital Laufen zusammenhingen, aus den Büchern getilgt werden mussten. Norbert Schnitzler legte an der Präsentation des Geschäftsberichts 2020 am Mittwoch Wert darauf, dass man daran sei, den Spitalalltag wieder so zu organisieren, wie er vor Corona gewesen sei.

Gesundheitszentrum Laufen soll Mitte 2022 öffnen

«Auch beim Ergebnis 2021 werden wir noch einen Corona-Effekt drin haben», sagt Schnitzler. «Doch wir sind am Normalisieren des Betriebs, wir fahren langsam die Intensiv-Kapazitäten zurück.» Gesamthaft sei man auf Kurs, was auch bedeute: Die Strategie Fokus werde, nach dem mehrmonatigen coronabedingten Unterbruch, weiterverfolgt. Gemäss «Fokus» werden die Doppelspurigkeit zwischen Liestal und dem Bruderholz aufgehoben und die jeweiligen Profile geschärft; in Laufen soll anstelle des früheren Spitals ein regionales Gesundheitszentrum entstehen.

Am Standort Bruderholz sind grössere Bauvorhaben geplant. Unter anderem ist vorgesehen, einen neuen Operationstrakt zu bauen, der danach in Kooperation mit der Hirslanden-Spitalgruppe betrieben werden soll. Auch das Bettenhaus wird einem Neubau weichen. Trotz Rückschlägen ist Schnitzler zuversichtlich, das neue Gesundheitszentrum in Laufen am Standort Birs-Center Mitte kommendes Jahr in Betrieb nehmen zu können, inklusive einer 24-Stunden-Notfall-Anlaufstelle. Man sei im Gespräch mit mehreren Akteuren vor Ort, sagte Schnitzler. Generell setze das KSBL auf Partnerschaften, sei es mit privaten Anbietern und Mitbewerbern, aber auch mit dem wichtigen Partner in der Stadt, dem Universitätsspital Basel.

Das KSBL musste den Betrieb im vergangenen Jahr komplett umstellen. Das Bruderholz wurde ab März zum Covid-Referenzspital des Kantons Baselland. Schon im April lag die Zahl der Behandlungen am KSBL auf der Hälfte des üblichen Umfangs.

Zwanzig mal mehr Schutzbrillen verbraucht

Eindrücklich sind die Zahlen zum Verbrauch an Schutzmaterial am KSBL. Bei den chirurgischen Schutzmasken versechsfachte sich der Verbrauch auf 144'000 Stück. Bei den FFP2-Masken beträgt das Wachstum das Elffache, bei den Einweg-Schutzbrillen sogar das Zwanzigfache im Vergleich zum Vorjahr.

Das Spital habe gerade im ersten Lockdown viel Geld für Schutzmaterial aufwenden müssen, sagte KSBL-Finanzchef Remo Anceschi. Gewisse Anbieter hätten Wucherangebote gemacht. Glücklicherweise habe man nicht darauf eingehen müssen, sagte Anceschi, weil immer genügend Material vorhanden gewesen sei.

Behandelt wurden am KSBL im Jahr 2020 insgesamt 705 Covid-Patienten. 62 benötigten Intensivpflege, 65 Personen verstarben, 640 gelten als genesen.