Verlust
Rote Zahlen trotz mehr Kunden: Inter-GGA guckt in die Röhre

Zum ersten Mal hat die Inter-GGA ihren Geschäftsbericht öffentlich gemacht. Die Kabelnetz-Betreiberin schrieb 2014 einen Verlust – obwohl sie Kunden hinzugewann.

Benjamin Wieland
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2014 haben mehr Menschen die Angebote der Inter-GGA abonniert - trotzdem resuliert im Jahresbericht ein Minus.

2014 haben mehr Menschen die Angebote der Inter-GGA abonniert - trotzdem resuliert im Jahresbericht ein Minus.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Die Premiere folgt im 13. Jahr: Zum ersten Mal hat die 2002 gegründete Inter-GGA ihren Geschäftsbericht öffentlich gemacht. Die Kabelnetz-Betreiberin verschickte ihn heute an die Aktionäre, eine Aufschaltung im Netz soll folgen. Am Nachmittag lud das Unternehmen die Medien nach Reinach, wo der Verwaltungsratspräsident und der CEO den Bericht erläuterten. Die Inter-GGA ist um mehr Transparenz bemüht – damit will sie offensichtlich die Aktionärsgemeinden, aber auch die Kunden besänftigen. Das Unternehmen sah sich in den vergangenen Monaten teilweise harscher Kritik ausgesetzt; Ursache war der erst kürzlich abgeschlossene Providerwechsel.

Die Querelen rund um die Migration fanden nun auch Niederschlag in den Finanzen. Die Zahlen, die der Kabelnetz-Verbund heute publizierte, sind nicht erfreulich. Fürs vergangene Jahr weist die Inter-GGA einen Verlust von rund 720 000 Franken auf, dies bei einem Umsatz von 4,9 Millionen Franken; im Vorjahr verzeichnete man noch fast 88 000 Franken Gewinn. Das Eigenkapital schrumpfe 2014 auf knapp 800 000 Franken. Die Investitionen liegen bei hohen 1,4 Millionen Franken. Zu erklären ist die mit der Migration. Denn unter diese Kostenstelle fällt auch die Beschaffung neuer Modems, die der Providerwechsel notwendig machte.

«Wir haben mit einem Verlust gerechnet», sagte Verwaltungsratspräsident Karl Schenk in Reinach. «Er ist nun etwas höher ausgefallen als erwartet.» Die Migration vom früheren Provider Improware zu Quickline habe einmalige Aufwände zur Folge gehabt. Da sich der Providerwechsel etwas verzögert habe, seien Mehrkosten entstanden. «Das Unternehmen», sagte Schenk, «ist nun aber fit für die Zukunft. Jetzt beginnt der Aufschwung.»

Deutlich mehr Telefoniekunden
Die Inter-GGA verkündete heute auch erfreuliche Zahlen. So wuchs die Zahl der Neukunden im Telefoniebereich um 10 Prozent; diejenige der Internetabonnenten um immerhin 4 Prozent. Den Kundenzuwachs führt CEO Georg Schmid auf zwei Faktoren zurück: Einerseits sei das Angebot der neuen Anbieterin Quickline offenbar attraktiv; andererseits habe der Wechsel auch einen grossen Werbeeffekt zur Folge gehabt. «Seit Ende März sind nun alle Kunden migriert», sagte Schmid. «Für das Unternehmen ist der Wechsel noch nicht ganz vorbei – jetzt läuft die Nachbearbeitungsphase.»

Für Karl Schenk wird die Generalversammlung am 25. Juni die letzte sein. Wie der Oberwiler bereits Mitte Mai bekannt gegeben hatte, wird er sich nicht mehr als Verwaltungsratspräsident zur Wahl stellen und aus dem Unternehmen ausscheiden. Neben dem neuen Präsidenten müssen die Aktionäre auch den Verwaltungsrat komplettieren. Nach dem Rücktritt von Lucas Wyss per Ende 2014 zählt dieser, Schenks Abgang miteinberechnet, noch drei Mitglieder. Die Statuten sehen als Minimum vier Verwaltungsrats-Mitglieder vor.

Millionen-Klagen drohen

Seit kurzem ist auch klar, wie hoch eine Inter-GGA-Aktionärsgemeinde ein Ausstieg aus den laufenden Verträgen kommen könnte. Die Schadenersatz-Forderungen liegen zwischen einer und drei Millionen – so steht es in den Unterlagen zur Gemeindeversammlung am 18. Juni in Oberwil. Dort ist ein derartiger Ausstiegsantrag hängig, ebenso in sieben anderen Gemeinden, die an der Inter-GGA beteiligt sind. Der Oberwiler Gemeinderat warnt vehement von einer Annahme der Ausstiegsanträge.
Per Anfang Jahr hatte sich Binningen vorzeitig von der Inter-GGA abgenabelt. Kurz darauf sistierte Dornach den Providerwechsel. Die anderen Gemeinden im Aktionärsbindungsvertrag haben angekündigt, gerichtlich gegen Binningen vorzugehen.