Rünenberg
Hier geht es zu und her wie im Bienenstock

Der vor Jahresfrist eröffnete Honigweg in Rünenberg ist ein Erfolg. Ganze Heerscharen besuchen diesen Woche für Woche und sorgen damit für ordentlich Mehrverkehr und einige rote Köpfe im 750-Seelen-Dorf im Oberbaselbiet.

Eva Oberli
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Der Honigweg beginnt bei der Wetterstation Rünenberg und führt durch Wald und Wiese zurück ins Dorf, wo er an der Hauptstrasse 6 endet.

Der Honigweg beginnt bei der Wetterstation Rünenberg und führt durch Wald und Wiese zurück ins Dorf, wo er an der Hauptstrasse 6 endet.

Eva Oberli

Bereits am Startpunkt des Honigwegs bei der Rünenberger Wetterstation lassen sich erste Kommentare vernehmen. Ein älteres Paar nähert sich, die beiden scheinen Marcel Strub, Projektinitiator und Leiter der Fachstelle Bienen der Kantone Baselland, Basel-Stadt und Solothurn, zu kennen. «Na, da hast du uns was eingebrockt, Marcel!», lacht der Herr und meint weiter:

«Die Leute überrennen uns ja geradezu, seit es den Weg gibt!»

Es ist kurz nach zehn Uhr an einem wolkenverhangenen Dienstag. Auf der asphaltierten Strasse, die in weichen Schwüngen in Richtung Wald führt, sind trotzdem zahlreiche Menschen unterwegs. Joggend, Fahrrad fahrend, mit dem Hund an der Leine oder kleinen Kindern an der Hand.

Vielerlei Absprachen und 1700 Stunden Arbeitsaufwand

Für die Routenplanung hat die Projektgruppe «Honigweg Rünenberg» mit Wanderwegexperten abgeklärt, was eine durchschnittliche Kleinfamilie zu leisten in der Lage ist. Deshalb wurde der ursprüngliche Plan, den Honigweg zwischen Rünenberg und dem Bad Ramsach Quellhotel anzulegen, wieder verworfen. «Die Distanz und die Höhenunterschiede wären zu gross gewesen, um sie Besucherinnen und Besuchern zuzumuten, die den Weg mit Nachwuchs und Kinderwagen im Schlepptau besuchen», erklärt Strub.

Schliesslich kam die Projektgruppe auf die dreieinhalb Kilometer lange Spazierstrecke zurück, die schon vor der Erstellung des Honigwegs sehr beliebt gewesen war. In der weiteren Planung galt es, Absprachen und Begehungen abzuhalten. Das Amt für Wald beider Basel, der Gemeinderat, die Land- und Waldeigentümer, sie alle mussten ihr Okay zum Projekt geben. Der Arbeitsaufwand betrug laut Strub bisher über 1700 Stunden.

Marcel Strub führt den Modell-Bienenkasten mit Soundsystem vor.

Marcel Strub führt den Modell-Bienenkasten mit Soundsystem vor.

Eva Oberli

Von Waben, Arbeiterinnen und den ersten Imkern

Die Anwesenden an diesem Tag scheinen nicht alle von den Infotafeln am Wegesrand Notiz zu nehmen, die an zwölf liebevoll gestalteten Posten allerlei Wissenswertes zum wertvollen Gut Honig veranschaulichen. So zeigt beim Posten «Bienenbehausungen einst und heute» ein Modell das Innenleben eines Bienenkastens, begleitet von Audioaufnahmen eines summenden Bienenvolks. Am Beispiel einer präparierten Buche ist dargestellt, wie die ersten Imker in unseren Breitengraden mit sogenannten Zeidlerbäumen Honig gewannen. Und beim Posten «Honigernte» wird erklärt, wie das flüssige Gold ins Glas gelangt. Die Zentrifugalkraft, die den Honig beim Schleudervorgang aus der Wabe treibt, können die Kinder auf einem extra angefertigten Karussell selbst nachfühlen. Weitere interaktive Elemente sollen auch bei anderen Posten noch dazu kommen, wegen Corona verspätet sich jedoch Produktion, Lieferung und Installation.

Das Honigschleuder-Karussell...

Das Honigschleuder-Karussell...

Eva Oberli
...und der Zeidlerbaum sind bei Kindern besonders beliebt.

...und der Zeidlerbaum sind bei Kindern besonders beliebt.

Eva Oberli 

Eva OberliEva Oberli 

Besuchende hinterlassen wenig Spuren

Die Instandhaltung des Honigwegs liegt gänzlich in der Verantwortung der Projektgruppe. Mindestens einmal pro Woche geht ein Mitglied den ganzen Weg ab, um den Zustand der einzelnen Posten zu kontrollieren und nicht ordnungsgemäss entsorgten Abfall aufzusammeln. Letzterer bereite aber wesentlich weniger Probleme, als im Vorfeld befürchtet, berichtet Marcel Strub.

Dass nur ganz wenige ihren Müll achtlos am Wald- und Wiesenrand zurücklassen, bestätigt ein im Traktor vorbeituckernder Bauer.

«Dahingehend sind die Leute wirklich anständig, das muss man sagen.»

Dafür bemängelt er, für Landwirtschafts- oder Forstarbeiten oft selbst auf dem Honigweg unterwegs, das ignorante Verhalten der Spaziergänger. «Grüssen nicht und machen keinen Platz auf der Strasse, aber was willsch?»

Zu viel Autos für zu wenig Rünenberg

«Wir erhalten gemischte Rückmeldungen zum Honigweg», sagt der Rünenberger Gemeindepräsident Thomas Zumbrunn. Es gebe einerseits einen gewissen Stolz in der Bevölkerung, dass Rünenberg als Standort gewählt wurde, doch es würden auch kritische Stimmen bei der Gemeinde vorstellig. In erster Linie wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens. Dass es durch den Honigweg einiges an Mehrverkehr in Rünenberg gibt, «insbesondere an Schönwetter-Wochenenden», räumt auch Marcel Strub ein. Im ansonsten sehr ruhigen 750-Seelen-Dorf Rünenberg falle das negativ auf, sagt Gemeindepräsident Zumbrunn.

«Und dann gibt es halt auch hier diesen kleinen Prozentsatz von Leuten, der sich nicht benehmen kann.»

Diese würden ihre Hunde auf frisch bestellten Feldern ihr Geschäft verrichten lassen oder arbeitenden Bauern zu verstehen geben, dass das Fahrverbot auf dem Honigweg auch für Traktoren gelte.

«Wir erhalten gemischte Rückmeldungen», sagt Gemeindepräsident Thomas Zumbrunn.

«Wir erhalten gemischte Rückmeldungen», sagt Gemeindepräsident Thomas Zumbrunn.

Kenneth Nars

Konkrete Massnahmen hat die Gemeinde bisher noch keine ergriffen, sehr wohl aber schon einige in Betracht gezogen. Darunter etwa, die Besuchenden verstärkt auf die Brut- und Setzzeit und allgemeine Anstandsregeln hinzuweisen, um die Wildtiere und die Nerven der Landwirte zu schonen. Auch die Idee, Parkgebühren zu erheben, wurde diskutiert, aufgrund des unstimmigen Aufwand-Ertrag-Verhältnisses aber vorerst verworfen. Der Gemeindepräsident ist zuversichtlich, dass sich die Situation in Zukunft von alleine beruhigen wird. «Der Ansturm der letzten Monate ist sicher auch durch Corona verstärkt worden. Die Leute waren mehr in der eigenen Region unterwegs und wegen der Maskenpflicht im ÖV nehmen zurzeit halt viele lieber das Auto.» Für Thomas Zumbrunn ist aber klar:

«Wir wollen keinesfalls mit neuer Parkierfläche mehr Kapazitäten schaffen, sondern versuchen, die Leute anders zu kanalisieren.»