Ruftaxis
Für fünf Franken bis vor die Haustüre gefahren werden? Das wird immer unbeliebter

Nach Muttenz will jetzt auch Bottmingen das Ruftaxi abschaffen. Die Benützerzahlen sind im Unterbaselbiet generell rückgängig, nicht erst seit Corona.

Michel Ecklin Jetzt kommentieren
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Beim Schloss Bottmingen kann pauschal ein Ruftaxi genommen werden – aber womöglich nicht mehr lange.

Beim Schloss Bottmingen kann pauschal ein Ruftaxi genommen werden – aber womöglich nicht mehr lange.

Martin Toengi

Seit über 30 Jahren gibt es in Bottmingen ein Ruftaxi. Für derzeit fünf Franken pro Fahrt kann man sich am Abend von einer Tramstation bis vor die eigene Haustüre (oder umgekehrt) fahren lassen. Vor allem für die Bewohner der Hanglagen ist das eine bequeme Dienstleistung, die sich die Gemeinde 70'000 Franken pro Jahr kosten lässt – aber womöglich nicht mehr lange. An der Gemeindeversammlung von 14. Dezember schlägt der Gemeinderat nämlich vor, das Ruftaxi ganz abzuschaffen.

Gemeindeverwalter Martin Duthaler sagt:

«Wir haben nach über 30 Jahren ein Fazit gezogen.»

Und das fiel eindeutig aus, denn die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Benutzten im Jahr 2010 noch über 5000 Bottmingerinnen und Bottminger das Ruftaxi, waren es vor Corona 2019 nur noch 3180. Vor einigen Jahren bewarb man die Dienstleistung verstärkt in den lokalen Medien, doch das änderte nichts an der sinkenden Beliebtheit.

«Die Mobilitätsangebote haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert», schreibt der Gemeinderat in den (noch nicht definitiven) Unterlagen zur Gemeindeversammlung. Dabei spricht er die neuen Mobilitätsformen an: private E-Bikes, Pick-E-Bikes, Ausleihtrottinetts, Uber, Carsharing. Zudem gibt es in Bottmingen inzwischen einen Ortsbus, der einen Teil der Hanglagen bedient.

Ökologische Bedenken in Muttenz

Was bei den Bottminger Zahlen auffällt: Vor allem bei den Jugendlichen ist das Ruftaxi in Ungnade gefallen. In dieser Bevölkerungssparte dürfte die Benutzung der neuen Mobilitätsformen eine entscheidende Rolle spielen. Einst galten die Ruftaxis als ein wesentlicher Faktor, um den öffentlichen Verkehr attraktiver zu machen. Doch stimmt der Bottminger Souverän im Dezember zu, schreitet der Niedergang der Ruftaxis in der Region weiter.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Gemeinde Muttenz die Dienstleistung abgestellt. Die Begründung auch hier: immer tiefere Benutzerzahlen. Diese hatten sich seit der Einführung im Jahr 2013 mehr als halbiert, auf zuletzt gerade noch 422 im Jahr 2019. Die Nachfrage stehe in keinem Verhältnis mehr zum finanziellen Aufwand, meinte der Gemeinderat. Zudem gab es ökologische Bedenken aufgrund der langen Anfahrtstrecke, die das Taxi täglich bewältigen musste, um dann nur ganz wenige Personen zu befördern.

In Oberwil wäre das Ruftaxi 2014 fast dem Spardruck zum Opfer gefallen. Einige Bürger stemmten sich erfolgreich dagegen – beliebter wurde das Taxi trotzdem nicht. Die Zahlen sind jetzt jedenfalls immer noch am Sinken, wie Toni Schürmann, der Informationsverantwortliche der Gemeinde, erklärt. Zwischen 2016 und 2019 haben sie sich halbiert. Deshalb hat der Gemeinderat eine Reduktion beschlossen. Das Ruftaxi fährt seit Anfang Jahr nur noch am Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend.

Mittelweg in Arlesheim

Fast schon dramatisch ist der Rückgang in Therwil. Mehr als gedrittelt hat sich die Nutzung des Ruftaxis zwischen 2015 und 2019. «Die Gemeinde hat im Moment keine Alternativen und wir sind daran, Lösungen zu erarbeiten», schreibt auf Anfrage Bernard Mathys, Bereichsleiter Bau-Raumplanung-Infrastruktur. Bereits 2016 hat die Gemeinde die täglichen Benützungszeiten eingeschränkt.

Einen Mittelweg zwischen der Abschaffung und der teuren Aufrechterhaltung der Ruftaxis ist Arlesheim gegangen. Dort steht seit 2017 nicht mehr ein Taxi durchgehend an der Tramhaltestelle, um auf Fahrgäste zu warten, die womöglich gar nicht kommen. Stattdessen verteilt die Verwaltung auf Wunsch Gutscheine für ein gewöhnliches Taxiunternehmen, das einen heimbringen kann.

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