Bezirk Arlesheim
Ruftaxis stellen Gemeinden vor ein Rätsel

Die Benutzerzahlen der Ruftaxis sinken. Die betroffenen Gemeinden reagieren unterschiedlich.

Michel Ecklin
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Martin Toengi

Bequemer geht’s nicht: Wenn man abends heimfährt, wartet an einer Haltestelle des öffentlichen Verkehrs ein Taxi, das einen für gerade mal fünf Franken bis vor die Haustüre fährt. Solche Ruftaxis haben in den vergangenen Jahren einige Unterbaselbieter Gemeinden eingeführt, vor allem im Leimental.

Die Subvention der Taxiunternehmen kostet sie eine Menge Geld – doch das Angebot wird immer weniger genutzt. In Bottmingen zum Beispiel fuhren 2006 noch 7296 Personen Ruftaxi, 2016 waren es 3971. In Oberwil sank die Anzahl Fahrgäste seit 2010 von 7047 auf 4280 im letzten Jahr, in Arlesheim in zehn Jahren von 2500 auf 1500. In Muttenz haben sich die Zahlen seit 2014 fast halbiert.

Über die Ursachen für die sinkende Beliebtheit kann man nur spekulieren. Oft fällt dabei der Name «Uber». «Damit kann man günstig die ganze Strecke von Basel nach Arlesheim fahren», sagt der Arlesheimer Gemeindepräsident Markus Eigenmann. Doch genau untersucht hat das keine Gemeinde. Auch die rasante Verbreitung von E-Bikes könne eine Rolle spielen, meint Eigenmann. «Damit kommt man abends mühelos den Hang hoch.»

Eine weitere mögliche Erklärung sieht er in einem verbesserten subjektiven Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum. Doch das bleiben Vermutungen. «Ich weiss nicht, warum die Zahlen runter sind», sagt auch Dieter Faller, Geschäftsführer des nach ihm benannten Taxiunternehmens. «Ich kann ja diejenigen Fahrgäste, die nicht mehr mit uns fahren, nicht mehr fragen.»

Eine Zeit lang hätten sich Jugendliche zum Schloss hoch fahren lassen, «zum Grillplatz dort oben, oder um mit dem Kickboard runterfahren». Dann beschloss die Gemeinde ein Fahrverbot für den obersten Abschnitt, «und seither haben die Benutzerzahlen ziemlich abgenommen». Doch das sei nicht entscheidend für die sinkenden Zahlen.

Arlesheim setzt auf Bons

Jetzt hat Arlesheim Konsequenzen gezogen. Seit Juli wartet nicht mehr unabhängig von der Nachfrage ein Taxifahrer bei der Tramhaltestelle. Stattdessen verkauft die Gemeinde für fünf Franken Bons, die bei zwei Taxiunternehmen 15 Franken wert sind.

Damit, so der Gemeinderat, könne man von den Haltestellen des öffentlichen Verkehrs das ganze Siedlungsgebiet erreichen. Das Taxi muss man aber eine halbe Stunde vor Fahrtantritt bestellen. «Jeder hat ja inzwischen ein Handy», sagt Gemeindepräsident Eigenmann. Die bisherigen Kosten von rund 55 000 Franken pro Jahr könne man um rund 40 000 Franken reduzieren.

Das Ruftaxi ganz abschaffen wollte Arlesheim aber nie. «Eine flexible Lösung ist sinnvoller», findet Eigenmann. In Oberwil dagegen wäre das immer unbeliebtere Ruftaxi 2014 fast den Spardruck zum Opfer gefallen. Doch einige Bürger stemmten sich erfolgreich dagegen. Auch in Bottmingen will man trotz sinkender Zahlen am bisherigen System festhalten.

«Rendite ist nicht unser oberstes Ziel», sagt Gemeinderat Remo Muchenberger. «Es ist eine Dienstleistung an die Bevölkerung.» Gerade für Frauen und Jugendliche sei es wichtig, für wenig Geld sicher heim zu kommen. Damit die Bottminger das Angebot wieder vermehrt wahrnehmen, will es der Gemeinderat bekannter machen.

In Therwil hat man das Angebot eingeschränkt. Erst stand das Ruftaxi in einer Versuchsphase ab 20 Uhr zur Verfügung, seit der definitiven Einführung 2016 erst ab 22 Uhr. «Wir sehen schon eine Nachfrage», sagt Gemeindepräsident Reto Wolf, «aber nur in einem bestimmten Zeitfenster.» Einen Systemwechsel wie Arlesheim schliesst Wolf bei sinkenden Zahlen nicht aus. «Das Ruftaxi kostet uns derzeit 50 000 Franken pro Jahr», rechnet er vor. «Das gäbe einige 10-Franken-Gutscheine.»

Binningen wider den Trend

Solche Sorgen kennen Allschwil und Binningen nicht, aus gegensätzlichen Gründen. Allschwil hat das Ruftaxi 2002 ersatzlos abgeschafft. In Binningen hingegen erfreut es sich seit 2007 steigender Beliebtheit. Zwischen 2015 und 2016 sind die Benutzerzahlen sogar um über zehn Prozent gestiegen, von 4586 auf 5142 Fahrgäste. Das war genau der Zeitraum, als Uber in der Region Fuss fasste. Gemeinderätin Caroline Rietschi kann darüber nur spekulieren: «Vielleicht macht sich der Einfluss von Uber erst weiter weg von der Stadt bemerkbar.» Man komme mit Bus oder Tram einfach bis zum Kronenplatz und nehme erst dann das Ruftaxi.